Unterirdische Virgilkapelle vor Stephansdom wiedereröffnet

Mittelalterliches Bauwerk erst 1973 wiederentdeckt
Mittelalterliches Bauwerk erst 1973 wiederentdeckt - © APA/GEORG HOCHMUTH
Lange war die Virgilkapelle in Wien vom Erdboden verschwunden – findet sich das Mittelalterbauwerk doch unterirdisch, wenn auch an prominenter Stelle vor dem Stephansdom. Nun wurde sie wiedereröffnet.

Erst 1973 wurde die Kapelle im Zuge des U-Bahnbaues wiederentdeckt und in die Station Stephansplatz integriert. Nachdem der Bau 2008 aus restauratorischen Gründen wieder geschlossen werden musste, wird er nun neu eröffnet.

Virgilkapelle wurde umgebaut

So wurden eine Klimaanlage eingebaut und weitere Maßnahmen gesetzt, mit der man die Luftfeuchtigkeit stabilisieren und das Eindringen von äußerer Feuchtigkeit unterbinden kann. Auch wurde der Eingang neu gestaltet und eine kompakte Ausstellung in einem Nebenraum zum mittelalterlichen Wien installiert. Die offizielle Wiedereröffnung am heutigen Donnerstag erfolgt dabei mit prominenter musikalischer Rahmung, hat doch Starkomponist Arvo Pärt eigens dafür das vierminütige Vokalstück “Kleine Litanei” geschrieben, das der Arnold Schoenberg Chor am Abend uraufführt. Es folgt am 12. und 13. Dezember ein Wochenende der offenen Tür bei freiem Eintritt, bevor die vom Wien Museum betriebene Anlage dann dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr für fünf Euro zu besichtigen ist.

Kapelle vor Stephansdom eröffnet

Immerhin gilt die bis zu elf Meter hohe unterirdische Kapelle aus dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts als einer der besterhaltenen gotischen Innenräume Wiens, dessen Frühzeit allerdings noch im Dunklen liegt. Offen ist etwa noch die Frage, wer dessen Bauherr war. Später diente die Anlage, über der man die Maria-Magdalena-Kapelle errichtete, der Kaufmannsfamilie Chrannest als Andachtskapelle.

Als die Maria-Magdalena-Kapelle nach einem Brand 1781 abgerissen wurde, füllte man die darunter liegenden Räumlichkeiten mit Bauschutt, weshalb die Virgilkapelle erhalten blieb. Ein Virgil-Altar führte nach der Wiederentdeckung im Zuge des U-Bahn-Baus 1973 zur jetzigen Benennung. Zur noch teils im Geschichtsnebel liegenden Baugeschichte ist dabei eine wissenschaftliche Publikation in Planung. Diese wurde durch eine Crowdfunding-Kampagne im Herbst finanziert und soll Ende 2016 erscheinen.

(APA)

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