Überfälle auf Senioren: Mit diesen Tricks schlagen Täter zu

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Einsamkeit und Isolation machen Senioren oftmals zu leichten Raubopfern.
Einsamkeit und Isolation machen Senioren oftmals zu leichten Raubopfern. - © APA/Sujet
Nachdem in Wien drei mutmaßliche Täter gefasst wurden, die mehrere brutale Überfälle auf Senioren begangen haben sollen, machte die Polizei nochmals auf die Vorgehensweise der Verbrecher aufmerksam. Hier finden Sie wissenswerte Tipps.

Laut der Opferhilfeorganisation “Weißer Ring” steigt die Zahl der betroffenen Senioren – eine offizielle Statistik gibt es aber nicht. Dafür sei die Dunkelziffer enorm hoch. Laut Bundeskriminalamt haben in den vergangenen Jahren Fälle von Körperverletzung und gefährlicher Drohung gegenüber Menschen über 65 Jahren kontinuierlich zugenommen.Einsamkeit und isolierte Lebensweise sind Faktoren, die ältere Menschen leichter zu Opfern machen. “Sie haben ihre sozialen Rollen verloren und sind dadurch bereitwilliger zu öffnen, wenn jemand vor der Tür steht und z.B. um ein Glas Wasser bittet. Es vermittelt ein Gefühl von ‘ich werde wieder gebraucht'”, sagte Erika Bettstein von “Weißer Ring”.

Senioren “attraktive Opfer” für Räuber

Es sind die negativen Begleiterscheinungen des Alters, die Senioren für Kriminelle zu “attraktiven” Opfern macht – Gebrechlichkeit und nach außen gezeigte Hilflosigkeit. Opfer von Trickbetrügern haben oft auch Angst, den Angehörigen davon zu erzählen. “Sie fürchten sich davor, dass es dann heißen könnte: ‘Es geht ja doch nicht mehr in der eigenen Wohnung, du musst ins Heim'”.

Es gibt fast niemanden unter den Senioren, dem nicht schon ein- bis zweimal im Supermarkt die Geldbörse gestohlen worden wäre, meinte Bettstein. Häufig würden die Bestohlenen oder Betrogenen die Vorfälle aber gar nicht anzeigen. Es herrsche der Glaube vor: “Das bringt ja eh nix, die erwischen den Geldbörsendieb ja eh nicht”, meinte die Expertin. Hinzu kommt die Unsicherheit im Umgang mit den Behörden – wie Polizei und Staatsanwaltschaft.

Ob man zum Opfer wird, hängt von persönlichen Lebensumständen ab – wie dem soziale Netz.

Die Tricks der Täter: Tipps

Hier die häufigsten Tricks der Kriminellen und Tipps der Experten:

“Home-Invasion” bezeichnen Kriminalisten Raubüberfälle, die in einer Wohnung oder im Haus stattfinden. Die Täter nehmen dabei in Kauf, dass sich ihre Opfer zuhause aufhalten und anwesend sind. Den Zutritt verschaffen sie sich entweder durch Gewalt oder mit Tricks an der Tür (Zettel-, Wasserglas-Trick). Manchmal sprechen die Kriminellen ihre Opfer unterwegs an und bieten Hilfe beim Tragen an.

– “Zettel- oder Wasserglas-Trick”: “Mir ist so schlecht, könnten Sie mir ein Glas Wasser geben?” oder “Könnten Sie mir Zettel und Bleistift borgen, damit ich Ihren Nachbarn eine Nachricht hinterlassen kann?” Die Täter treten vertrauenswürdig auf und nützen die Hilfsbereitschaft von Senioren schamlos aus.

Tipp:

- Fremden gegenüber vorsichtig sein und diese nicht in die Wohnung
lassen
- Vor dem Öffnen der Tür einen Blick durch den Spion werfen oder den
Sperrbügel vorlegen
- Energisches Wegweisen, ein entschiedenes Nein oder ein lauter
Hilfeschrei verschreckt ungebetene Besucher
- Von "Amtspersonen", auch in Uniform, den Dienstausweis zeigen
lassen

– “Neffen-Trick”: Die Täter rufen bei ihren Opfern an, erkundigen sich nach dem Wohlbefinden und plaudern ein wenig über Belangloses. Einsame Menschen sind darüber in der Regel erfreut und gehen davon aus, dass es sich tatsächlich um einen Bekannten oder Verwandten handelt. Fragt der Betroffene misstrauisch nach, wird zumeist die vorwurfsvolle Gegenfrage gestellt, ob man denn den Anrufer nicht erkenne. Im Verlauf des Gesprächs erzählt der Anrufer von einer finanziellen Notsituation und bittet um Bargeld. Zur Übergabe wird meist ein Bekannter geschickt, weil der Anrufer selbst an jenem Tag verhindert sei.

Tipp:

- Misstrauisch sein, wenn Bekannte oder Verwandte anrufen, die man
nicht kennt
- Geben Sie keine Auskünfte über finanzielle Verhältnisse
- Lassen Sie sich niemals zu Geldbehebungen drängen - halten sie
Rücksprache mit Familienangehörigen oder Vertrauenspersonen
- Informieren Sie bei verdächtigen Anrufen die Polizei

– Handtaschenräuber und Taschendiebe: Räuber haben meist eine Hemmschwelle überschritten und schrecken vor Gewalt nicht zurück. Oft beobachten die Täter potenzielle Opfer bereits beim Geldabheben.

Tipp:

- Tragen Sie niemals viel Bargeld bei sich
- Lassen Sie sich größere Beträge in der Bank in einem separaten
Raum auszahlen und von Verwandten oder Vertrauenspersonen begleiten.

(APA)
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