This Is Not a Film – Trailer und Kritik zum Film

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This Is Not a Film – Trailer und Kritik zum Film
Seit 2009 dürfte sich der iranische Regisseur Jafar Panahi streng genommen eigentlich nicht mehr Filmemacher nennen, hat ihn das Teheraner Regime doch wegen Vorbereitung eines regimekritischen Films zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Drehverbot verurteilt – ein Fall der international für einen Aufschrei sorgte.

Was tut jedoch ein Künstler, dem sein Medium Film genommen ist? Er dreht einen Nicht-Film. Am Donnerstag (15. November) kommt nun das berührende Dokument einer Verzweiflung ins Kino.

Gemeinsam mit seinem Freund, dem Filmemacher Mojtaba Mirtahmasb, drehte Panahi heimlich mit iPhone und Digitalkamera 75 Minuten Filmmaterial in seiner Wohnung. Er dürfe laut Urteil keine Filme drehen, Drehbücher schreiben oder Interviews geben – das Schauspielen sei ihm aber nicht verboten, zeigt sich der Regisseur (unter anderem “Der Kreis” (2000) oder “Offside (2006)) pragmatisch.

“This is not a Film”: Jafar Panahis unfilmische Anklage

So liest er aus einem Drehbuch, das von der Zensur abgelehnt wurde, spielt einzelne Szenen nach und hält mit Mirtahmasb einen Dialog über das Wesen des Kinos. Der Filmemacher zeigt aber auch seine Zweifel am Vorhaben, an seiner Zukunft und reflektiert die Aussichtslosigkeit seiner Lage. Dann wieder filmt er sich selbst bei banalen Alltagshandlungen wie dem Fernsehen oder im Zwiegespräch mit seinem Leguan. Dominant bleibt dennoch der Versuch, trotz ärgster Hindernisse zu einer eigenen Stimme zu finden. Herausgekommen ist letztlich ein Nicht-Film, der im wesentlichen auf Sprache beruht und den ureigensten Mittler des Kinos, das Bild, vernachlässigt.

Dennoch war das für wenige Tausend Euro hergestellte Werk nicht leicht zu einem Publikum zu bringen. So musste es auf einem USB-Stick gespeichert in einem Kuchen nach Cannes geschmuggelt werden, wo der Film im Vorjahr uraufgeführt wurde. Das Festival hatte im Jahr davor schon gegen Panahis Verhaftung protestiert, als Juliette Binoche mit einem Schild mit der Aufschrift “Jafar Panahi” auf die Bühne trat, während Berlinale-Jurypräsidentin Isabella Rossellini bei der Eröffnung der Filmfestspiele einen Brief des verurteilten Kollegen verlas und demonstrativ einen leeren Stuhl mit seinem Namensschild aufstellte. Ungeachtet der Unterstützungserklärungen von höchster Filmprominenz bestätigte ein iranisches Berufungsgericht im Oktober 2011 sowohl die sechsjährige Haftstrafe als auch das zwanzigjährige Berufs- und Reiseverbot gegen Panahi, der derzeit offenbar in der nächsten Instanz gegen sein Urteil kämpft.

(APA)

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