TV-Epos “Das Sacher” wird im Wiener Hotel Sacher gedreht

v.l.n.r Julia Koschitz (Martha Aderhold), Ursula Strauss (Anna Sacher), Francesca von Habsburg (englische Diplomatin) und Josefine Preuß (Konstanze von Traunstein).
v.l.n.r Julia Koschitz (Martha Aderhold), Ursula Strauss (Anna Sacher), Francesca von Habsburg (englische Diplomatin) und Josefine Preuß (Konstanze von Traunstein). - © APA
Das Hotel Sacher als Drehkulisse: Ein Streichquartett wartet im Gang zum festlich geschmückten Marmorsaal auf seinen Einsatz, während drinnen von Zehn heruntergezählt und unter goldenem Konfettiregen auf das neue Jahrhundert angestoßen wird. Der Silvesterabend 1900 ist eine Szene im TV-Zweiteiler “Das Sacher”, der derzeit unter der Regie von Robert Dornhelm in Wien gedreht wird.

Einen Bogen über drei Jahrzehnte spannen die jeweils 100-minütigen Filme, in denen sich die Lebenswege eines adeligen Ehepaars (Josefine Preuß, Laurence Rupp) und eines Berliner Verlegerehepaars (Florian Stetter, Julia Koschitz) im legendären Luxushotel Sacher kreuzen.

Es ist nach dem TV-Epos “Adlon. Eine Familiensaga” die zweite ORF/ZDF-Koproduktion, die ausgehend von einem Hotel als Dreh- und Angelpunkt historische Ereignisse mit Einzelschicksalen verwebt. Erneut zeichnet Rodica Doehnert für das Drehbuch verantwortlich.

Hotel Sacher als Kulisse

“Hotels eignen sich besonders gut, Geschichte und auch Zeitgeschichte zu erzählen, hier sind ja so viele Dinge passiert”, erläutert Dornhelm den Reiz des Projekts am Rande der Dreharbeiten. “Ich habe früher Dokumentarfilme über große Hotels gemacht, weil man alles, was dort an Geheimnissen, an Intimitäten auch an Feierlichkeiten passiert, gut dramaturgisch einsetzen und daraus Geschichten machen kann.” Das Sacher sei zwar nicht das einzige “elegante und repräsentative” Hotel Wiens, repräsentiere aber wie kein anderes “eine Art österreichisches k. u. k. Haus”.

“Die Möglichkeit, im letzten Jahrhundert anzufangen und die großen Veränderungen wie Erster Weltkrieg und Zusammenbruch der Monarchie aus der Sicht des Hotels darstellen zu können, finde ich sehr interessant”, so Dornhelm, der “mit großem Spaß” bei der Sache sei. Die logistischen Herausforderungen seien bei der aufwendigen Produktion mit 50 Schauspielern und 950 Komparsen “natürlich gewaltig”. Die besonders stark frequentierten Hotelbereiche wie die Empfangshalle und der dahinterliegende Salon wurden daher originalgetreu auf einem Studiogelände in Wien-Liesing nachgebaut. “Aber ich wollte den Film nicht drehen, ohne zumindest einmal im ‘richtigen’ Sacher zu sein, damit man das Gefühl kriegt, man war wirklich da.”

Ursula Strauss als Anna Sacher

Für Schauspielerin Ursula Strauss ist die Möglichkeit, an Originalschauplätzen zu drehen, schlicht “fantastisch”. “Ich fühle keine historische Barriere und habe voll Spaß daran”, sagt die 42-Jährige, die in “Das Sacher” die Grande Dame Anna Sacher verkörpert. Ihre Figur nach realem Vorbild beschreibt Strauss als “wahnsinnig starke Persönlichkeit” und “geschickte Lobbyistin”, die genau gewusst habe, was sie will. “Sie hat es geschafft, zu einer Zeit, in der Frauen der höheren Schicht nur Modepuppen waren, die Chefin eines Imperiums zu werden. Sie hat sich nach dem Tod ihres Mannes, der viel älter war als sie, die Konzession erkämpft und einfach wahnsinnig geschickt und sehr fair und visionär denkend gewusst, wie man mit Angestellten umgeht.”

Unterstützend an Anna Sachers Seite: Der Hotelportier Sebastian Mayr, gespielt von Robert Palfrader. “Ich helfe ihr, das Haus so gut wie möglich zu führen, was damals keine leichte Aufgabe für eine Frau war”, meint Palfrader. Als Sachers rechte Hand müsse seine Figur “vor allem das Personal unter Kontrolle halten und die Informationen, die ein Portier so über seine Gäste hat, der Chefin weitergeben, um gröbere Wickel zu verhindern”.

Palfrader und das Hotel Sacher

Der Kontakt mit tatsächlichen Hotelmitarbeitern im Vorfeld der Dreharbeiten hat sich bei Palfrader geradezu aufgedrängt. “Mein Onkel, Robert Palfrader, war 34 Jahre lang in diesem Hotel beschäftigt und die letzten 17 davon als Generaldirektor”, erzählt Palfrader, für den die Beteiligung an dem Projekt dementsprechend “absolut” eine Herzensangelegenheit ist. “Ich bin sehr stolz darauf.”

Seit 25. April und noch bis Ende Juni wird “Das Sacher. Die Geschichte einer Verführung” in und um Wien gedreht. In weiteren Neben- und Gastrollen stehen renommierte Darsteller wie Susanne Wuest, Nina Proll, Peter Simonischek, Joachim Krol, Simon Schwarz oder Robert Stadlober sowie Francesca Habsburg als Ehefrau eines englischen Diplomaten vor der Kamera.

Der ORF will den Zweiteiler zum Jahreswechsel 2016/17 ausstrahlen.

(APA)

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