Tennis-Sonntag in der Stadthalle: Marach verpasst 2. Wien-Doppel-Titel, Murray gewinnt Einzel

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Marach vergab einen Matchball und verpasste damit den zweiten Wien-Doppel-Titel.
Marach vergab einen Matchball und verpasste damit den zweiten Wien-Doppel-Titel. - © APA
Mit nur einem Punkt mehr hätte Oliver Marach seinen zweiten Doppel-Titel in Wien nach 2009 gefeiert. Jedoch unterlag der 36-jährige Steirer am Sonntag vor rund 6.000 Zuschauern in der Wiener Stadthalle gemeinsam mit dem Franzosen Fabrice Martin nach 102 Minuten dem Duo Lukasz Kubot/Marcelo Melo (POL/BRA) mit 6:4, 3:6, 11:13. Andy Murray gewann zum zweiten Mal in Wien. Indes ziehen die Turnier-Organisatoren eine positive Bilanz.

Im Match-Tiebreak vergaben Marach/Martin zunächst eine 4:1-Führung und gerieten 4:7 in Rückstand. Nach vier abgewehrten Matchbällen erarbeiteten sie sich bei 11:10 einen Matchball. “Wenn es so eng ist, tut es immer weh. Bei uns fehlen ein paar Dinge. Man muss sagen, Lukasz hat die Partie für sie rausgerettet, der hat sehr gut gespielt”, zollte Marach seinem ehemaligen Doppelpartner Lob.

Marach vergibt Matchball

Das Siegerpaar teilt sich einen Scheck über 126.400 Euro und darf sich über 500 Punkte für das ATP-Ranking freuen. Marach/Martin teilen sich 59.720 Euro und gewannen 300 Punkte. Für Marach bleibt es damit bei bisher 15 Doppel-Turniersiegen auf der Tour in insgesamt 33 Finali.

“Nichtsdestotrotz war es eine sehr gute Woche. Wir haben zwei sehr gute Doppel-Teams geschlagen”, meinte Marach. Noch ist nicht klar, ob Marach und Martin, die mit einem Titel in Wienim Race sogar auf Platz 10 vorgestoßen wären, auch 2017 zusammen spielen. “Wir werden besprechen, ob wir beide dazu bereit sind, ein paar Dinge zu ändern. Wir können sehr gut spielen, aber es ist noch so viel Luft nach oben, was wir verbessern können”, hofft Marach.

Andy Murray gewann Erste Bank Open in Wien zum zweiten Mal

Andy Murray hat am Sonntag in Wien zum zweiten Mal nach 2014 den diesmal allerdings wesentlich höher dotierten Siegerscheck beim Erste Bank Open gewonnen. Der topgesetzte Schotte wurde seiner Favoritenrolle gerecht und besiegte den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga nach 1:49 Stunden mit 6:3,7:6(6). Murray hat damit bereits seinen 7. Titel 2016 bzw. den insgesamt 42. seiner Tennis-Karriere gewonnen. “Jo hat am Ende sehr hart gekämpft und spielte im zweiten Satz viel besser. Das Tiebreak war wirklich knapp”, meinte Murray, der allerdings auch um einiges schneller hätte gewinnen können. Bei 3:1 im zweiten Durchgang hatte er bei 0:40 drei Chancen, auf 4:1 zu stellen. “Er hat dann wesentlich aggressiver gespielt.”

Zu Beginn des Turniers habe Murray noch Schwierigkeiten gehabt. “Ich habe mich auf dem Platz nicht so gut gefühlt. Aber ich habe zuletzt sehr viel Tennis gespielt, habe ein paar Änderungen an meiner Bespannung gemacht und dann habe ich in den letzten paar Matches eine wesentlich bessere Kontrolle gehabt”, analysierte der nunmehr zweifache Wien-Sieger. “Ich habe heute mein bestes Tennis der Woche gespielt, das freut mich natürlich.”

Zweiter Wien-Titel für Topstar Andy Murray

Der zweifache Olympiasieger steuert damit weiter seinem Ziel entgegen, erstmals zur Nummer eins der Welt zu werden. Murray hat mit den 500 Zählern in Wien den Rückstand auf Leader Novak Djokovic weiter verringert, ab Montag fehlen ihm noch 1.915 Punkte auf den Serben. Zudem hat Djokovic kommende Woche in Paris-Bercy sowie auch bei den ATP-Finals in London insgesamt 2.300 Zähler zu verteidigen.

Sollte Murray in Paris den Titel holen und Djokovic nicht im Endspiel stehen, würde der Schotte erstmals auf Platz eins stehen, das gleiche gilt für Murray im Finale und ein Djokovic-Aus spätestens im Viertelfinale. “An so etwas denke ich nicht. Ich kann Novaks Resultat nicht kontrollieren, ich kann nur meines kontrollieren”, verwarf Murray diesbezügliche Gedankenspiele. “Ich müsste in Paris fünf Matches gewinnen und ein Masters-Series-Turnier gewinnen und in Paris habe ich nie so besonders gut gespielt”, warnte Murray vor zu viel Vorschusslorbeeren.

