Tunesien nach Ben Ali – Aufbruch ins Ungewisse

Tunesien war Ausgangspunkt der Protestbewegung des “Arabischen Frühlings”. Auch nach dem Sturz des tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali vor mehr als zwei Jahren ist das nordafrikanische Land nicht zur Ruhe gekommen.


17. Dezember 2010: Der Gemüsehändler Mohammed Bouazizi verbrennt sich aus Verzweiflung über Behördenwillkür selbst. Empörung bricht sich Bahn, zwei Tage nach der Verzweiflungstat fordern Tausende auf einer Kundgebung Reformen und bilden den Keim zur tunesischen “Jasmin-Revolution” – mit mehr als 200 Toten.

14. Jänner 2011: Präsident Ben Ali flieht nach 23 Jahren an der Macht ins saudiarabische Exil. Dort lebt er bis heute.

20. Juni 2011: In einem Prozess ohne Angeklagten verurteilt ein Gericht den Ex-Präsidenten wegen Veruntreuung von Staatsvermögen zu 35 Jahren Haft sowie zu einer Geldstrafe und Schadenersatz von umgerechnet 46 Milliarden Euro. Weitere Verurteilungen folgen.

23. Oktober 2011: Die unter Ben Ali als extremistisch verbotene Bewegung Ennahda (Wiedergeburt) um Rachid Ghannouchi gewinnt die Parlamentswahlen. Die islamistische Partei erreicht 90 von 217 Sitzen in der verfassunggebenden Versammlung.

13. Dezember 2011: Moncef Marzouki wird als erster demokratisch gewählter Präsident Tunesiens vereidigt. Seine Mitte-Links-Partei CPR (Kongress für die Republik) war bei den Wahlen stärkste Kraft hinter Ennahda, mit der sie sich verbündet hat. Regierungschef wird wenige Tage später der Ennahda-Generalsekretär Hamadi Jebali.

14. Jänner 2012: Tausende feiern den ersten Jahrestag des Sturzes von Ben Ali. Am Rand der Feiern kommt es zu Protesten gegen die neue Regierung. Viele Tunesier kritisieren, dass sich die wirtschaftliche Lage seit der Revolution nicht verbessert habe.

19. Juli 2012: Ein Militärgericht in Tunis verurteilt Ben Ali wegen seiner Mitschuld am Tod von Demonstranten in Abwesenheit zu lebenslanger Haft.

14. September 2012: Bei einem Angriff auf die US-Botschaft in Tunis kommen mindestens vier Menschen ums Leben. Eine aufgebrachte Menschenmenge hatte aus Protest gegen ein privat in den USA gedrehtes Schmähvideo über den Propheten Mohammed die Botschaft attackiert.

6./7. Februar 2013: Unbekannte erschießen den Anführer der oppositionellen Bewegung der demokratischen Patrioten, Chokri Belaid. In Tunis und anderen Städten versammeln sich Tausende Menschen zu Protestkundgebungen. Es kommt zu Ausschreitungen. Jebali schlägt die Bildung einer neuen Regierung mit parteilosen Experten vor. Die Führung seiner eigenen Partei lehnt dies aber ab.

8./9. Februar 2013: Zehntausende folgen dem Aufruf von Gewerkschaftern und Oppositionsparteien zu einem Generalstreik, der das öffentliche Leben weitgehend lahmlegt. Jebali droht mit Rücktritt, falls die islamistische Ennahda der Bildung einer Regierung aus parteiunabhängigen Experten im Wege steht.

11. Februar 2013: Ennahda weist die Pläne Jebalis offiziell zurück.

16. Februar 2013: Zehntausende bekunden in Tunis ihre Unterstützung für die Ennahda-Partei.

18. Februar 2013: Die Schura, das oberste Gremium der Ennahda, spricht sich in einer Erklärung erneut gegen Jebalis Pläne aus.

19. Februar 2013: Jebali gibt auf und tritt zurück.

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen