Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa weiter rückläufig

Zum vierten Mal in Folge gibt es in Westeuropa weniger Firmeninsolvenzen. Ursache ist vor allem die gute Binnenkonjunktur, sowohl in den einzelnen Staaten als auch am EU-Binnenmarkt. Die Unternehmen fassen wieder Mut und investieren mehr, sagte Helmut Rödl, Aufsichtsratmitglied der Wirtschaftsauskunftei Creditreform AG sowie der Creditreform Rating AG, am Montag in Wien.

Vergangenes Jahr sind die Unternehmensinsolvenzen in den EU-15 Staaten sowie der Schweiz und in Norwegen um 4,2 Prozent auf 164.181 gesunken. Innerhalb der EU zeigt sich jedoch ein sehr differenziertes Bild. Eine Zunahme der Firmenpleiten gegenüber dem Vorjahr verzeichneten sechs der 17 untersuchten Länder, darunter vor allem Griechenland mit einem Plus von 11,1 Prozent sowie Belgien (plus 8,7 Prozent) und Schweden (plus 6,2 Prozent).

Den mit Abstand stärksten Rückgang von Firmenpleiten verzeichneten die Niederlande (minus 25,2 Prozent). Erfreulich seien vor allem die rückläufigen Unternehmensinsolvenzen in den ehemaligen Euro-Krisenländern Spanien, Portugal und Irland, betonte Rödl. Wobei vor allem Irland mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit 2008 liege.

Von weniger Firmenpleiten profitierte vor allem das Baugewerbe in Europa, Unternehmensinsolvenzen gingen hier um 7,7 Prozent zurück. Auch das verarbeitende Gewerbe verzeichnete sinkende Insolvenzzahlen (minus 4,7 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Insolvenzen fanden im Dienstleistungssektor statt, rund 40 Prozent aller zahlungsunfähigen Unternehmen stammten aus diesem Sektor. Trotzdem sind auch hier die Insolvenzen insgesamt deutlich gesunken (minus 4 Prozent). Der Handel, mit dem zweitgrößten Anteil an Insolvenzen in Westeuropa, veränderte sich hingegen nur geringfügig um 1,7 Prozent.

Trotz der zunehmend positiven Tendenzen könnten politische Unsicherheitsfaktoren wie der Brexit oder protektionistische Wirtschaftstendenzen, vor allem seitens der USA, künftig gefährlich werden. Obwohl sich diese bisher nicht auf die Insolvenzstatistiken durchgeschlagen hätten, seien sie nach wie vor ein großes Problem, erklärte Rödl.

Auch Österreich verzeichnete rückläufige Insolvenzzahlen (minus 3,9 Prozent), 5.318 insolvente Firmen bedeutet den niedrigsten Stand seit 15 Jahren. Grundsätzlich war 2017 geprägt von vielen Klein- und Kleinstinsolvenzen, dies habe sich jedoch im ersten Quartal 2018 mit Insolvenzen von Air Berlin oder der Wienwert wieder geändert, erklärte Gerhard Weinhofer, Creditreform-Geschäftsführer. Hierzulande seien vor allem Privatinsolvenzen “explodiert”, mit Inkrafttreten des neuen Insolvenzrechts im November sei ein gravierender Ansturm zu beobachten, sagte Weinhofer. Derzeit sei noch “kein Ende der Fahnenstange” bei den steigenden Privatinsolvenzen in Sicht, die Zahl derer, die den Gang vor das Insolvenzgericht antreten, werde künftig noch weiter steigen, prognostizierte er.

(APA)

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