Murray nimmt für den zweiten Wien-Titel, den ersten hatte er noch in der ATP-250er-Kategorie gewonnen, neben den Punkten einen Siegerscheck in Höhe von 428.800 Euro (brutto) mit. Tsonga darf sich mit 201.380 Euro, 300 Zählern und seinem ersten Saison-Endspiel trösten.

Tsonga konnte dreifachen Major-Sieger nur kurz fordern

Tsonga konnte den dreifachen Major-Sieger nur im zweiten Satz fordern. Murray war eigentlich schon mit 6:2,4:2 vorangelegen, als dem Wien-Sieger von 2011 mit seinem ersten Breakball im Match ein Rebreak zum 4:4 gelang. Tsonga spielte aggressiver und zwang den Schotten ins Tiebreak. Im Gegensatz zum vergangenen Sonntag, als Murray das Schauturnier “Tie Break Tens” im Finale gegen Dominic Thiem verloren hatte, ließ der Weltranglisten-Zweite aber auch keine Verlängerung zu: Mit dem zweiten Matchball sicherte sich der 29-jährige Wimbledonsieger den Triumph.

Tsonga selbst war letztlich mit seiner Performance zufrieden. “Ich habe in der zweiten Hälfte des zweiten Satzes ein bisschen besser gespielt. Da war es eng, aber ich bin sehr glücklich über meine Woche. Ich habe gutes Tennis gespielt, habe bis zum Ende gekämpft und es war schön fünf Matches in Folge so zu spielen”, erklärte der Franzose und dies sei schon lange nicht mehr der Fall gewesen.

Turnierboss mit zweiter Auflage als ATP-500-Event zufrieden

Auch wenn nicht wie erwünscht Dominic Thiem im Halbfinale oder Finale gespielt hat: Die Bilanz der Turnier-Organisatoren kurz vor dem Endspiel des Erste Bank Open am Sonntag in der Wiener Stadthalle brachte viele Positiva. Turnierboss Herwig Straka, Erste-Bank-Vorstandsmitglied Thomas Schaufler und Turnierbotschafter Thomas Muster stellten der zweiten ATP-500-Auflage ein gutes Zeugnis aus. “Das Turnier ist als 500er endgültig in Wien angekommen, das hat auch gerade das Feedback der ATP ergeben. Es war unser Ziel, dass wir die Halle ab Dienstag voll kriegen. Der Montag ist noch ein bisschen eine Herausforderung. Das ist uns im Großen und Ganzen sehr gut gelungen”, analysierte Straka. Rund 57.000 Zuschauer sind in der Turnierwoche in die Stadthalle genommen, die angepeilte 60.000er-Marke ist sich nicht ganz ausgegangen.

Mit Stolz hat man auch einen Vergleich zu allen 13 ATP-Turnieren der 500er-Kategorie gezogen: Wien hatte mit einem cut-off von 55 (Ranking des letzten Spielers, der direkt im Hauptbewerb stand) das drittbeste hinter Peking (53) und Tokio (54) und ist nach Peking das Event mit der zweithöchsten Dotation. Zudem hatte man drei Top-Ten-Spieler im Feld, während beispielsweise Hamburg, Rotterdam und Washington gar keinen Athleten aus diesem Kreis hatten.

Top-Ten-Spieler und neue Namen in Wien

“Wir werden auch weiterhin versuchen, drei bis vier Top-Ten-Spieler in Wien zu präsentieren, natürlich auch den einen oder anderen neuen Namen”, versicherte Straka. Spieler wie Tsonga oder Murray fühlen sich in Wien richtig wohl, man werde versuchen die richtige Balance zu finden. “Nach dem Dienstag-Match von Jürgen Melzer war das Gefühl da, dass wir die nächste Stufe erklommen haben. Es war eine Welle da, die selbst inszeniert wurde, nicht von den Moderatoren und ab da ging es mit den Karten steil nach oben.”

Positiv sah es auch der Ex-Weltranglisten-Erste Thomas Muster. “Sportlich hätten wir uns heute gern den Dominic im Finale angeschaut, aber das lässt auch Raum nach oben hin offen. Ziel war auch, dieses Turnier nicht nur auf den Lokalmatador aufzubauen”, sagte der Steirer. “Mit dem Cut-off gibt es in der Woche nichts Besseres. Andy Murray und nun ein Finale gegen Tsonga, das ist sehr attraktiv.”

Hauptsponsor “Erste Bank” will Vertragsverlängerung

Auch wenn der Vertrag von Hauptsponsor Erste Bank Ende des Jahres abläuft, so gibt es u.a. durch Thomas Schaufler vom Erste-Bank-Vorstand positive Signale für eine Verlängerung. “Ich kann mit einem lauten ‘Ja’ antworten, wir möchten weitermachen. Wir haben uns auch schon mit Herwig Straka zusammengesetzt. Wir werden ab Montag mit der Gruppe reden, ob es eine weitere Möglichkeit der Zusammenarbeit gibt”, sagte Schaufler.

Ein klarer Spielerwunsch für die Zukunft ist es, Novak Djokovic nach Wien zu holen. Straka wird bei den ATP-World-Tour-Finals in London wieder mit dem Serben reden, der allerdings in der Wien-Woche gar nicht gespielt hat. “Aber vielleicht mag er ja einmal in Wien spielen, und Paris auslassen”, hofft der Steirer.

(apa/red)

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