The Libertines lieferten alkoholgeschwängerte Rock-Show in Wien

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The Libertines feierten Wien-Premiere in der Stadthalle.
The Libertines feierten Wien-Premiere in der Stadthalle. - © APA
Pub-Rock in der Stadthalle: The Libertines haben am Freitag ihr Österreich-Debüt absolviert und die Band spielte so, als würde sie auf der kleinen Bühne eines versifften Wirtshauses in London stehen und alles wäre wurscht.

Pete Doherty, die Mischung aus provokantem Enfant terrible und bemitleidenswertem Kasperl, kam nicht nur tatsächlich nach Wien (und recht pünktlich), sondern eine Stunde lang auch noch ohne Mätzchen aus. Da rockte sich die 2014 offiziell wieder vereinte britische Gruppe routiniert durch neues (“Barbarians”, “Fame And Fortune”) und altes (“The Delaney”, “Boys In The Band”) Material, wobei Doherty seiner Gitarre irgendetwas entlockte, nur nicht das, was mit dem Gitarrenspiel des zweiten Frontmans, Carl Barat, harmonierte.

Barat wiederum hat man schon als besseren Sänger erlebt, etwa bei seinem großartigen Solo-Auftritt beim Frequency Festival 2011. Dafür brachte sein Kumpane – im Gegensatz zum Krawallauftritt mit den Babyshambles im Jahr 2013 im Gasometer – die Kombination aus Rebellion, Traurigkeit, Leid und Freude in seiner Stimme perfekt rüber. Stimmung wollte in der mehr als halb leeren Halle in dieser ersten Halbzeit nur manchmal aufkommen – sowohl vor als auch auf der Bühne.

The Libertines: Zwischen Knlischee und Anarchie

Aber irgendwann war Doherty (wie auch das Publikum) für die zweite Hälfte ausreichend geölt: Zuerst ein Tritt gegen den Mikroständer, dann damit Barat traktiert oder überhaupt das Ding gleich (mehrmals) ins Publikum geworfen – Pete kam auf Touren, ebenso die Show. Es wurde lauter, heftiger, druckvoller, ausgelassener und unterhaltsamer. Ab “Gunga Din”, der superben Single vom aktuellen Album mit dem vielsagenden Titel “Anthems Für Doomed Youth”, breitete sich Club-Atmosphäre mit allen Rock-and-Roll-Mätzchen aus: Bierbecher (wahlweise voll oder leer) werfen, Busen zeigen, Mitklatschen, Rauchverbot ignorieren.

Pete Doherty lieferte Rock-Show in Wien

Da war sie dann zu spüren, die magische kindische Libertines-Chemie, die diese Gruppe zu Helden des Britpop gemacht hat. “Es hat ein bisschen gedauert, bis sie nach der Reunion wieder da war”, gestand der Drummer, der mit seinem tollen Rhythmusgefühl das “Ich pfeif mir nix”-Gitarrengeschrammel seiner Kollegen zusammenhielt. Jede Hymne (“Up The Bracket”, “Don’t Look Back Into The Sun”), noch so zerlegt, wurde nun abgefeiert, der torkelnde Doherty von einem Aufpasser festgehalten, als er von der Bühne zu kippen drohte, und Barat, zuvor noch der Beschwichtiger, in der Nachspielzeit immer anarchischer. Am Ende lagen sie sich oben ohne in den Armen – Match doch noch gewonnen, Gitarre in die Menge geworfen, Klischees erfüllt.

“Das macht Libertines aus – nicht ein Musiker, sondern alle zusammen”, analysierte Powell. “Unsere Musik kommt aus dem Herzen, wir sind sehr emotionell, wir arbeiten sehr dynamisch zusammen. So sind wir eben, das steckt in unserer DNA, das wird sich nicht ändern.” Ob das ein Versprechen oder eine Drohung ist, bleibt Geschmackssache.

(APA/Red)

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