Überraschungen über Mozart und seine Zeit

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Beim Mozart-Symposion in Wien erfährt man ungeahnte Neuigkeiten. Zum Beispiel, dass sich die Sänger zu jener Zeit oft angehört hätten, wie wenn Hühner Eier legen… Der Eintritt ist frei.

Wer hätte gedacht, dass Mozart nicht vom Freigeist allein getrieben war, sondern etwa der Tonumfang mancher Kompositionen auf sein Reiseklavier – ein Clavichord – zugeschnitten war? Solche Fragen werden seit Montag bei einem Symposion der Musikuniversität Wien und der Gesellschaft für Stilforschung von internationalen Experten besprochen. Aber nicht nur Trivia soll Lust auf ein wissenschaftliches Mozartjahr machen, auch Kritik an der derzeitigen Elite-Uni-Euphorie wurde bei der Eröffnung am Montag geübt.

Ein alter Notenständer weist am Rennweg zur hochkarätig besetzten Veranstaltung hin, die Wände im Innenhof sind übersät mit Schusslöchern: Auch so kann das Mozartjahr aussehen. Dass die Geisteswissenschaften ein Stiefkind der Bildungspolitik und „sozusagen abgeschafft“ seien, meinte Eröffnungsredner Werner Hasitschka, Rektor der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Dabei schaffe beispielsweise der Vortrag „Wie man sich von Quellen täuschen lassen kann“ Mehrwert für andere Bereiche. Hasitschka: „Vor allem Aufsichtsräte wären hier gut bedient.“

Singen wie Hüher

Keine Anspielungen zur jüngeren heimischen Bankengeschichte gab es von Mozartjahr-Intendant Peter Marboe. Ihm gehe es nicht um ein „unreflektiertes Jubeljahr“, sondern um die „Chance für die Zukunft“. Was das im konkreten Fall für die pädagogischen Studienrichtungen bedeuten soll, betonte deren Dekan Wolfgang Heißler: „Wir wollen die Erkenntnisse der Musikwissenschaft in die Praxis überführen.“ Peter Revers, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft, gab die Richtung für die Veranstaltung an. Denn bereits zu Lebzeiten Mozart, so würden es Dokumente bezeugen, hätte Gesang oft so geklungen, „wie die Hühner, wenn sie ein Ei gelegt hätten“. Und auch Stilforscher Hartmut Krones listete einige Unarten und Manierismen in der Interpretationsgeschichte Mozarts auf.

Neue Einblicke bietet auch der heutige Dienstag. So spannt sich der Bogen der Vorträge von der Aufführungspraxis von „Cosi fan tutte“ über „Mozarts und das Clavier“ bis zu Widmungen und Texturen. Höhepunkt am Nachmittag ist ein Runder Tisch zum Problem der Instrumentenwahl, moderiert vom Pianisten Harald Ossberger.

Besetzungs- und Verzierungsfragen diskutiert eine hochkarätig besetzte Runde unter der Leitung von Mozart-Experte Gernot Gruber am Mittwoch, ebenso wie man sich an diesem Tag den Gesangsappoggiaturen und der Mozartrezeption im 19. Jahrhundert annimmt. Am Donnerstag beschäftigt man sich etwa mit den zwei Fassungen der Baumeister-Arie aus „die Entführung aus dem Serail“ und mit Mozarts Reisen.

Von 3. – 6. April täglich ab 9.30 Uhr, Donnerstag ab 10.00 Uhr in der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, 3., Rennweg 8. Eintritt frei.

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