US-Soldat wegen Haditha-Massaker aus Armee entlassen

Der ranghöchste im Zusammenhang mit dem Massaker an irakischen Zivilisten in Haditha angeklagte US-Soldat ist nach Angaben seiner Anwälte in den Ruhestand versetzt worden. Der Oberstleutnant der Marine Jeffrey Chessani sei am Freitag aus dem Militär entlassen worden, teilten seine Anwälte am Montag (Ortszeit) mit

Die Rechtsvertreter Chessanis kritisierten die Entscheidung scharf und bezeichneten die Vorfälle in Haditha als “Massaker, das niemals passierte”.

Eine Gruppe von US-Soldaten war am 19. November 2005 in Haditha, 260 Kilometer westlich von Bagdad, auf Patrouille, als ein Sprengsatz explodierte und einen Kameraden tötete. Die Beteiligten sollen danach an den Einwohnern des Ortes Rache genommen haben. Laut Zeugenaussagen zog die Truppe von Haus zu Haus und schoss die Bewohner wahllos nieder. Die Männer unter Chessanis Kommando töteten fünf irakische Zivilisten und verletzten 19 weitere. Das US-Magazin “Time” brachte das Massaker 2006 ans Licht.

Insgesamt wurden im Zusammenhang mit dem Massaker acht Anklagen gegen US-Soldaten erhoben, von denen sieben inzwischen entweder fallen gelassen wurden oder mit Freispruch endeten. Chessani selbst war nicht unter den Soldaten in Haditha und befahl das Vorgehen auch nicht. Ihm war jedoch zur Last gelegt worden, nicht ausreichend zu dem Massaker in Haditha ermittelt beziehungsweise Informationen darüber nicht ordnungsgemäß weitergeleitet zu haben. Das Verfahren wurde eingestellt, Chessani sollte jedoch ohne Verlust seines militärischen Ranges in den Ruhestand versetzt werden. Mit der Versetzung in den Ruhestand ende nun die “vielversprechende Laufbahn” eines der besten US-Kampftruppenführer im Irak, kritisierten die Anwälte Chessanis. Er sei zum “politischen Sündenbock” gemacht worden, um Presse und Politiker zu besänftigen, die den Militäreinsätzen der USA kritisch gegenüberstehen.

Das Verbrechen von Haditha hatte dem Ruf der US-Streitkräfte im Irak empfindlich geschadet. Zuvor hatten 2004 bekanntgewordene Fotos von Erniedrigungen und sexuellen Demütigungen irakischer Gefangener durch US-Militärangehörige weltweit Empörung hervorgerufen. Auf den Bildern ist unter anderen die Soldatin Lynndie England zu sehen, wie sie lächelnd auf die Genitalien eines Häftlings zeigt und einen Gefangenen an einer Hundeleine führt. Auf den von Wärtern aufgenommenen privaten Fotos waren auch nackte Gefangene zu sehen, die zu einer Pyramide aufgetürmt wurden. Der US-Senat hat in einem umfangreichen Bericht die brutalen Verhörmethoden aufgezeigt, die in der Ära des früheren Präsidenten George W. Bush unter anderem in Abu Ghraib angewandt wurden. Misshandlungen von Gefangenen und brutale Verhörmethoden auf Basis des militärischen Trainingsprogramms Survival, Evasion, Resistance and Escape (“Überleben, Ausweichen, Widerstand und Flucht”, abgekürzt: SERE) waren laut dem Senatsbericht keine Einzelfälle, sondern Teil eines Systems.

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