US-Fed-Chef Bernanke dürfte Hoffnungen der Märkte enttäuschen

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US-Fed-Chef Bernanke dürfte Hoffnungen der Märkte enttäuschen
Jackson Hole in einem idyllischen Tal in den Rocky Mountains gibt einmal mehr die Bühne – der Hauptdarsteller heißt Ben Bernanke und ist Chef der US-Notenbank Federal Reserve. Am (heutigen) Freitag wird Bernanke beim jährlichen Treffen wichtiger Zentralbanker aus aller Welt eine Grundsatzrede halten, bei der es aus Sicht der Finanzmärkte nur um eine Frage geht: Kommt QE3 oder nicht?

Mit anderen Worten: Wirft Bernanke im Kampf gegen den Rückfall in die Rezession abermals die Notenpresse an und überschwemmt die Vereinigten Staaten mit Dollars?

Die Akteure an den Finanzmärkten hoffen darauf, dass “Helikopter Ben” nochmals viele Dollars regnen lässt, um die maue Konjunktur und den Arbeitsmarkt zu beleben. Doch Ökonomen und andere Fed-Beobachter sind zuletzt immer skeptischer geworden, ob Bernanke bereit ist für eine neue Runde “Brot und Spiele” an den Börsen. “Alle Hoffnungen auf diese eine Rede zu setzen, dürfte gefährlich sein”, warnt RobCarnell von der ING Bank. Für Bernanke dürfte es am Ende schlicht eine Kosten-Nutzen-Abwägung sein: Enttäuscht er die Märkte, riskiert er einen Crash. Gibt er dem Affen Zucker, wird es hingegen an anderen Fronten für ihn ungemütlich.

Fed vor einer Zerreißprobe

Denn der tatsächliche Nutzen der bisherigen zwei Runden von Anleihekäufen durch die Fed (QE und QE2) ist umstritten – in- und außerhalb der Fed. Von außen bekam Bernanke etwa für die Politik des billigen Geldes heftige Schelte vom republikanischen Gouverneur in Texas, Rick Perry, der unlängst seine Präsidentschaftskandidatur bekanntgab. Und auch in der Fed wächst die Zahl der Kritiker. Zuletzt stimmten gleich drei Mitglieder des geldpolitischen Komitees FOMC gegen Bernankes Kurs – so viele wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr.

“Eine nochmalige Erhöhung des Einsatzes könnte die Fed vor eine Zerreißprobe stellen”, meint Bernd Weidensteiner, US-Geldpolitikexperte der Commerzbank. Letztlich werden aber trotz aller Kritik die beiden Schwergewichte der Notenbank, Bernanke und der mächtige Chef der regionalen Fed of New York, William Dudley, entscheiden, wohin die Reise geht – also ob die Zentralbank abermals Milliarden in die Wirtschaft pumpt oder nicht. Das letzte Anleihenkaufprogramm – QE2 – ging bis Ende Juni. Die 600 Mrd. Dollar (416 Mrd. Euro) der Fed halfen der größten Volkswirtschaft der Welt allerdings nicht auf die Beine.

Kritiker von Bernankes Kurs versuchten bereits vor der mit Spannung erwarteten Rede in JacksonHole die Luft rauszunehmen: “Ben Bernanke ist nicht die Zahnfee. Es ist nicht sein Job, Geschenke unter die Kopfkissen von Leuten zu legen, die Wünsche haben, die sich nicht so leicht erfüllen lassen”, sagte etwa der Chef der regionalen Fed von Dallas, Richard Fisher, dem Fernsehsender Fox Business. “Unsere Aufgabe ist es, die Dinge auf lange Sicht in die richtige Richtung zu führen.” Doch welche Richtung richtig ist, das ist ja gerade die Gretchenfrage in diesen Tagen.

Experten rechnen mit vorsichtigem Vorgehen

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Viele Experten glauben deshalb, dass Bernanke dieses Mal nicht wie 2010 großangelegte Anleihekäufe ankündigt, sondern vielmehr die Optionen, die ihm geblieben sind, auf den Tisch legt. Carl Riccadonna von der Deutschen Bank etwa glaubt, dass Bernanke zunächst nicht auf die Pauke hauen wird. “Wenn die Fed die Konjunktur noch weiter stimulieren will, dann könnte sie zum Beispiel versuchen, die Laufzeiten der von ihr gehaltenen Anleihen zu verlängern.” Sie würde also auslaufende Anleihen durch solche mit längeren Laufzeiten ersetzen und das gesamtwirtschaftliche Zinsniveau somit noch weiter reduzieren.

Einen ganz großen, wenn nicht historischen Schritt hat Bernanke bereits vor ein paar Wochen getan. Am 9. August legte sich die mächtigste Notenbank der Welt angesichts der desolaten Lage der Konjunktur und unter dem Eindruck der Börsenturbulenzen darauf fest, den Leitzins noch für mindestens zwei Jahre bei null Prozent zu lassen. Sie stoppte damit zwar zunächst die Talfahrt an den Börsen, doch die Selbstbindung könnte nach Ansicht vieler Fachleute etwa im Falle einer plötzlich stark anziehenden Teuerung oder anderem Unbill zum Problem werden. In jedem Fall hat sich Bernanke mit diesem unerwarteten Schritt Spielraum geschaffen – noch braucht es kein QE3.

Bernankes Rede in JacksonHole könnte also die Erwartungen der Finanzmärkte enttäuschen. Doch bereits am 20. September, wenn die Fed das nächste Mal offiziell über ihren geldpolitischen Kurs entscheidet, könnte er bei Bedarf diese “Scharte” wieder auswetzen. Millan Mulrain vom Broker TD Securities: “Die Fed wird wachsam bleiben, ob es negative Überraschungen für die US-Wirtschaft gibt – und wird jederzeit bereit sein, dann entsprechend zu handeln.” Q3 also nur aufgeschoben – nicht aufgehoben?

(APA / Reuters)

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