Tresorknacker als Tunnelgräber

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Tresorknacker wollten Tunnel zu Bank graben: elf Festnahmen – „Profis“ aus Rumänien verübten 79 Delikte – Mit Thermolanze
gearbeitet – Auf Flucht in Bachbett versteckt.

Nach 79 Einbrüchen mit einer Schadenssumme von 740.000 Euro in mehreren Bundesländern haben die beiden Chefs einer rumänischen Tresorknackerbande, 32 und 45 Jahre alt, ihren Ruhestand in Erwägung gezogen. Zum Abschluss wollten sie einen ganz großen Coup landen: Die Männer planten einen Tunnelbau zu einer Bank oder Post. „Die Vorbereitungen waren schon recht konkret“, berichtete am Mittwoch Abteilungsinspektor Norbert Kappel vom Kriminalkommissariat Zentrum Ost.

Knabenhafte Kriminelle

Die zwei Drahtzieher und neun weitere Personen, unter ihnen ihre Freundinnen und drei „konkrete Helfer“, wurden festgenommen. Zwei Verdächtige ließ die Polizei aus Mangel an Beweisen frei. „Die beiden Männer hatten die Figur eines Zehnjährigen – ideal für das Graben eines Tunnels“, meinte Kappel.

Ins Rollen kam der Fall nach einem Einbruch in ein Fischgeschäft im August 2005 in Wien-Simmering, bei dem aus einem gewaltsam geöffneten Tresor Bargeld, Supermarktgutscheine und Kameras entwendet wurden. Als ein 33-jähriger in Wien lebender Niederösterreicher die Gutscheine einlösen wollte, klickten für ihn die Handschellen. Die Ermittlungen der Gruppe Wilding ergaben, dass er als Fahrer für die Rumänen aktiv war.

Die Bande ging stets sehr professionell vor. Die Einbrecher fuhren mit der Süd- oder Westbahn zu den jeweiligen Tatorten, Firmengebäude in der Steiermark, in Salzburg, Nieder- und Oberösterreich. „Im Gepäck hatten sie Arbeitskleidung, Werkzeug und eine Jause“, sagte Kappel. „Sie spionierten die Schauplätze ihrer Verbrechen genau aus, warteten oft stundenlang, ob ein Sicherheitsdienst auftauchte. Das Öffnen der Tresore dauerte oft stundenlang. Mit den Pendlern fuhren die Täter in der Früh nach Wien zurück.“

Mit High-Tech gegen Stahl

Zum Einsatz kam auch eine Thermolanze, die eine Temperatur von mehr als 5.500 Grad erzeugt und Beton wie Stahl mühelos schneidet. Das Spezialwerkzeug wurde „sehr teuer und illegal“ (Kappel) erworben, weil man dazu eigentlich eine Firmenbestätigung braucht.

Nicht immer verliefen die Raubzüge reibungslos. Einmal verließen die Rumänen den Tatort gerade, als die ersten Angestellten zur Arbeit kamen. Im November 2005 löste die Bande einen Alarm aus. Einer der Haupttäter versteckte sich danach in einem Bach und tauchte unter, als Beamte am Ufer patrouillierten. Anschließend brach er in ein Wohnhaus ein, wo er sich stundenlang von der Abkühlung erholte. Und einen Tag verbrachten die Männer in einem Wald, weil ihnen ein Hubschrauber auf den Fersen war.

„Danach waren sie mit den Kräften am Ende, sie beschlossen ihren Ruhestand“, so Kappel. Zum Abschluss planten sie den Tunnel-Coup:
„Sie hatten bereits ausgetüftelt, welche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen sind, wie gegraben werden sollte.“ Nur das Objekt hatten sie noch nicht ausgesucht.

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