TV-Serie über sein Leben: Camorra-Boss will Entschädigung

Zagaria fühlt sich von der RAI-Produktion völlig falsch dargestellt
Zagaria fühlt sich von der RAI-Produktion völlig falsch dargestellt - © APA (AFP)
Die langjährige “Nummer eins” der Camorra, Michele Zagaria, fordert wegen einer TV-Serie über sein Leben von Italiens öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt RAI und der Filmproduktionsgesellschaft Lux Vide eine Entschädigung von 100.000 Euro. Zagaria klagte wegen schwerer Rufschädigung aufgrund der Serie mit dem Titel “Zagarias Festnahme”.

Im Schreiben von Zagarias Rechtsanwälten machte der seit 2011 inhaftierte Camorra-Boss in der TV-Reihe falsche Informationen aus. Darin spielt der Schauspieler Alessandro Preziosi die Rolle des jahrelang flüchtigen Zagaria. Der 59-jährige, der in der Mailänder Hochsicherheitsanstalt Opera seine Haft absitzt, forderte, dass die RAI auf die Ausstrahlung der weiteren Folgen verzichte.

Die TV-Serie sei eine Beleidigung für die Wahrheit, hieß es im Schreiben der Rechtsanwältin Barbara Lettieri. Diese erhielt von der RAI allerdings eine negative Antwort auf ihre Forderung nach Einstellung. Über den Streit muss ein Gericht in Rom am 28. November entscheiden. Die Entschädigung will Zagaria für Wohltätigkeitsprojekte spenden.

Unter anderem bemängelten die Anwälte, dass Zagaria in der Serie als Mann mit sexuellem Interesse an der Tochter einer Familie dargestellt wird, die ihn jahrelang versteckt hatte. “Dieser Aspekt hat Zagaria besonders beleidigt und empört”, so die Anwältin.

Zagaria war jahrelang die Nummer eins des einflussreichen Camorra-Clans Casalesi. Mit seiner Festnahme wurde diesem ein schwerer Schlag versetzt. Die Paten der kriminellen Organisation gehören zu den mächtigsten Mafia-Gruppen in Kampanien. Ihnen werden zahlreiche Morde sowie Drogenhandel, Korruption und Betrug zur Last gelegt. Auch in das illegale Geschäft mit dem Müll in Neapel ist die Gruppe verwickelt. In den vergangenen Jahren hatten die Casalesi ein Wirtschaftsimperium aufgebaut und Unternehmen, Geschäfte und Lokale gekauft.

In den vergangenen Jahren mussten die Casalesi aber mehrere Schläge hinnehmen. So wurde im November 2010 der prominente Boss Antonio Iovine nach 14-jähriger Flucht festgenommen. Im Jänner 2009 war der Boss Giuseppe Setola der Polizei ins Netz gegangen.

(APA)

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