Urteil im Prozess um Mordversuch in Wiener Neustadt: 15 Jahre Haft

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15 Jahre Freiheitsstrafe lautete das Urteil im Prozess in Wiener Neustadt
15 Jahre Freiheitsstrafe lautete das Urteil im Prozess in Wiener Neustadt - © APA (Sujet)
Wegen versuchten Mordes ist ein 25-Jähriger, der im Juli 2014 in einem Mehrparteienhaus einem 33-Jährigen im Zuge eines Nachbarschaftsstreits in den Hals gestochen hatte, am Freitag am Landesgericht Wiener Neustadt zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig: Der Verteidiger meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab.

Der Prozess in Wiener Neustadt

Im ersten Rechtsgang im Dezember des Vorjahres hatte der Angeklagte zehn Jahre ausgefasst. Der Oberste Gerichtshof hob die Entscheidung aber teilweise auf. Im neuen Prozess, der am Mittwoch begonnen hatte, mussten die Geschworenen auch die Fragen beantworten, ob Putativnotwehr (die irrtümliche Annahme einer Notwehrsituation) bzw. Notwehrüberschreitung vorlag. Dies verneinten die Laienrichter jedoch mit sieben zu eins.

Mildernd: Es blieb Mordversuch

Erschwerend für die Strafbemessung war kein Umstand, mildernd die Tatsache, dass es beim Versuch geblieben ist. Vom neu hinzugekommenen Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Elfjährigen wurde der Beschuldigte freigesprochen.

Lärm in Siedlung: 25-Jähriger rastete aus

Das Geschrei der Mutter, ihren zwei kleinen Kindern und das Gebell von Hunden waren spät in der Nacht der Auslöser für den blutigen Nachbarschaftsstreit am 24. Juli 2014 in einer Wiener Neustädter Siedlung. Der Angeklagte, der aufgrund einer schwerwiegenden Herzinsuffizienz schon in Frühpension ist, klopfte an der Tür der Nachbarin. Die wollte nicht mit sich reden lassen, rief dafür aber ihren Ex-Freund und Vater ihrer Kinder, der sofort kam. Im Stiegenhaus eskalierte die Situation. Der 25-Jährige zückte ein Klappmesser und fügte dem Mann einen Stich zu, der nur knapp an der Halsschlagader vorbeiging.

Bereits im ersten Prozess waren die Geschworenen der Version des Angeklagten, aus Angst vor dem aggressiven Kontrahenten zugestochen zu haben, nicht gefolgt. Auch heute hielt Verteidiger Wolfgang Blaschitz daran fest, dass sein aufgrund seiner Krankheit überängstliche Mandant “heillos” mit der Situation überfordert gewesen sei, und plädierte auf Putativnotwehr und Notwehrüberschreitung.

Notwehrsituation bei Prozess bestritten

Staatsanwalt Erich Habitzl wich keinen Deut von der Anklage ab. Er forderte eine Verurteilung wegen Mordversuchs und schweren sexuellen Missbrauchs Unmündiger und wertete die Angaben des 25-Jährigen als reine Schutzbehauptungen: “Eine Notwehrsituation hat objektiv nie bestanden.”

Tenor der Zeugenaussagen zum Missbrauchsvorwurf war, dass man diesen ausschloss. Der Angeklagte habe sich vielmehr um das verwahrloste Kind “wie ein Vater” gekümmert. Eine Frau glaubte an einen “Racheakt” des Buben, weil ihn der Angeklagte nach einigen Vorkommnissen nicht mehr in seine Wohnung gelassen habe.

(apa/red)

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