Empörung über kolportierte “Drecksloch”-Äußerung von Trump

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Erneut Wirbel um Formulierung von Trump
Erneut Wirbel um Formulierung von Trump - © APA (AFP)
US-Präsident Donald Trump ist wegen angeblicher Verunglimpfung afrikanischer Staaten und Haitis als “Drecksloch-Länder” massiv ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Die Äußerungen ließen sich nur als “rassistisch” bezeichnen, sagte der Sprecher des UNO-Menschenrechtsbüros, Rupert Colville, am Freitag in Genf.

In den USA warfen die oppositionellen Demokraten Trump offenen Rassismus vor. Auch aus den Reihen der Republikaner kamen empörte Töne. Vom Weißen Haus wurden die Äußerungen zunächst nicht dementiert. Trump selbst wies die Berichte später jedoch via Twitter zurück. “Die Sprache, die ich bei dem DACA-Treffen benutzt habe, war hart, aber das war nicht die Sprache, die benutzt wurde”, schrieb er.

Bei dem Treffen am Donnerstag ging es um einen Kompromiss in der Einwanderungspolitik, der auch eine Lösung für das sogenannte DACA-Programm vorsieht. Dieses bietet bisher Hunderttausenden jungen Migranten Schutz.

Die in der Afrikanischen Union zusammengeschlossenen Länder forderten von Trump eine Entschuldigung für ihm zugeschriebene Äußerungen über Einwanderer. Die Organisation sei “verärgert, enttäuscht und wütend”, teilte die AU-Vertretung in Washington mit. Sie verlange eine Rücknahme der Äußerungen und eine Entschuldigung “nicht nur bei den Afrikanern, sondern bei allen Menschen afrikanischer Abstammung weltweit”.

Der führende Republikaner Paul Ryan reagierte mit verhaltener Kritik auf Berichte über abfällige Äußerungen von US-Präsident Trump. Die Kommentare Trumps seien “sehr unglücklich und nicht hilfreich”, sagte Ryan am Freitag in Milwaukee. Ryan sprach darüber, wie Mitglieder seiner eigenen Familie als Einwanderer aus Irland in die USA kamen. Die Iren seien damals herablassend behandelt worden, erklärte er. Damals wie heute gelte aber, dass Einwanderung ein großer Teil von Amerikas Stärke sei.

Laut “Washington Post” und anderen US-Medien soll Trump bei dem Treffen mit Senatoren gefragt haben, warum die USA so viele Menschen aus “Drecksloch-Staaten” (“shithole countries”) aufnehmen müssten. Er zeigte sich damit den Berichten zufolge frustriert über Vorschläge von Senatoren, Migranten aus Haiti, El Salvador und afrikanischen Ländern im Rahmen eines Einwanderungsdeals einen Schutzstatus zu geben.

Sollte sich bestätigen, dass Trump sich in der Form geäußert habe, seien dies schockierende und beschämende Kommentare eines US-Präsidenten, sagte der UNO-Vertreter Colville. “Man kann nicht ganze Länder und Kontinente als ‘Dreckslöcher’ abtun, deren Einwohner, die alle nicht weiß sind, deshalb nicht willkommen sind.” Es gehe hier um mehr als nur “vulgäre Sprache”, sagte Colville. “Es geht darum, die Tür zur schlimmste Seite der Menschheit zu öffnen.” Damit werde zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ermutigt, was potenziell “die Leben vieler Menschen zerstört”.

Der demokratische Senator Richard Blumenthal bezeichnete die Trump-Zitate als “abscheulichsten und heimtückischsten Rassismus, der nur schwach unter dem Deckmantel der Einwanderungspolitik verborgen wird”. Die republikanische Abgeordnete Mia Love, Tochter von Einwanderern aus Haiti, nannte die Äußerungen “unfreundlich, spaltend, elitär und offen gegen die Werte der USA gerichtet”. Ihre in Kuba geborene Fraktionskollegin Ileana Ros-Lethinen erklärte, Trumps Sprache gehöre sich weder an Stammtischen noch im Präsidialamt.

Der einzige schwarze republikanische Senator, Tim Scott, verwies auf die Einwanderungsgeschichte der USA. “Unsere Stärke liegt in unserer Vielfältigkeit.” Wer dies bestreite, ignoriere “den leuchtendsten Teil unserer Geschichte”. Floridas republikanischer Ex-Gouverneur Jeb Bush twitterte, er hoffe, die jüngsten Äußerungen Trumps seien “nur ein krasser, gedankenloser Fehler” gewesen und spiegelten nicht “den hasserfüllten Rassismus” wider, den sie implizierten. Die Vize-Generalsekretärin des in Südafrika regierenden ANC, Jessie Duarte, sprach von einer extremen Beleidigung. “Unser Land ist kein Drecksloch, auch nicht Haiti oder irgendein anderes Land, das in Not ist.”

(APA/dpa/ag.)

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