Terrordrohungen in Österreich: Das Dilemma mit ihrem Umgang

Die heimischen Sicherheitsbehörden haben Donnerstagfrüh per Mail konkrete Terrordrohungen gegen Polizei und öffentliche Einrichtungen in mehreren Bundesländern erhalten
Die heimischen Sicherheitsbehörden haben Donnerstagfrüh per Mail konkrete Terrordrohungen gegen Polizei und öffentliche Einrichtungen in mehreren Bundesländern erhalten - © APA/HANS PUNZ
Die Terrordrohungen, die am Donnerstag in Österreich gegen Verkehrsinfrastruktur und Polizeidienststellen getätigt wurden, haben das ganze Dilemma aufgezeigt, in dem Behörden, aber auch Medien beim Umgang mit solchen Vorfällen stecken.

Die Kernfrage lautet: “Wie gehen wir damit um?”, wie der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, erläuterte.  “Wir sehen die Sensibilität, die darin liegt.”

Terrordrohung per Mail an “breiten Adressatenkreis”

Grundböck sagte, es habe in jedem Fall die Notwendigkeit für die Behörden bestanden, der Drohung nachzugehen. Zum einen hatte das betreffende Mail, das über eine verdeckte Adresse versendet wurde, “einen breiten Adressatenkreis”. Zum anderen gab es eine “ziemlich hohe Konkretisierung, was den Ort und die Zeit (der angeblich geplanten Attacken, Anm.) betraf”.

Die Überprüfungen seien zumindest zum Teil wegen der Örtlichkeiten – die Drohung betraf unter anderem Bahnhöfe und Flughäfen – öffentlich wahrnehmbar gewesen. Damit war für die Behörden evident, dass sie die Vorgangsweise der Öffentlichkeit und die Gründe dafür via Medien erklären mussten. “Und damit war es ein Medienthema”, analysierte Grundböck.

Nichtstun unmöglich – Frage, ob Medien berichten

Das Dilemma bestehe für die Behörden wie für die Medien: “Es ist nicht möglich, nichts zu unternehmen. Im Fall von Medien lautet die Frage: Berichten wir? Und, wenn ja, wie?”, sagte Grundböck. “Nur zu sagen, es ist eh nichts dran, vergessen wir es, geht nicht.” Es sei eine schwierige Gratwanderung: “Wie kann man gut mit der Situation umgehen, ohne dass Verunsicherung entsteht?”, fragte Grundböck. Schwierig ist es auch, den Tätern nicht genau das zu geben, was sie wollen: Aufmerksamkeit. In diesem Sinne sei die Frage, ob die Vorgangsweise richtig oder falsch sei, auch nicht eindeutig zu beantworten.

Vorsichtsmaßnahmen wieder zurückgenommen

Grundböck sagte, dass jene Vorsichtsmaßnahmen, die in direktem Zusammenhang mit dem Drohmail standen, mittlerweile wieder zurückgenommen. Es gelten aber weiterhin die seit dem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins “Charlie Hebdo” stark erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Der Verfassungsschutz bemühte sich unterdessen weiterhin um die Ermittlungen zur Urheberschaft des Drohmails. Das dürfte, weil es von einer verdeckten Adresse versendet wurde, aber – vorsichtig ausgedrückt – zumindest technisch komplex werden.

>>Polizeieinrichtungen in Österreich erhielten Terrordrohungen

(apa/red)

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