Nord- und Südkorea stellen Militärkommunikation wieder her

Akt.:
Pompeo machte die Position der USA noch einmal deutlich
Pompeo machte die Position der USA noch einmal deutlich - © APA (AFP)
Nord- und Südkorea wollen ihre militärischen Kommunikationskanäle vollständig wiederherstellen. Darauf einigten sich beide Seiten am Donnerstag, wie in einer gemeinsamen Stellungnahme mitgeteilt wurde.

Bei den ersten hochrangigen Militärgesprächen Nord- und Südkoreas seit 2007 sei auch über eine Entmilitarisierung des Grenzdorfs Panmunjom “auf Probe” diskutiert worden und darüber, feindlichen Handlungen entlang der innerkoreanischen Grenze einzustellen.

Die Militärs trafen sich zwei Tage nach dem Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. In einer Absichtserklärung bekannte sich Nordkorea anschließend zur atomaren Abrüstung, allerdings ohne Zeitplan oder konkrete Schritte. Als Gegenleistung bot Trump unter anderem Sicherheitsgarantien an.

Keine Einigung erzielten die Militärs darüber, Kommunikationsverbindungen zwischen den militärischen Spitzenbefehlshabern beider Länder zu einzurichten sowie Gespräche zwischen den jeweiligen Verteidigungsministern zu vereinbaren. In der gemeinsamen Stellungnahme hieß es, man werde an den beiden Punkten arbeiten.

Laut Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll die nordkoreanische Seite gefordert haben, dass Südkorea die halbjährlich stattfindenden Militärmanöver mit US-Streitkräften einstellen solle. Zuvor hatte Südkoreas Präsident Moon Jae-in nach Angaben eines Sprechers angekündigt, man ziehe eine Pause bei den Militärmanövern zur Vertrauensbildung mit Nordkorea in Erwägung. Trump hatte nach dem Gipfel ebenfalls davon gesprochen, die Manöver einzustellen, ohne jedoch einen Zeitpunkt zu nennen.

In Washington gibt es unterdessen neue Skepsis bezüglich der atomaren Abrüstung Nordkoreas: Es gebe weiterhin “Risiken”, dass die Denuklearisierung auch nach dem historischen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Pjöngjangs Machthaber Kim Jong-un nicht “erreicht” werde, sagte US-Außenmnister Mike Pompeo am Donnerstag nach einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi in Peking.

Trump dagegen geht vom Ende der atomaren Bedrohung durch Pjöngjang aus – und relativierte die Menschenrechtsverbrechen der nordkoreanischen Führung.

Zwar glaube er, dass die USA und Nordkorea nach dem Gipfel in Singapur am Dienstag auf einem “Weg nach vorne” für den Frieden seien, sagte Pompeo in Peking. Aber er fügte hinzu: “Es gibt immer noch Risiken, dass wir dies nicht erreichen”. Es sei noch “viel mehr Arbeit” zu erledigen, auch von China, dem engsten Verbündeten Nordkoreas.

China habe sich erneut hinter die Sanktionen des UNO-Sicherheitsrats gegen Nordkorea gestellt, sagte Pompeo weiter. Die Sanktionen sollen nach dem Willen der USA erst nach einer vollständigen Denuklearisierung Nordkoreas gelockert werden.

Wang sagte, der Gipfel habe dabei geholfen, die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel “zu fördern und umzusetzen” und die Region einem “dauerhaften” Frieden näher zu bringen.

Wenig Stunden zuvor hatte Pompeo bei einer Pressekonferenz mit seinen Amtskollegen aus Südkorea und Japan in Seoul gesagt, Nordkoreas Machthaber sei sich der “Dringlichkeit” der Denuklearisierung bewusst. Washington sei nach wir vor entschlossen, die “vollständige, überprüfbare und unumkehrbare” Denuklearisierung Nordkoreas zu erreichen.

