URBAN Lifestyle: Chris Stephan über Heinzeling, den ORF und Kartoffeldruck

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URBAN Lifestyle: Chris Stephan über Heinzeling, den ORF und Kartoffeldruck
Spätestens seit “Heinzling” ist klar, dass es hier unter uns einen gibt, der für Spaß zu haben ist. Moderator und Comedian Chris Stephan. Die einen kennen ihn noch nicht, andere finden ihn “oarsch” oder extrem genial. Ich gehöre (über weite Strecken) zu den Letzteren. Hier Auszüge eines Treffens, das so ganz und gar nicht (oder doch?) dem Klischee eines hyperaktiven, mediengeilen Rising Stars entspricht.

(Lokal: Daniel Moser, 1010 Wien, 10 Uhr Vormittag)

Wir sitzen so da, lästern lieb und demütig (aber doch) über die österreichische und deutsche Medienlandschaft, vermeintliche Stars, reden über Menschen mit oder ohne Eier, darüber was und wer im Fernsehen Spaß macht. Dann schalte ich das Memo für das Interview ein. Und  – es geht genau so weiter.

Übrigens danke an vienna.at, dass ich hier eine weitere Seite im www befüllen darf, ohne Vorgaben und Einschränkungen. Ob das eine gute Idee ist? Genau das haben sich wohl auch die Chefs von PULS  4 gedacht, als sie vor nun mehr als vier Jahren Chris Stephan im Frühstücksfernsehen On Air ließen. Vier Jahre später steht der Sender noch und Chris Stephan ist ein PULS  4 Star (what ever that means). “Dafür bedanke ich mich auch, dass die den Mut hatten, mich machen zu lassen”, so Chris einsichtig, denn gewöhnlich ist der junge Mann sicher nicht. “Charmant und lieb, das ist sicher nicht das Erste, was Menschen zu mir einfällt!”

Chris Stephan kann nerven.  So hat er 2011 durchaus politisch motiviert als Silvio Berlusconi verkleidet den Opernball gecrasht, ein Jahr davor als Society Journalist “Christian-oh-wie-schehn” (in einen goldenen Frack gehüllt) ebendort die heimische Prominenz derart auf die Schaufel genommen, dass es breite Wellen geschlagen hat. Ich meine, wer fragt schon einen Minister am Opernball-Red-Carpet, ob man bei ihm eine Staatsbürgerschaft kaufen könne, wirft dem ehemaligen Finanzminister Josef Pröll ein allzu freundschaftliches  “Tschosi” (so, dass es fast gut weh tut) an den Kopf, fragt eine heimische Moderatorin ganz und gar nicht dezent, ob ihr Outfit von Dr. Worseg stamme und HC Strache, ob er sich den Weg durch die Masse heute rechtsauslegend durchprügeln werde? Das hat gesessen. 

 

Jeder hat auf seine Art reagiert:  irritiert amüsiert, over the top künstlich oder trainiert locker. Aber kalt, das ist sehr fein im Youtube Link auch nachträglich zu beobachten, kalt hat es keinen der Befragten gelassen. Da kommt einer daher, der nicht mehr ganz, ganz jung ist (damals um die 30), rotzfrech mit einer vermeintlichen Selbstsicherheit. Und genauso rotzfrech erfrischend und dabei weder auf- noch überdreht, sitzt mir Chris Stephan gegenüber und plaudert aus seinem medialen Nähkästchen. Here we go:

Dass er einmal bei einem ORF Casting, abgesprochen mit seinem Mutterschiff PULS 4, angefragt auftauchen durfte. Dieses Mal nicht im goldenen Frack, sondern (auch nicht weniger provokant) im PULS 4 T-Shirt.  “Da ging es um einen einmaligen Auftritt in einer geplanten ORF Comedy Show, ich hab ihnen gesagt, ich komme zum Casting, aber nur wenn ich die ganze Sendung für Geld moderieren darf.” Das nenne ich eine Ansage. “Ich hab nie wieder was von den Zuständigen gehört…” Macht nichts, “denn nur im privaten Fernsehen kann ich wirklich jung, dynamisch und spritzig sein, was da im Staatsfunk abgeht, kommt leider oft sehr plump daher.” Ich nicke. Wir wollen positiv bleiben. Welche Sendung würde er denn gerne moderieren? “Nur etwas was schon funktioniert. Eine Sendung wie die Millionen Show, das ist ein Selbstläufer. Obwohl ich mag den Armin Assinger. Gut auf Kärntnerisch würde ich das nicht machen, das kann ich nicht mehr lernen. Aber ich spreche fünf Sprachen. Vielleicht könnte ich die Show auf Deutsch und Arabisch moderieren. Ich bin ja halber Araber, was die wenigsten wissen.” Ich frage nicht nach. Das ist mir zu riskant, ob ich da erst jetzt oder schon die ganze Zeit einem Gschichtl aufsitz?  Macht mir nichts, ich muss innnerlich die ganze Zeit lächeln. Der Mann hat was zu erzählen, auch wenn es nur die Halbwahrheit ist. Was hat er eigentlichvor der Fernsehlaufbahn so getrieben? Stichwort Waldorfschüler, ich muss fragen. In der Waldorfschule werden ja die Stärken der Kinder gefördert – was war seine Stärke?

