The Descendants

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The Descendants
Die absurden Momente im Leben sind die Spezialität von Alexander Payne, der nach “About Schmidt” und “Sideways” nun mit “The Descendants” neuerlich eigenwillige Charaktere auf Selbstfindung schickt.

Diesmal steht der Anwalt Matt King (George Clooney) im Mittelpunkt, der als einer der Nachfahren (Descendants) der Könige und Missionare, die einst auf Hawaii lebten, das paradiesische Anwesen verwaltet und dessen Frau Elizabeth nach einem Unfall im Koma liegt. Als er von seiner älteren Tochter erfährt, dass Elizabeth eine Affäre mit einem anderen Mann hatte, macht er sich mit seinen Töchtern auf die Suche nach dem unbekannten Liebhaber und beginnt langsam aus seinem eigenen gelebten Koma aufzuwachen. Ab Freitag (27.1.) im Kino.Wien. So malerisch die Kulisse und so kontemplativ die Bilder, so ambivalent und tragikomisch inszeniert Payne die Lebenskrise des von Clooney verletzlich und kämpferisch dargestellten Mannes. Matt King hat sich eigentlich glücklich geschätzt, der von ihm verwaltete Grundbesitz steht kurz vor dem einträglichen Verkauf, die Familie funktioniert – doch mit dem Unfall seiner Frau hebt sich seine Welt plötzlich aus den Angeln. Seine Frau hat ihn betrogen, die Bindung zu seinen Töchtern ist äußerst lose, und wer jeden Tag im Paradies aufwacht, verliert offenbar trotzdem irgendwann die Nähe zu seinem Land und seinen Wurzeln. Es folgt eine Sinnsuche, bei der sich auch den Familienmitgliedern die Gelegenheit bietet, einander endlich richtig kennenzulernen.

Dass Clooney als einer der großen Oscar-Favoriten gilt, ist nach seiner untypischen und empathischen Verkörperung des Familienvaters im Hawaii-Hemd völlig gerechtfertigt. Alleine, wenn er in Schlapfen der Straßenbiegung entlang zum Haus von Freunden rennt, um sich wütend die Affäre seiner schwer verletzten Frau bestätigen zu lassen, entfacht er so viel peinlich berührtes Mitgefühl, dass über menschliche Schwächen und den Herzschmerz des Protagonisten gar nichts mehr geschrieben werden muss. Und mit den beiden jungen Schauspielerinnen (Shailene Woodley und Amara Miller) harmoniert er so wunderbar, dass man sich liebend gerne auf die unterschiedlichen Stimmungen der lebensverändernden Reise einlässt.

Diese Stimmungen werden nicht zuletzt auch vom Soundtrack getragen, der von ausschließlich hawaiianischen Musikern beigesteuert wurde. Obwohl die Musik auf die Dauer ein wenig nervt, wird das entrückte Gefühl der Inseln mitsamt vorüberziehender Wolken und Meeresrauschen wunderbar vermittelt. Die wortlosen Szenen und die visuellen Kompositionen beeindrucken indes am meisten und lassen die gelegentliche Erzählerstimme ziemlich überflüssig erscheinen. Musik und Erzähler sind aber ohnehin nur kleine Wermutstropfen in einem gelungenen Film, der auf Basis des Debütromans “Mit deinen Augen” der hawaiianischen Schriftstellerin Kaui Hart Hemming erzählerischen Tiefgang und humorvolle Lakonik in absurden Situationen beweist.

(APA)


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