Tomorrow – Trailer und Kritik zum Film

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Tomorrow – Trailer und Kritik zum Film
Die Erde ist bedroht? Gewiss, aber “die Welt ist voller Lösungen”, behaupten Cyril Dion und Melanie Laurent. Es ist der naive Zugang auf eine hoch komplexe Situation, der den Dokumentarfilm “Tomorrow” so sympathisch macht.

Ein paar junge Leute sind geschockt über den bald drohenden Weltuntergang, den eine “Nature”-Studie prophezeit, und beschließen, etwas dagegen zu tun: Sie drehen einen Film.

Tomorrow – Die Handlung

Freundlich lächelnd erklären zwei ältere, seriös wirkende Herrschaften, die Umweltwissenschafterin Elizabeth Hadly und der Paläontologe und Biologe Anthony Barnosky, was sie im Juni 2012 gemeinsam mit 20 Kollegen publiziert haben: Eine Studie, die belegt, dass die derzeitigen Veränderungen an Natur und Klima dramatischer und schneller stattfinden als jemals zuvor in der Geschichte unseres Planeten. “Wir haben nur noch 20 Jahre”, meinen sie. Seit dem “Club of Rome” sind wir solche Horror-Szenarien gewohnt. Deswegen nehmen sie nur wenige Menschen wirklich ernst. Die 33-jährige französische Filmschauspielerin Melanie Laurent (“Inglourious Basterds”), die 2008 mit dem Kurzfilm “De moins en moins” ihr Regiedebüt gefeiert hatte, dagegen war “zutiefst schockiert. Ich habe den ganzen Tag geweint”, erzählt sie im Presseheft.

Glücklicherweise war sie zu diesem Zeitpunkt schon länger mit dem Aktivisten Cyril Dion in Kontakt, der ein Filmprojekt über “Beiträge für eine menschenwürdige Welt” geplant hatte. “Plötzlich wurde es ein notwendiger Film”, so Laurent. “Für den Film habe ich andere Projekte und Angebote abgesagt, um mich vollständig einbringen zu können.” Am Ende stand eine gemeinsame Doku, die bereits eine Million Menschen in die Kinos brachte und mit dem Cesar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde.

Tomorrow – Die Kritik

Natürlich wirkt das gelegentlich arg naiv und kitschig, wenn Laurent und “ihre Crew aus unrasierten jungen Franzosen, die alle dieselben Ray-Ban-Sonnenbrillen tragen” (so der “Hollywood Reporter”) zu Uptempo-Beats in ihrer Weltrettungs-Mission um die Welt sausen (und dabei wohl ihren ökologischen Fußabdruck um einiges vergrößern), und doch ist er erstaunlich strukturiert: Nach Art einer Kindersendung werden ganz einfache Fragen gestellt, die meist auf eine Grundfrage hinauslaufen: Geht denn das auch anders? Und siehe da: Es geht. In zehn Ländern besuchen die neugierigen jungen Leute Alternativprojekte und -konzepte zu den Themenbereichen Landwirtschaft, Energie, Ökonomie, Demokratie und Bildung.

Überall lachende Gesichter, Menschen voller Tatendrang und mit einer deutlich zur Schau gestellten Genugtuung, alle Schwierigkeiten überwunden und es den herrschenden Systemen in kleinstem Rahmen gezeigt zu haben. “Die Welt ist voller Lösungen” ist plötzlich keine unbewiesene Behauptung mehr. Lokale Landwirtschaft mitten im devastierten Zentrum von Detroit, Zwischenfruchtanbau und Permakultur-Bauern in der Normandie; Wind- und Solarenergie-Projekte, die der nüchternen Aussage gegenübergestellt werden, dass Frankreich zwei AKWs alleine für alle im Stand-by-Modus betriebenen Geräte benötige; “Zero Waste”-Konzepte in San Francisco; lokale und regionale alternative Wirtschafts- und Währungssysteme, die allesamt legal sind; erfolgreiche Bürgermeister in Indien und aufmüpfige Bürger in Island.

Abgerundet wird das Ganze schließlich durch den Besuch einer finnischen Gesamtschule, der Traum der schlaflosen Nächte aller Pisa-Test-geplagten Bildungspolitiker, wo Lehrer trotz freundschaftlichsten Umgangs mit ihren Schützlingen keinerlei Autoritätsprobleme haben und mit Inbrunst versichern: “Wir nutzen unsere Zeit lieber, um zu lehren, als um zu prüfen.” “Tomorrow” ist purer Agitprop, doch ganz ohne schädliche Nebenwirkungen – nachhaltig, fair trade und echt bio. “Es ist nicht zu spät”, lautet die hoffnungsvolle Schlussbotschaft des zweistündigen Films. “Aber wir müssen etwas tun. Jetzt!” Na, dann mal los. Zuerst ins Kino und dann hinaus in die Welt.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Tomorrow”

(APA)

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