Terror 2.0: Freundschaftsanträge von Al-Kaida

Facebook, Twitter und YouTube fixe Bestandteile von Cyberkriegen.
Facebook, Twitter und YouTube fixe Bestandteile von Cyberkriegen. - © AP
Facebook, Twitter, YouTube und Chats dienen Al-Kaida und anderen Terrororganisationen dazu, ihren Einflussbereich zu vergrößern.

Das berichten Kommunikationswissenschaftler der Universität Haifa, die die Online-Aktivitäten derartiger Gruppen in einem Zeitraum von zehn Jahren beobachtet haben. Der Trend zu sozialen Netzwerken hat auch vor ihnen nicht Halt gemacht: Über 90 Prozent der Internet-Tätigkeiten des organisierten Terrors laufen derzeit über Social Media, so das Ergebnis.

Profil ausspionieren

Die Rekrutierung neuer Anhänger sowie das Fundraising gehören zu den Hauptzielen des Social-Media-Engagements islamistischer Terroristen, schätzen die israelischen Experten. Speziell YouTube-Videouploads helfen dabei, Botschaften zu verbreiten. Zugleich sind die Netzwerke jedoch auch gigantische Wissensgeneratoren: Durch falsche Profile und Freundschaftsanfragen versuchen Extremisten, an Gruppen und Profile etwa von feindlichen Soldaten zu gelangen und sie zu überwachen. Ein Grund, warum etwa die USA, Kanada oder England ihre Soldaten anweisen, persönliche Informationen aus den Netzwerken zu entfernen.

Early Adopters statt rückständig

Studienautor Gabriel Weinmann bezeichnet es als “paradox, dass islamistische Extremisten die am weitesten entwickelte westliche Kommunikationstechnik nun im Kampf gegen den Westen einsetzen.” Eine Ansicht, die der Erfurter Kommunikationsforscher Kai Hafez auf pressetext-Anfrage nicht teilt. “Es ist kein Widerspruch, da es in vielen Bereichen des Islams ohnehin eine ‘halbe Modernisierung’ gibt. Islamistische Terrorgruppen und Extremisten haben meist kein Problem mit technischem Fortschritt. Viele zählen sogar zu den Early Adopters.”

Viele Mythen im Umlauf

Soziale Netzwerke werden von islamistischen Regierungen genauso genutzt wie von der Zivilgesellschaft des arabischen Frühlings, betont Hafez. Zudem sind sie längst fixer Bestandteil aller Cyberkriege, wobei besonders die psychologische Wirkung des Eindringens in die Strukturen des Gegners zählt. So setzt etwa die Shabab-Miliz in Somalia Twitter gegen Regierungsorganisationen ein. Die Botschaften über den Microblogging-Dienst sollen die kenianische Armee einschüchtern oder das eigene Image aufbessern.

Mittlerweile haben sich jedoch auch Mythen gebildet, die der Realität kaum standhalten, wie der Medienexperte für den arabischen Raum darlegt. “Schlichtweg falsch ist die Annahme, jeder radikale Islamist sei ein ausgebildeter Ultra-Hacker. Ebenso gibt es für das Angstbild der schlafenden Zellen, die bloß durch Zusendung eines Codes aktiviert werden, keine empirischen Belege.”

(pte Austria)

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