"Thomas Bernhard und das Theater": Tolle Schau im Theatermuseum

Thomas Bernhard im Burgtheater.
Thomas Bernhard im Burgtheater. - © APA/IMAGNO/Harry Weber
Die liebevoll gestaltete Ausstellung widmet sich ausgewählten Aufführungen in Salzburg und Wien, präsentiert interessante Dokumente und leidet einzig an Platzmangel.

Die Ausstellung “Thomas Bernhard und das Theater”, die am Mittwochabend im Österreichischen Theatermuseum eröffnet wird, hat einen einzigen großen Fehler: Sie ist zu klein. Was nämlich die beiden Kuratoren Martin Huber und Manfred Mittermayer in zwei von Peter Karlhuber ebenso originell wie liebevoll gestalteten Räumen an Dokumenten, Typoskripten, Zeichnungen, Szenenfotos und Videos präsentieren, ist so interessant, dass die Schau vor allem den Wunsch nach mehr weckt.

18 abendfüllende Stücke und fast genauso viele Dramolette hat der 1989 gestorbene Autor im Laufe seiner Karriere geschrieben, doch naturgemäß mussten sich die Kuratoren auf so wenig Raum auf ausgewählte Dramen beschränken. Im Mittelpunkt steht die Entstehungsgeschichte von “Der Ignorant und der Wahnsinnige” (1972), “Die Macht der Gewohnheit” (1974), “Der Theatermacher” (1985), “Ritter, Dene, Voss” (1986) und “Heldenplatz”, der auf den Tag genau vor 21 Jahren (am 4. November 1988) am Burgtheater seine umstrittene Uraufführung feierte.

“Einerseits” und “Andererseits”

“Sie werden erkennen, dass sich in unserem Land in 20 Jahren nichts geändert und Thomas Bernhard recht behalten hat”, meinte Museumsdirektor Thomas Trabitsch bei der heutigen Pressekonferenz. Die Ausstellung wolle die Fantasie anregen und zum Denken animieren, den Dramatiker nicht auf Skandale reduzieren. Auf den “Notlichtskandal” bei der Salzburger Uraufführung von “Der Ignorant und der Wahnsinnige” verweist man ironisch mit einer Bordüre aus Theater-Notlichtern, und natürlich gibt man den Erregungen rund um “Heldenplatz” einigen Raum.

Die zwei Eingänge sind mit “Einerseits” (führt zum Wien-Kapitel) und “Andererseits” (führt an Plakaten und Fotos zu Aufführungen 1960 am “Theater im Tonhof” in Maria Saal vorbei in den Salzburg-Raum) überschrieben. Doch die echten Höhepunkte der Ausstellung sind nicht die einfallsreichen Präsentationen der Aufführungen und auch nicht die von Mittermayer als “kleine Sensation” vorgestellten Original-Zeichnungen des Dichters, sondern die vorwiegend aus dem Thomas-Bernhard-Archiv und der Thomas Bernhard Privatstiftung stammenden Dokumente.

Beinahe Burgtheaterdirektor

Einem Brief des damaligen Salzburger Kulturlandesrats Josef Kaut an Bernhard kann man etwa entnehmen, dass dem späteren Festspielpräsidenten das Stück “Ein Fest für Boris” zwar “an sich ausgezeichnet” gefallen habe, er es für die Festspiele als “zu düster” ablehnen müsse, da man “gewisse Rücksichten auf die Nerven unserer empfindsamen Gäste” nehmen müsse. Ein “Theatermacher”-Gastspiel in Brüssel verbat sich der Dichter 1987 in einem scharfen Brief an Burgtheater-Direktor Claus Peymann, der so schloss: “Gehen Sie mit meinem Theatermacher überall hin und sei es in die Hölle, aber nicht in diesem September nach Brüssel.”

Beinahe wäre Thomas Bernhard ja selber Burgtheaterdirektor geworden. Ein vierseitiges Telegramm, in dem der damalige Unterrichtsminister Fred Sinowatz sich wortreich bei ihm dafür entschuldigte, sich trotz mit dem Dichter betriebener ernsthafter Verhandlungen für die “Schauspielerlösung” Achim Benning entschieden zu haben, ist nicht nur von der Diktion, sondern auch von der Transkription her ein echtes Dokument österreichischer Kultur: Dem Ohlsdorfer Postbeamten war bei der handschriftlichen Reinschrift des Telegrafierten die Rechtschreibung sichtlich schwergefallen. Die Direktion der dabei konsequent “Burgtheather” geschriebenen Staatsbühne hat Thomas Bernhard nicht erhalten, im Bundesmuseum ist er 20 Jahre nach seinem Tod dennoch bestens aufgehoben. Zumal in einer so hervorragend gemachten Ausstellung wie dieser.

“Thomas Bernhard und das Theater: Salzburg – Wien”, Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum, Wien 1, Lobkowitzplatz 2, 5. November 2009 bis 4. Juli 2010, Di-So 10 – 18 Uhr
Im Rahmenprogramm u. a.: “Die Billigesser”, Lesung von Joachim Bißmeier, 25.11., 19.30 Uhr; “Thomas Bernhards Zauberflötentraum”, Ulrich Matthes und das Merlin Ensemble, 4.12., 19.30 Uhr
Katalog: “Thomas Bernhard und das Theater – ‘Österreich selbst ist nichts als eine Bühne'”, Hg. von Martin Huber und Manfred Mittermayer, Christian Brandstätter Verlag, 192 S., an der Museumskasse: 27,90 Euro, in der Buchhandlung: 36 Euro
www.theatermuseum.at
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien, Austria

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