Telekom: Drei Schuldsprüche, Freispruch für Sundt

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Exakt neun Jahre nach der Telekom-Kursaffäre vom Februar 2004 sind am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht drei Schuldsprüche über die damals involvierten Telekom-Manager gefällt worden. Wegen Untreue verurteilt wurden die Ex-Vorstände der Telekom Austria, Rudolf Fischer und Stefano Colombo sowie der frühere Prokurist Josef Trimmel. Ex-Generaldirektor Heinz Sundt wurde im Zweifel freigesprochen.


Fischer wurde zu drei Jahren Haft, Colombo zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Trimmel erhielt drei Jahre Haft, davon zwei Jahre bedingt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig, Angeklagte und Staatsanwalt haben nun drei Tage Bedenkzeit, um eventuelle Rechtsmittel einzulegen.

Der Broker Johann Wanovits muss noch auf sein Urteil warten: Das Verfahren gegen ihn geht erst am 5. April weiter, weil auf seinen Antrag hin ein weiterer Zeuge gehört wird.

Nach halbstündiger Beratung fällte der Schöffensenat unter Vorsitz von Richter Michael Tolstiuk seine Urteile. Staatsanwalt Hannes Wandl forderte für alle verbliebenen vier Angeklagten Schuldsprüche, das Gericht folgte seinen Ausführungen weitgehend. Lediglich bei Sundt seien die Anhaltspunkte, dass auch er Untreue begangen habe, zu wenig gewesen, begründete der Richter den Freispruch.

Bei Fischer und Colombo sah das Gericht als erwiesen, dass sie durch die Kursmanipulation durch den Broker Wanovits und die anschließenden Zahlungen von fast einer Million Euro an ihn Untreue begangen hatten. Trimmel wurde wegen Beihilfe verurteilt.

Richter Tolstiuk begründete die Schuldsprüche auch mit der Glaubwürdigkeit von Gernot Schieszler, der den Kronzeugenstatus anstrebt. Schieszler hatte umfassend ausgepackt, dadurch ist er nicht angeklagt worden. Schieszlers Aussagen würden sich auch mit jenen von Fischer decken. Fischer sei im Prozess “tatsachengeständig” gewesen und habe auch einen Teil des Schadens, 500.000 Euro, an die Telekom zurückgezahlt, das habe sich strafmildernd ausgewirkt. Erschwerend sei die Schadenshöhe von knapp 10 Mio. Euro gewesen. Colombo hatte bis zuletzt seine Verwicklung abgestritten.

Im Prozess wurde die Kursaffäre 2004 wieder aufgerollt. Der Telekom-Vorstand habe dem Broker Wanovits eine Million versprochen, wenn er den Kurs der Telekom-Aktie über eine Schwelle anhebe und damit ein 8,8 Mio. Euro schweres Bonusprogramm für 96 Manager auslöse, so der Anklagevorwurf. Schon im Februar 2004 hatte der ominöse Kurssprung in letzter Minute für Aufregung gesorgt. Damals stritt der Telekom-Vorstand jede Verwicklung ab. Fischer, Colombo und Sundt erhielten je fast 200.000 Euro netto als Bonus. Colombo zahlte seine Prämie am Dienstag zurück, Trimmel hatte seinen Bonus von rund 100.000 Euro bereits früher rückerstattet.

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