Trotz frühem Aus im Rennen um EU-Agentur EMA: Wien zieht positive Bilanz

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Wien ist im Rennen um den EMA-Standort früh ausgeschieden.
Wien ist im Rennen um den EMA-Standort früh ausgeschieden. - © AP
Im Rennen um die EU-Arzneimittelagentur EMA hat Wien enttäuschend abgeschnitten. Dennoch hat die Stadt ein positives Resümee gezogen. Es sei gelungen, “den Bekanntheitsgrad der Stadt als gut ausgestattete Wirtschaftsmetropole zu steigern”, so Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) am Montagabend in einer Aussendung.

“Wien hat eine starke Bewerbung abgebeben, die nicht zuletzt auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der EMA gepunktet hat”, so Brauner. Wien habe sich als “Top-Standort für die Pharma- und Life-Science-Branche positionieren” können, zeigte sie sich erfreut über die “positive internationale Medienresonanz” auf die EMA-Bewerbung. Sie strich auch die gute Zusammenarbeit von ÖVP- und SPÖ-geführten Ministerien, Stadt und Wirtschaftsvertretern hervor. “Damit haben wir bewiesen, dass es möglich ist, auch in politisch turbulenten Zeiten über verschiedene Ministerien und Interessensgruppen hinweg gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um im Standortwettbewerb so stark wie möglich aufzutreten.”

Amsterdam wird durch Losglück zum EMA-Standort

Wien war bereits in der ersten Runde der Abstimmung unter den 27 EU-Staaten über den künftigen EMA-Standort mit vier Punkten ausgeschieden. Das bedeutet, dass nur ein anderer EU-Staat – als Drittpräferenz – für Wien gestimmt hat. Die restlichen drei Punkte kamen als Erstpräferenz von Österreich selbst. Amsterdam hat nach einem Unentschieden gegen Mailand in dritter Runde durch Losentscheid gewonnen.

Wien auch im Rennen um EBA ausgeschieden

Nach der Entscheidung über die EU-Arzneimittelagentur EMA ist Wien auch im Rennen im die EU-Bankenaufsicht EBA ausgeschieden. Nach einem Punktegleichstand mit der irischen Hauptstadt Dublin in der dritten Abstimmungsrunde der 27-EU-Staaten – ohne Großbritannien – am Montag in Brüssel musste gelost werden. Das Glück lag diesmal aufseiten der Franzosen: Die EU-Bankenaufsicht EBA wird nach Paris umziehen.

Schelling überrascht von Ergebnis

“Sehr überrascht” hat sich Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) vom Abstimmungsergebnis über die EU-Agenturen gezeigt. Schelling hat am Montagabend den beiden Siegern Amsterdam (EMA) und Paris (EBA) gratuliert, das Ergebnis aber zugleich als “eigentlich ein Favoritensterben” bezeichnet.

Österreich werde analysieren, was es besser machen könnte. Bei den Abstimmungen habe es “lange Unterbrechungen mit so einer Art Bazar-Charakter” gegeben. “Wir sind möglicherweise im Hintergrund untergegangen durch die zahlreichen, wirklich sehr guten Mitbewerber”, sagte Schelling.

Wien habe sehr gute Angebote gelegt. Schelling zeigte sich enttäuscht darüber, dass Wien leer ausging, bedankte sich aber bei den heimischen Ministerien und der Stadt Wien für die Zusammenarbeit. “Wir hätten uns das anders vorgestellt. Aber es ist kein Beinbruch, dass wir das nicht bekommen haben.” Österreich habe versucht, im Hintergrund Allianzen zu schmieden, zum Teil seien aber Zusagen anderer Länder schon vorhanden gewesen. “Da dürften andere besser gearbeitet haben.”

Ein Land habe bei beiden Agenturen eine ungültige Stimme abgegeben, sodass zuletzt Punktegleichstand 13 zu 13 geherrscht habe. Dann sei der Losentscheid durch ein Glas mit zwei Kugeln ähnlich wie bei der Auslosung zur Fußballweltmeisterschaft erfolgt, schilderte Schelling.

Langfristig hätte es nach Ansicht von Schelling durchaus Sinn gemacht, die EBA zur EZB nach Frankfurt zu verlegen, “aber Paris ist nicht so weit entfernt”. Die EBA-Mitarbeiter hätten in internen Abstimmung für Wien votiert.

(APA/Red)

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