Unappetitlich: Der Herr vom Konzerthaus und die Dame vom Rathaus

Unappetitlich: Der Herr vom Konzerthaus und die Dame vom Rathaus
© APA (Sujet)
Gastkommentar von Andreas Unterberger: Kann es eigentlich noch einen charakterlich integren Grün-Wähler geben, der weiterhin grün wählen will? Kann es einen solchen vor allem in Wien noch geben? Das Verhalten der Grün-Partei in Sachen Konzerthaus-Hochhaus ist jedenfalls für alle Menschen, mit denen ich in den letzten Wochen geredet habe, so ungeheuerlich und abstoßend, dass wirklich ein massiver Exodus zu Pink und Schwarz stattfinden dürfte. Als ob diese moralische Verkommenheit noch nicht genug wäre, kommt gleichzeitig noch eine Widerlichkeit des ja derzeit sehr links geführten Wiener Konzerthauses dazu.

Was nur scheinbar eine völlig getrennt zu sehende Angelegenheit ist. In Wahrheit ist beides ein Sittenbild aus dem rotgrünen Wien. Und hat durchaus einige Berührungspunkte.

  • Das Konzerthaus hat eine enge geographische Nähe zum Hochhaus.
  • Das Konzerthaus ressortiert ebenso wie das Thema Stadtästhetik und Weltkulturerbe ins Großkapitel „Kultur“.
  • Auch beim Konzerthaus stoßen wir auf heftig grüne Spuren.
  • Und so wie im Rathaus glaubt man offensichtlich auch im Konzerthaus, das Recht zu haben, sich über jede Form von Anstand hinwegsetzen zu können.

Dessen derzeitiger Geschäftsführer, ein gewisser Matthias Naske, hat etwas getan, was in Kulturkreisen absolut tabu ist: Er hat einen Sänger, der in einem Konkurrenzhaus, dem Musikverein, aufgetreten ist, öffentlich ehrabschneiderisch beschimpft. Und den Musikverein gleich mit. Das ist nicht nur stil- und geschmacklos, das kann ihn als Kreditschädigung auch sehr teuer kommen, wenn der Sänger nachweisen kann, dass er deswegen auch nur einen einzigen anderen Auftritt nicht bekommen hat.

Es geht um Andreas Gabalier, der sich ja in der Unterhaltungsbranche großer Popularität erfreut. Naske hat jedoch über ihn nicht nur gesagt, dass er ihn nicht im Konzerthaus auftreten lassen würde, anders als der Musikverein. Er sagte auch, dass dieser mit dem Gabalier-Auftritt einen Fehler begangen hätte. Und dann diffus denunzierend weiter: „Weil das Signale sind. Man muss wissen, wer Gabalier ist, wofür er steht, und dann abwägen.“ Und: „Wir treffen auch gesellschafts- und kulturpolitische Aussagen, so harmlos ist das nicht.“ Ein Hubert von Goisern würde viel besser ins Konzerthaus passen, meint Naske.

Wirklich miese Aussagen. Vor allem weil sie in ihrer giftigen Verächtlichkeit so vage gehalten sind. Weil keinerlei Beweise oder Anhaltspunkte vorgelegt werden. Alle nichtsahnenden Leser solcher Aussagen müssen sich daher Ungeheuerliches vorstellen, was Gabalier getan haben könnte. Vom Kinderschänden auf- und abwärts. Dabei ist das einzige, was der Mann an „Unbotmäßigkeiten“ angerichtet hat, dass er – wie der Großteil der Nation – die Bundeshymne in ihrer traditionellen Fassung singt.

Aber Gabalier gilt halt nicht als Linker. Und daher versucht man ihn öffentlich mit so diffusen Attacken fertig zu machen. So wie es vielen nicht linken Künstlern passiert ist. Beim Dreckschleudern der Naskes dieser Nation gilt halt das Prinzip: Irgendwas wird schon hängen bleiben.

Hubert von Goisern (der zwar lange nicht so viel Zuschauer anzieht wie Gabalier) hat sich im Gegensatz zu Gabalier seit langem sehr grünnahe positioniert. Damit ist eindeutig klar, wer und was im Konzerthaus willkommen ist. Damit wissen wir auch, dass die rotgrüne Propagandawalze nicht nur mit Bestechungsinseraten, sondern auch mit politisierten Kulturinstitutionen arbeitet.

Diese Naske-Attacke ist darüber hinaus extrem unkollegial, weil er neben Gabalier auch den – zehnmal erfolgreicheren – Musikverein beschimpft, eine der weitaus renommiertesten Konzertinstitutionen der Welt.

Diese Attacke zeigt aber auch einen Akt der Untreue gegenüber dem Steuerzahler. Denn das Konzerthaus ist ja in hohem Ausmaß von Subventionen abhängig. Würde der Herr Naske sich herablassen, Gabalier zu engagieren, dann hätte er wenigstens einmal volles Haus und volle Kassen. Aber zugegeben: Es ist einfacher, sich bei den Genossen im Rathaus die Steuersubventionen abzuholen, als erfolgreich zu programmieren.

Und was hat das mit dem Hochhaus-Skandal zu tun? Mehr als man denkt. Denn erstens lautet ja die Meta-Botschaft Naskes, dass grün-nahe Sänger bevorzugt würden. Und das Hochhaus ist primär ein Grün-Skandal. Denn zweitens ist das Konzerthaus unmittelbarer Nachbar des Spekulations-Projekts und hätte daher sehr viele nur ihm zustehende Rechte, das Bauvorhaben zu beeinspruchen und behindern.

Aber Naske denkt gar nicht daran, diese Nachbarschaftsrechte zu nutzen. Er hat offensichtlich mehr Probleme mit dem volkstümlichen und nichtlinken Rocker, der ihm die Säle füllen würde, als mit dem Hochhaus, das Rotgrün jetzt im Wiener Gemeinderat durchgepresst haben, und das die Nachbarschaft des Konzerthauses dauerhaft verunstalten wird.

Hochhaus-Skandal nächste Etappe

Diese Hochhaus-Genehmigung dürfte vor allem für die Grünen und ihre Parteichefin Vassilakou zur historischen Katastrophe werden.

    • Denn sie stellen ja die für das Hochhaus hauptzuständige Stadträtin.
    • Denn sie haben sich eiskalt über eine zuvor noch als bindend erklärte parteiinterne Urabstimmung hinweggesetzt, die sich gegen das Hochhaus ausgesprochen hat.
    • Denn sie haben damit ihre Tradition völlig verloren, jene Partei zu sein, die immer an der Seite der Bürgerinitiativen steht.
    • Denn sie haben damit auch das Image verloren, doch deutlich mehr als die SPÖ-Genossen eine zumindest marginale Affinität zu Kultur und Stadtästhetik zu haben.
    • Denn sie setzen sich mit ihren roten Partnern eiskalt darüber hinweg, dass wegen dieses Hochhauses Wien den Status als Unesco-Weltkulturerbe verlieren wird. Dabei tun sie sonst immer so (zumindest wenn es gilt, die FPÖ zu denunzieren), als ob sie die einzige Partei wären, die gut fürs internationale Ansehen und die Kooperation mit UNO&Co wäre.
    • Denn sie riskieren zusammen mit ihren roten Partnern auch rechtliche Megaprobleme mit dem Bund, ist doch die Unesco-Konvention bundesgesetzlich angenommen. Rein rechtlich kann sich der Wiener Gemeinderat eigentlich nicht über ein Bundesgesetz hinwegsetzen. Freilich: Derzeit kann man nicht viele Rechtstaatshoffnungen auf Bundeskanzler, Regierung und Verfassungsgerichtshof setzen, die da zum Einschreiten legitimiert wären.
    • Denn bei den Grünen hätte man doch ein wenig Distanz zu einem problematischen Spekulanten erwartet, geriert sich doch ihre Parlamentsfraktion ständig als oberste Sauberpartei, die seit mehr als zehn Jahren behauptet, beim Eurofighter wäre dick geschmiert worden (ohne jemals echte Beweise vorzulegen). Angesichts des Verhalötens der Grünen im Heumarkt-Sumpf werden diese Vorwürfe eines Peter Pilz zunehmend lächerlich.

Aber so gesehen passt der Herr Naske freilich ganz perfekt zur gegenwärtigen Rathauspartie.

PS: Lichtblick im Sumpf: Schwarz und Pink haben sich beide jetzt doch klar gegen das Hochhausprojekt ausgesprochen, nachdem sie anfangs noch irgendwie dafür waren – welche „Vorteile“ immer sie gewittert hatten. Selbst wenn das (zusammen mit den immer schon hochhausskeptischen Freiheitlichen) nicht gereicht hat, um die Annahme des Projekts zu verhindern, so sind doch Verlorene Söhne bei ihrer Rückkehr immer besonders zu feiern. Diese Rückkehr zu den Wählern ist besonders der ÖVP hoch anzurechnen, da sich ja die Wiener Wirtschaftskammer im letzten Moment in einer schweinischen Aktion für das Hochhaus einspannen hat lassen. Andererseits haben weder ÖVP noch FPÖ klargemacht, warum ausgerechnet bei ihnen je ein Mandatar die spannendste und knappste Rathaus-Abstimmung seit Jahren versäumt hat. Mandatare, die ihren Job ernst nehmen, lassen sich bei einer so gravierenden Sache sogar in der Tragbahre ins Rathaus bringen.

Der Autor war 14 Jahre Chefredakteur von „Presse“ bzw. „Wiener Zeitung“. Er schreibt unter www.andreas-unterberger.at sein „nicht ganz unpolitisches Tagebuch“, das heute Österreichs meistgelesener Internet-Blog ist.

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