Unbeteiligter bei Massenschlägerei in Wien-Ottakring schwer verletzt: Prozess

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Ein Prozess behandelte heute die dramatischen Folgen einer Massenschlägerei in Wien-Ottakring.
Ein Prozess behandelte heute die dramatischen Folgen einer Massenschlägerei in Wien-Ottakring. - © APA (Sujet)
Am Mittwoch beschäftigte sich ein Schöffensenat im Landesgericht für Strafsachen mit den dramatischen Folgen einer Massenschlägerei in Wien-Ottakring. Das Leben eines damals 35-Jährigen änderte sich mit einem Schlag, nachdem er in der Nacht auf den 29. Juni 2014 brutal attackiert wurde, obwohl er an der Auseinandersetzung gänzlich unbeteiligt war.

Der 35-Jährige befand sich am Heimweg vom Donauinselfest und wartete gegen 3.00 Uhr an einer Straßenbahn-Station am Äußeren Lerchenfelder Gürtel auf den Nachtbus. Plötzlich kam es vor einem wenige Meter entfernt gelegenen Lokal zu einer Rauferei. Tische, Sessel und Flaschen flogen durch die Luft, zumindest ein halbes Dutzend Männer ließ die Fäuste sprechen. Einer von ihnen entfernte sich schließlich im Laufschritt vom Tatort und versetzte dabei ohne ersichtlichen Grund dem 35-Jährigen von hinten einen wuchtigen Schlag auf den Kopf.

Unbeteiligter “wie tot” am Boden gelegen

Drei Personen, die ebenfalls auf den Bus warteten, bekamen den Gewaltakt aus unmittelbarer Nähe mit. Der Angegriffene sei “wie ein Stein umgefallen”, gab eine Frau, die mit ihrer Freundin ebenfalls das Donauinselfest besucht hatte, später in ihrer polizeilichen Einvernahme zu Protokoll. Die Freundin wiederum erklärte, sie habe den Mann “wie tot am Boden liegen gesehen”.

Der Angreifer dürfte dem 35-Jährigen eine Glasflasche auf dem Kopf zertrümmert haben. Der Betroffene ging zu Boden, stürzte auf den Gleiskörper und schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. “Er hatte mit der vorangegangenen Schlägerei nichts zu tun und hat den gegen ihn gerichteten Angriff nicht einmal mitbekommen. Er konnte ihn daher auch nicht abwehren. Ihm wurde der Schädelknochen gebrochen, der sich dann ins Hirn gebohrt hat. Einem jungen Menschen wurde damit an diesem Tag seine Zukunft geraubt”, gab Rechtsanwalt Michael Kasper zu bedenken, der als Privatbeteiligtenvertreter die Interessen des mittlerweile 38-jährigen Mannes vertritt.

Der Verletzte erlitt ein massives Schädel-Hirn-Trauma, von dem er sich bis zum heutigen Tag nicht erholt hat. Das motorische Sprachzentrum im Gehirn wurde nachhaltig geschädigt. Der Mann musste seinen Beruf aufgeben und ist seither auf die Unterstützung seiner Familie angewiesen, um seinen Alltag bewältigen zu können.

Prozess um dramatische Folgen einer Massenschlägerei in Wien

Als mutmaßlicher Täter wurde von der Staatsanwaltschaft nach umfangreichen Ermittlungen ein heute 24-jähriger Mann ausgeforscht und wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Dauerfolgen zur Anklage gebracht. Dieser bekannte sich nun vor einem Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Andreas Böhm “nicht schuldig”.

Der Angeklagte räumte ein, er wäre bei der Schlägerei vor dem Lokal anwesend gewesen. Mitgemacht habe er aber nicht: “Ich habe Angst bekommen und bin davongelaufen.” Dabei habe er das spätere Opfer passiert: “Ich hab’ geglaubt, er gehört zu den anderen.” Im Vorbeilaufen habe er “mit der Faust nach hinten geschlagen” und den Mann offenbar zu Boden befördert, was er aber nicht mehr gesehen hätte: “Ich hab’ die Handbewegung gemacht und bin einfach weitergelaufen.” Verletzungsabsicht habe er keine gehabt.

Ist der Angeklagte tatsächlich der Gewalttäter?

Ob es sich beim Angeklagten tatsächlich um den Gewalttäter handelt, ist unsicher. Ursprünglich war sein Cousin unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden, wobei dafür Bildmaterial aus der Überwachungskamera einer in der Nähe befindlichen U-Bahn-Station ausschlaggebend war. Über eine Woche später erschien allerdings der 24-Jährige bei der Polizei und bekannte, er habe zugeschlagen. Der Cousin wurde daraufhin enthaftet, gegen den nunmehr Verdächtigen wurde auf freiem Fuß ermittelt.

Die zwei unbeteiligten Frauen konnten als Augenzeuginnen bei der Identifizierung des Angreifers nicht helfen. Alles sei zu schnell gegangen, sie könnten den Verdächtigen nicht beschreiben, erklärten sie der Polizei. Der dritte Augenzeuge, der ebenfalls auf den Nachtbus gewartet hatte, war sich bei seiner kriminalpolizeilichen Befragung allerdings sicher, dass nicht der Angeklagte, sondern dessen Cousin zugeschlagen hatte. Just dieser Zeuge kam nicht zur heutigen Verhandlung, sodass diese auf Anfang August vertagt werden musste.

>> Mann nach Attacke seit Donauinselfest im Koma: 23-Jähriger festgenommen 

(APA/Red)

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