Unterhaltsame Autobiografie von Thomas Gottschalk: “Herbstblond”

"Herbstblond" heißt die Thomas Gottschalk
"Herbstblond" heißt die Thomas Gottschalk - © APA/dpa/Nicolas Armer / HEYNE Verlag
Thomas Gottschalk macht in seiner Autobiografie, was er am Besten kann: Unterhalten. Das Buch dreht sich um sein buntes Show-Leben, und er stellte kurz vor seinem 65. Geburtstag klar: Ruhestand ist für ihn keine Option. “Herbstblond” ist unser Buch-Tipp der Woche.

Als blond gelockte Frohnatur plaudert sich Thomas Gottschalk seit mehr als 40 Jahren durch Radio und Fernsehen – nun zieht der Showmaster in seiner Autobiografie Bilanz. Unterhaltsam, witzig und selbstironisch erinnert er an seine Anfänge als Radiomoderator, an Ausflüge in die Schauspielerei und seinen größten Erfolg, “Wetten, dass..?”.

Gottschalk über seine Berufung

“Ich habe einfach Schwein gehabt”, sagte Gottschalk in einem Pressegespräch zur Biografie. “Ich habe nicht gelitten unter diesem Beruf, und ich habe mich auch nie für die Kamera in Schwung bringen müssen.” Schon beim Radio habe er jede Chance genutzt, um “flotte Sprüche zu klopfen”. Das beherrscht er heute noch, die Zuschauer amüsieren sich bestens. Seine nachdenkliche Seite gibt Gottschalk bei Reflexionen über die Suizide seiner langjährigen Freunde Gunter Sachs und Udo Reiter preis.

Gottschalk erzählt Anekdoten zu Prominenten wie Paul McCartney, Michael Jackson und Bill Gates aus den “Wetten dass..?”-Jahren und spart nicht mit kritischer Selbsteinschätzung angesichts der “Supernasen”-Filme und des USA-Kinoexperiments mit “Trabbi goes to Hollywood”: “Regisseur war der Amerikaner Jon Turteltaub, und der Film mit mir war sein letzter Flop.”

Erinnerungen an “Wetten dass..?”

Dass nicht alles, was er in seinem Show-Leben anpackte, funktionierte, betrachtet Gottschalk so: Nicht alles habe er gut und richtig gemacht – “das hat mir aber nicht geschadet”. Allerdings bedauert er, die Jahre mit “Wetten dass..?” nicht noch mehr genossen zu haben. “Ich habe immer auf die nächste Show hingelebt, ich wusste, wir sind ausverkauft bis 2018, und Wetten haben wir auch noch genug.” Er habe manche Dinge mit einer gewissen Schnelligkeit und Oberflächlichkeit abgewickelt. “Und dann habe ich mit Erschrecken festgestellt: Ich werde 65 und frage mich, wo sind die Jahre geblieben?”

Themen in Gottschalk-Buch “Herbstblond”

Das Älterwerden beschäftigt den frohgelaunten Dauerplauderer, der am 18. Mai Geburtstag hatte. Er lebe in der “Wahnvorstellung, ewig Kind bleiben zu können – zur Not eben ein altes Kind”. Das Alter versuche er durch eine gesunde Mischung aus Humor und Verdrängung erträglich zu machen. Dazu will er die Leser seines Buches ermuntern: “Man kann alt werden, ohne verdrießlich zu werden.” Kraft schöpft der Showmaster aus seinem Privatleben. Seine Ehe sei ein Glücksfall.

Mit dem Wandel des Fernsehens in Zeiten von Netflix und Youtube hadert Gottschalk nicht. “Ich habe das Fernsehen zu einer Zeit betreten, als ich dringend gebraucht wurde und habe es verlassen, als ich nicht mehr gebraucht wurde.” Sollte es jedoch ein Format geben, das für ihn in Frage komme, werde er es sich genau ansehen. Allerdings: “Ich will jetzt nicht mit dem Arsch einreißen, was ich mit den Händen aufgebaut habe.”

Thomas Gottschalk, “Herbstblond”. Heyne Verlag, 368 Seiten, ISBN: 978-3-453-20084-5. Preis: € 20,60

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(apa/red)

 

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