The Dinner – Trailer und Kritik zum Film

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The Dinner – Trailer und Kritik zum Film
Wie weit gehst du, um deine Familie zu beschützen? Im Thriller “The Dinner” konfrontiert der israelisch-amerikanische Regisseur Oren Moverman zwei Paare mit der Tatsache, dass ihre Söhne ein monströses Verbrechen begangen haben. Im Ringen um das moralisch richtige Vorgehen brilliert ein hochkarätiges Ensemble um Richard Gere, Rebecca Hall, Laura Linney und Steve Coogan.

 Als Vorlage für “The Dinner” diente der Bestsellerroman “Angerichtet” des niederländischen Autors Herman Koch. Moverman verlegt das Geschehen von Amsterdam an die US-Ostküste, belässt den zentralen Konflikt aber bei: Die zwei Teenager und Cousins Michael und Rick haben ein Gewaltverbrechen begangen. Sie sind nicht als Täter identifiziert worden, ihre Eltern aber wissen Bescheid – und sind sich uneinig, wie sie verfahren sollen. Immerhin könnte ein Schuldeingeständnis das Leben der Söhne ruinieren, und die Karrieren der Erwachsenen gleich mit.

The Dinner – Die Handlung

Nicht gewillt, diese Frage länger aufzuschieben, lädt Stan Lohman (Richard Gere) samt Gattin Katelyn (Rebecca Hall) seinen Bruder Paul (Steve Coogan) und dessen Ehefrau Claire (Laura Linney) zum Abendessen ins Nobelrestaurant ein. Die Stimmung ist von Anfang an angespannt, was an den beiden gegensätzlichen Brüdern liegt: Er wolle nicht mit “diesem Affen” essen gehen, verkündet der Zyniker Paul bereits im Vorfeld. Als scheinbar abgebrühter Kongressabgeordneter, dessen Telefon ständig klingelt, steht Stan für die vom Geschichtslehrer Paul verhasste Elite.

Je länger das Abendessen dauert, desto mehr reißen alte Wunden auf und spitzt sich der Konflikt zu. Als Struktur dienen die sechs Gourmet-Gänge, wobei sich das Geschehen auch in Nebenräume verlagert, wo unerwartete Allianzen gebildet werden. Unterbrochen wird das kammerspielartige Kräftezerren mit visuell hervorgehobenen Rückblenden, die Details der Tat sowie Familiengeheimnisse offenbaren. Hier scheitert Moverman an seiner Ambition, verliert sich der Film doch zunehmend in allzu vielen Handlungssträngen, Wendungen und teils platten Rückblenden, mutet langatmig und konstruiert an.

The Dinner – Die Kritik

Thematisch jedoch trifft “The Dinner” den Zeitgeist, verhandelt soziale Verantwortung – nun unter einem auf Angst und Abschottung setzenden US-Präsidenten – und verwebt die Themen Rassismus, Gesundheitsvorsorge und Obdachlosigkeit. Letztere thematisierte er bereits eindringlich in seinem Vorgängerfilm “Time Out of Mind” (2014), in dem ein von Gere verkörperter Mann in New York zunehmend in die Obdachlosigkeit rutscht. “Richard und ich teilen denselben Ärger über gewisse Dinge. Einen Ärger darüber, wie die Welt ist, wie sie sein könnte”, sagte der Regisseur bei der Berlinale, wo der Film im Wettbewerb lief.

In “The Dinner” ist es Paul, der sich von seiner Verbitterung leiten lässt und dadurch handlungsunfähig wird. Der Brite Steve Coogan, der vor allem für komödiantische Rollen bekannt ist, seit dem Erfolgsfilm “Philomena” (2013) aber auch auf Charakterrollen gebucht wird, sticht in mehrfacher Hinsicht heraus. Seine sarkastischen Kommentare, die er trocken in einem Gedankenstrom im Off abliefert, sorgen für einige Lacher. Nach und nach aber legt er weitere emotionale Schichten frei, und beginnt man als Zuseher an seiner Perspektive zu zweifeln.

Überhaupt sind es die unerwarteten Sinneswandel, Agenden und Abgründe der sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die “The Dinner” trotz seiner überfrachteten Struktur spannend und sehenswert machen. Die vier Schauspieler, die die Dinnerszenen ohne vorhergehende Proben innerhalb eines dreiwöchigen Nachtdrehs realisierten, schicken uns auf falsche Fährten und stellen vorgefertigte Meinungen auf den Kopf. So erkämpft sich Richard Gere als idealistischer Politiker allmählich die Sympathie des Publikums, während Rebecca Hall diese als unerwartet berechnende Frau allmählich verliert. Allen voran Laura Linney bleibt als erst zurückhaltende, liebende Mutter und später eiskalte Verhandlerin bis zum Schluss rätselhaft. Als Zuseher stellt man sich so zwangsläufig selbst die Frage, ob der eigene moralische Kompass wohl einer solchen Ausnahmesituation standhielte.

>> Alle Filmstartzeiten zu “The Dinner”

(APA)

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