“Kartoffeldruck. Das möchte ich auch wieder ausbauen. Ich hab einen Kartoffeldruck von mir auf E-Bay verkauft. Das könnte gut anlaufen. Ich will in die Reproduktion gehen.” Aha. Ob er seinen Namen tanzen könne, was jabestimmt alle ehemaligen Waldorfschüler einmal am Tag gefragt werden?  “Nein!”  Schade.  “Aber ich kann ihn schreiben!”

Chris Stephan und die Idee zum Heinzeling-Flashmob

Themenwechsel. Das muss natürlich auch noch zur Sprache kommen. Kurz aber doch. “Heinzling”. Eine spontane Idee von Chris Stephan, in der er die unverständlich übersteigerte mediale Zuwendung dieser unsäglichen Heinzl-Sido (ja oder nein) Gewaltaktion für eigene Zwecke zu nutzen versucht. Stephan macht bei “Heinzling” nichts anderes als diesen “Skandal” nachzustellen mit dem dazugehörigen Nicht-Respekt. Quasi über Nacht hat ihm “Heinzling” 100 000 Klicks auf Youtube gebracht. Ein respektabler Zwischendurch-Erfolg. “Ich bin einfach ins Museumsquartier und hab Leute in der Morgenshow aufgerufen mit mir dort Heinzling zu machen. Es war geil, weil da echt Leute gekommen sind und sich mit mir vorlaufenden Kameras auf den Boden fallen haben lassen und Spaß hatten. Wenn keiner gekommen ware, hätte ich das auch gezeigt . Mir wäre da schon was eingefallen.” Da bin ich mir sicher.

Wo aber liegt seine Grenze Klicks zu machen und also mediale Aufmerksamkeit zu bekommen? “Auf jemanden, der am Boden liegt, würde ich nicht draufhauen.” Aber er muss eines nachsetzen: “Ausnahmen würde ich machen. “ Liegt Heinzl nicht schon am Boden? “Nein, der kommt schon wieder!” Er grinst dabei spitzbübisch, so sehr, dass meine Mutterinstinkte geweckt werden.  Auch bei folgender Geschichte. Was hast du vorher beruflich gemacht? “Ich habe ein Jahr als Wasserspenderverkäufer gearbeitet.” Erfolgreich?  “Ja, ich bin ein guter Verkäufer.” Das habe sich auch in seinem darauffolgenden Job als Wurstsemmelverkäufer in einer Computerfirma bezahlt gemacht. Gut, bezahlt gemacht ist relativ. “Ich durfte kein Trinkgeld am Ende des Tages haben. Also hab ich die Differenz in Naturalien konsumiert.” Wie kann ich mir das vorstellen? “Ich hab mich im Lift eingesperrt und den Kakao, den ich dort auch verkauft habe, literweise in mich hineingeschüttet.” Klar, so etwas prägt.

Hier noch ein paar Links von Chris Stephan:

Übrigens falls ihr tatsächlich mehr von unserem Gespräch lesen wollt (zBsp.: warum Chris findet, dass  Markus Lanz “ein fachlich guter Moderator mit schönem Kellner-Typ-Look ist, Helmut Werner (Anmerkung: Lugner-Schwiegersohn) ein klasser Kerl ist und warum ihm zu Lena G. nur: großgewachsene Frau einfällt) dann lasst es mich wissen! Ich bin gerne bereit in der nächsten Ausgabe von “urban”darüber zu berichten.

Bis nächsten Montag, wenn Ihr wollt!

Glg Regina

And now to something completely different: Einen Link hab ich hier jedes Mal für Euch. Heute eine Gewinnspiel auf vienna.at! Viel Glück beim Mitspielen!

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