The Green Wave

The Green Wave
Tunesien, Ägypten, Algerien – und dann Iran? Die grüne Oppositionsbewegung, die im Juni 2009 dort entstand, ist nicht tot. In diesen Tagen meldet sie sich kraftvoll zurück. Ein beeindruckender Film zeigt ihren Ursprung, ihre Niederlage, ihre Hoffnungen.

Es ist einfach unvermeidlich, dass wir die Bilder in Ali Samadi Ahadis Dokumentarfilm “The Green Wave” in diesen Tagen vor dem Hintergrund der Ereignisse in Ägypten sehen. Dort gelang es der jungen Oppositionsbewegung, Präsident Husni Mubarak zu stürzen. Im Iran ist die grüne Opposition vor eineinhalb Jahren bei dem Versuch gescheitert, das Regime des autoritären Mahmud Ahmadinedschad abzuwählen oder wenigstens zu Reformen zu zwingen. Doch in vielem war die “Grüne Welle” vom Juni 2009 im Iran Vorbild für die ägyptische Bewegung – und könnte nun eine neue Blüte erleben.

“Seit 150 Jahren sind wir auf der Suche nach unserer verloren gegangenen Stimme”, heißt es zu Beginn der Dokumentation, die Ahadi auf dem Filmfest Hamburg im vergangenen Jahr und auf dem Sundance Festival vorgestellt hat. Und auch 2009 sind die Iraner gescheitert – vorerst. Der Film ist eine dokumentarische Collage – viele Texte sind aus Internet-Blogs übernommen. Neben authentischen Filmszenen der Tage im Juni und Interview-Passagen, etwa mit der Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi , tragen animierte Szenen die Handlung, sogenannte Motion Comics. Sie übersetzen das in Bilder, was Blogger in den Tagen des Aufstands und seiner brutalen Unterdrückung aufgeschrieben haben.

Es beginnt mit dem 23. Mai 2009, als die “grüne Bewegung” bei einer Massenkundgebung des Oppositionskandidaten Mir Hussein Mussawi erstmals ihre Stärke erkennt – und der Traum vom Wahlsieg über Ahmadinedschad greifbar nah erscheint. “Wir waren sicher, dass wir gewinnen würden.” Grün ist die Farbe des Islams, der Hoffnung und des

Aufbruchs,  ein Meer von Grün wogt in der Stadt.  "Die Menschen
werden sich daran ein Leben lang erinnern."

Doch der Wahltag am 12. Juni ist noch nicht vorbei, da bricht die Euphorie in sich zusammen. Erste Berichte von Fälschungen und Betrügereien machen die Runde. Wahllokale werden abgesperrt, obwohl die Menschen davor noch Schlange stehen, SMS- und Handynetze werden gestört, Oppositionsführer Mussawi kann seine Anhänger nicht mehr erreichen. Erste Ergebnisse geben Ahmadinedschad 69 Prozent der Stimmen – die Enttäuschung, die Wut, die Trauer sind riesengroß.

In der Nacht schlägt das Regime zurück. Hunderte werden festgenommen, gefoltert, es gibt Tote und Verletzte. “Wo ist meine Stimme?” rufen Anhänger der grünen Opposition am nächsten Tag. Doch die Schergen des Regimes tyrannisieren die Straßen. Als wenige Tage später der geistliche Führer des Irans, Ajatollah Chamenei, für Ahmadinedschad Partei ergreift und der Opposition die Schuld an dem Blutvergießen gibt, ist das Ende der Revolte gekommen – jedenfalls zunächst.

Regisseur und Drehbuchautor Ahadi (39) ist in Deutschland aufgewachsen, zuletzt hat er für die Komödie “Salami Aleikum” viel Beifall bekommen. “Iran ist eine Bloggernation. Tausende junger Menschen schreiben ihre Gefühle, was sie bewegt, in ihre Blogs.” Aus 1500 Seiten hat Ahadi dann die wenigen ausgewählt, die er in den animierten Szenen des Films darstellt. Herausgekommen ist eine ergreifende Mischung aus Dokumentation und Fiction, aus Realität und Comic.

Auch eineinhalb Jahre nach den Ereignissen ist die brennende Aktualiät offensichtlich. Während der iranische Regisseur Jafar Panahi nicht zur Berlinale nach Berlin reißen durfte, sind vor wenigen Tagen die Unruhen in Teheran wieder aufgeflammt. Die grüne Bewegung lebt – und ist beflügelt vom Aufstand der Jungen in Ägypten.

(APA)

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