“Understanding Risk Austria”-Tagung in Wien: Krisen-Szenarien begreifen

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Wetterwarndienste und Co. verständlich wiedergeben.
Wetterwarndienste und Co. verständlich wiedergeben. - © APA
Warndienste zum Wetter und anderen Naturereignissen wollen einprägsame Szenarien vermitteln, erklärte Michael Staudinger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Zu Risikoabschätzung, Risikowarnungen und Prävention begann am Mittwoch eine Konferenz in Wien.

Einsatzkräfte etwa der Feuerwehr oder des Roten Kreuzes, Warndienste wie Hochwasserteams und Lawinenwarnzentralen sowie Wissenschafter werden bei der zweitägigen Konferenz Neuigkeiten und Erfahrungen austauschen.

“Dabei geht es von effektiven Warnungen zur Prävention, also wie man Maßnahmen setzen kann, um die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) für das nächste Hochwasser, einen Waldbrand oder eine Hitzewelle zu verbessern, sagte er.

Warnungen wirksam gestalten

Staudinger selbst wird bei der Tagung erklären, wie man Warnungen wirksam gestalten kann. “Im Vergleich zu früher, wo Wetterdienste etwa gesagt haben, es wird 60 km/h Windstärke und 90 Millimeter Niederschlag geben, ist man vor drei bis vier Jahren dazu übergegangen, Auswirkungs-orientierte Warnungen zu vermitteln und entsprechende Empfehlungen für Maßnahmen zu geben”, erklärte der Meteorologe.

Dazu brauche man einerseits Rückmeldung “von draußen”, also von den Einsatzkräften am Ort des Geschehens, andererseits ein sehr gutes Verständnis für die zugrundeliegenden Prozesse und komplexe Szenarien.

“Vergangenes Jahr hatten wir zum Beispiel eigentlich harmlose Temperaturen von minus fünf Grad Celsius, eigentlich harmlosen Niederschlag von 30 Millimetern und eigentlich harmlose Windgeschwindigkeiten von 30 km/h”, so Staudinger. Der Niederschlag ist aber als unterkühlte Regentropfen gefallen, diese froren sofort an den Bäumen fest, und durch die Eislast sowie den Wind stürzten diese reihenweise um. “Sie fielen auf Eisenbahnschienen und Starkstromleitungen, was in Teilen Kärntens und Sloweniens zu einem ‘Blackout’ führte”, erklärte er.

Naturereignisse erwartet

In Zukunft erwarte er neuartige Probleme. Einerseits würden die Menschen Jahr für Jahr verletzlicher gegenüber Naturereignissen. Es gäbe zum Beispiel etwa alle zehn Jahre ein außergewöhnliches “Weltraumwetter”, wenn auf der Sonne heftige Materieströme (Protuberanzen) vorkommen. Dadurch werden GPS (Satellitennavigations-) Signale gestört, was nicht nur den Luftverkehr, sondern auch gewöhnliche Tätigkeiten auf der Erde extrem einschränken kann.

Andererseits führt der Klimawandel dazu, dass die Sommer in Mitteleuropa heißer werden. “Wenn es nicht nur in Süditalien, sondern bis Mitteldeutschland 40 Grad Celsius hat, steigt die Kühllast stark an, weil jeder seine Klimaanlage hochdreht”, sagte Staudinger. Die Atomkraftwerke müssen aber bei lang anhaltendem Hochdruckwetter zurückschalten, weil dann die Flüsse Niederstand haben und es an Kühlwasser mangelt.

Tagung in Wien

“Solch eine Situation kann zu einem Blackout führen”, erklärte er. Von einer Hitzewelle würden kaskadenartige Effekte so “sofort in Richtung technische Auswirkungen weiterführen”.

Die Tagung “Understanding Risk Austria” findet am 20. und 21. Jänner im Wiener Rathaus und den Börsesälen statt.

(APA)

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