Unter Blinden – Trailer und Kritik zum Film

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Unter Blinden – Trailer und Kritik zum Film
Andy Holzer ist gewöhnt, von sich zu erzählen. Von Geburt an blind, hat der Osttiroler Profibergsteiger sechs der Seven Summits bestiegen und kann heute von Buchverkäufen und Vortragsreisen leben.

Mit “Unter Blinden” läuft am Freitag die erste Kinodoku über sein Leben an – und die setzt sich dank Regisseurin Eva Spreitzhofer von üblichen, zur Selbstdarstellung verkommenden Sportler-Dokus ab.

Unter Blinden – Die Geschichte

“Ich glaube, dass ich dasselbe sehe, was du siehst”, sagt Andy Holzer (48). Sein Kopf sei voller Bilder, Farben und dreidimensionaler Eindrücke – und das, obwohl der Lienzer von Geburt an blind ist. Von seinen Eltern als “sehendes Kind” aufgezogen und wissend, dass er als Blinder von seinem Umfeld in seinen Vorhaben gebremst werden würde, hat er in der Schule lange vorgegeben, lediglich schlecht zu sehen. Über Schultaschen sei er nicht auffällig oft gestolpert, erinnert sich ein ehemaliger Mitschüler vor der Kamera; in Schulhefte habe er halt weniger genau als die anderen geschrieben, sagt ein früherer Lehrer. Erst als der Führerschein anstand, erinnert sich Holzer, war es vorbei mit dem Lügen.

Anfangs schockiert, haben die Eltern bald mit der Blindheit ihres Sohnes umgehen gelernt, wie diese emotional erzählen – und in Hans Bruckner einen Bergführer gefunden, der den jungen Andy auf die von ihm geliebten Berge mitgenommen hat. Da oben, sagt er heute, fühle er sich frei: Hände und Füße projizierten Bilder in seinen Kopf, die Felswand gibt Halt. Mittlerweile hat Holzer sechs der jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente bestiegen, begleitet hat ihn ab und an Peter Mair, welcher nur noch einen Arm hat. “Vier Beine, drei Arme, zwei Augen” würden ja reichen, scherzen die beiden.

Unter Blinden – Die Kritik

Holzer ist sich bewusst, wie außergewöhnlich seine Geschichte und sein Platz in der “Welt der Sehenden” ist – vielleicht zu bewusst, wie Momente zeigen, die Eva Spreitzhofer glücklicherweise nicht ausspart. Im Streitgespräch mit dem blinden Soulmusiker George Nussbaumer, den die Regisseurin gegen Ende des Films ins Spiel bringt, wird Holzer angriffig, als Nussbaumer angibt, sich Dinge nicht bildlich vorstellen, sondern sie lediglich ertasten zu können. Unwirsch wird Holzer nicht zuletzt “Sehenden” wie seiner Frau Sabine gegenüber, denen er sich nicht selten ein paar Schritte voraus fühlt.

Nicht zuletzt weil Holzer polarisiert und Fragen aufwirft, dürfte sich “Unter Blinden – Das extreme Leben des Andy Holzer” problemlos in die Serie von im Kino höchst erfolgreichen Sportdokumentarfilmen einreihen. Die Vorführungen bei der Diagonale waren ausverkauft, zur Premiere in Wien kam die heimische Politik von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) abwärts. Als reine Sportdoku ist “Unter Blinden” bei all dem Übermaß an Berg- und Naturaufnahmen dennoch nicht abzufertigen: Zwar wird mit Musik teilweise dramatisiert, wo zumindest Holzer nichts Dramatisches ortet.

Doch indem Spreitzhofer auf der Tonebene stellenweise die Geräusche hinaufschrauben und in der Kameraarbeit zwischen Totalen und Makroaufnahmen wechseln lässt, versucht sie, die Perspektive Holzers einzunehmen. Nachzufühlen ist das vor allem dann, wenn die Kamera auf seinen Händen und Füßen verharrt, wenn er sich an die nächste Felsspalte hoch oben am Berg ebenso wie an die Möbel im fremden Hotelzimmer herantastet. Finster wird es – wie auch in Holzers Wahrnehmung nach eigenen Angaben – nie. Und kalt lässt Holzer auch niemanden.

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(APA)

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