Pompeo hatte am Mittwoch mit einer “umfangreichen Abrüstung” Nordkoreas bis zum Jahr 2020 gerechnet. Die Denuklearisierung werde “ganz bestimmt” bis zum Ende des Mandats von Trump erfolgen, sagte er in Seoul. “Wir sind hoffnungsvoll, dass wir dies in zweieinhalb Jahren schaffen können.”

Auch Trump hatte am Mittwoch auf Twitter seinen Gipfel mit Kim als Erfolg gefeiert und betont, von Nordkorea gehe nun keine “atomare Bedrohung” mehr aus. Sein Vorgänger Barack Obama habe Nordkorea noch das “größte und gefährlichste Problem” der USA genannt. “Nicht mehr”, fügte Trump hinzu. “Schlaft heute Nacht gut!”

Kim hatte bei dem Gipfel am Dienstag in Singapur in die komplette atomare Abrüstung seines Landes eingewilligt. Nähere Definitionen, ein Zeitplan oder Kontrollmaßnahmen wurden dabei aber nicht vereinbart.

Kim ließ sich am Donnerstag im nordkoreanischen Staatsfernsehen nach seiner Begegnung mit Trump als “bedeutenden Weltführer” feiern. In einem 40-minütigen Beitrag über das Treffen hieß es, Trump habe dem nordkoreanischen Machthaber seinen “Respekt und endlose Bewunderung” ausgedrückt.

Derweil äußerte sich Trump relativierend über die schweren Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea. “Viele andere Leute haben einige wirklich schlimme Sachen gemacht, ich meine, ich könnte viele Länder durchgehen, wo viele schlimme Sachen gemacht wurden”, sagte Trump in einem Interview mit dem Sender Fox News.

Trump lobte Kim zudem als “einen sehr schlauen Kerl” und “großartigen Verhandler”. “Ich glaube, wir verstehen uns”, sagte der US-Präsident. Nach Angaben von Trumps eigenem Außenministerium hält Nordkorea zwischen 80.000 und 120.000 politische Gefangene als Zwangsarbeiter in Lagern fest, wo sie Folter und dem Hungertod ausgesetzt sind.

Auch Japans Ministerpräsident Shinzo Abe strebt nun offenbar ein Treffen mit Kim an. Die Regierung prüfe derzeit eine Reise Abes nach Pjöngjang im August, berichtete die Zeitung “Sankei Shimbun”. Kim habe sich bei seinen Beratungen mit Trump offen für ein Treffen mit Abe gezeigt. Bei dem möglichen Treffen soll es vor allem um Fortschritte in der Frage jener Japaner gehen, die nach Nordkorea verschleppt worden waren.

Der russische Präsident Wladimir Putin bekräftigte unterdessen bei einem Treffen mit einem Spitzenvertreter aus Nordkorea seine Einladung an Staatschef Kim Jong Un. Ein Gipfeltreffen könnte am Rande des Fernöstlichen Wirtschaftsforums in Wladiwostok Anfang September oder zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden, sagte Putin in Moskau.

Der nordkoreanische Parlamentsvorsitzende Kim Yong Nam überbrachte seinerseits eine persönliche Botschaft Kims an Putin, wie die Agentur Tass meldete. Angaben zum Inhalt machten beide Seiten nicht.

Russland begrüße es, dass Nord- und Südkorea in den vergangenen Monaten ihren Dialog ausgebaut hätten, sagte Putin bei dem Gespräch. “Und wir begrüßen das Treffen des nordkoreanischen Staatschefs mit dem US-Präsidenten, Herrn (Donald) Trump”, sagte Putin. Dies sei zwar nur ein Schritt zu einer umfassenden Lösung der Konflikte auf der koreanischen Halbinsel, “aber dank gutem Willen ist er gemacht worden”.

Die russische Einladung an Kim Jong Un hatte Außenminister Sergej Lawrow Ende Mai in Pjöngjang übergeben. Der Parlamentschef aus Nordkorea ist einer von Putins internationalen Gästen zur Eröffnung der Fußball-WM am Donnerstagabend.

(APA/ag.)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen