Tegan And Sara im Interview: “Wir sind definitiv nicht traurig!”

Von Amina Beganovic
Tegan And Sara gastierten am Mittwoch live in Wien.
Tegan And Sara gastierten am Mittwoch live in Wien. - © Lindsey Byrnes
Sie gehören derzeit zu den heißesten Exportschlagern Kanadas: Die Schwestern Sara Quin und Tegan Quin, besser bekannt als Tegan And Sara. Am Mittwoch gastierten die beiden Musikerinnen erstmals live in Wien – bei einem ausverkauften Konzert in der Arena, davor bei einer exklusiven Acoustic Session in der Ottakringer Brauerei. Wir waren dabei – und baten sie zum Interview.

Mit ihrem aktuellen Album “Heartthrob” landeten Tegan And Sara einen Erfolg, der sie vom Indie-Geheimtipp endgültig in die Radiostationen Europas brachte. “Curiously affecting alt-bubblegum power pop that deserves to sell like hot cakes“, pries etwa The Observer das neue Material der beiden Schwestern.

Und damit kamen sie am Mittwoch erstmals live nach Wien: Zu einem ausverkauften Gig in der Arena, davor zu einer kleinen, aber feinen Acoustic Session in die Ottakringer Brauerei.

Showcase in der Ottakringer Brauerei

Rund 150 Zuhörer fanden sich am Mittwochnachmittag in der Brauerei in Wien-Ottakring ein, wo sich Tegan And Sara zuerst ein musikalisches Stelldichein gaben. Nicht nur einen Auszug alter und neuer Hits gab es zu hören, auch der Austausch mit den Fans kam dabei nicht zu kurz:

Tegan And Sara: “Wien ist so wunderschön”

Vorab verriet uns Sara im Gespräch, was den Sound bei Tegan And Sara so neu klingen lässt, wie die beiden Schwestern in musikalischer Hinsicht zusammenarbeiten und warum sie der “Wingman” für Tegan ist:

Ihr seid erstmals bei uns in Wien – wie gefällt euch die Stadt?

Sara: Wir sind so aufgeregt, endlich hier zu sein! Ich selbst wollte schon vor Jahren mal nach Wien, ich hab mich schon immer für die Stadt mit ihrer Kultur und Geschichte interessiert. Und jetzt sind wir da – das ist wirklich großartig! Nach der Tour will ich auf jeden Fall eine Weile in Europa bleiben und ausgiebig Sightseeing machen.

In Europa waren Tegan And Sara bislang stets ein “Insider Tip” unter Indie-Fans – nun werden auch die großen Radiostationen hier auf euch aufmerksam. War es euer Ziel, Europa zu erobern? 

Wir haben unseren Status als Indie-Band eigentlich immer sehr genossen, denn so konnten wir Schritt für Schritt lernen, wie das Business funktioniert. Aber jetzt kommen wir schon langsam  in unsere 30er … und ja, natürlich wollen wir in Europa gehört werden.

Ich finde, “Heartthrob” hat einen recht neuen Sound – weniger melancholisch, dafür sehr tanzbar. War das so gedacht?

Ich denke schon. Wir sind definitiv nicht traurig! Das Album sollte eine fröhlichere Perspektive vermitteln, außerdem hat uns das erlaubt, einen größeren musikalischen Umfang in unseren Liedern zu zeigen.

Normalerweise singt ihr beide ja und spielt dazu auf der Gitarre, nun kommen Synthesizer stark zum Einsatz. Ein gewollt moderneres und jüngeres Feeling?

Auf jeden Fall! Die Gitarre war immer unser zentrales Instrument, nun haben wir eine neue Herausforderung gesucht. Wir haben uns der Musik so auf eine neue Weise genähert. Das Album klingt trendy, es trifft eine jüngere Zielgruppe.

Bestand bei dieser neuen Richtung nicht die Gefahr, dass die Lieder kommerzieller klingen?

Das Risiko besteht wohl immer. Wir hätten auch eine weitere “klassische Indie-Platte” machen können, und dann hätte es die Leute vielleicht gelangweilt. Wir waren auf Messers Schneide: Entweder, wir bringen Altbekanntes und fadisieren die Fans damit, oder wir gehen in eine neue Richtung – mit der Gefahr natürlich, dass diese vielen nicht gefallen könnte. Aber es hat zum Glück funktioniert.

Was sind die wichtigen Themen, über die ihr diesmal singt?

Für mich persönlich die Entdeckungsreise, die jede zwischenmenschliche Beziehung mit sich bringt. Die Komplexität, die sich dahinter verbergen kann, die schönen wie die dunklen Seiten, die man bei Beziehungen erlebt. Ich werde es nie müde, mich damit auseinanderzusetzen.

Ihr zwei seid Schwestern, sogar eineiige Zwillinge. Ist das in eurer Arbeit hilfreich, oder erschwerend? Viele Leute können ja so gar nicht mit ihren Geschwistern zusammenarbeiten …

Beides! (lacht) Nein, ehrlich gesagt streiten wir so gut wie nie, wenn es ums Musikmachen geht. Wir diskutieren darüber, wir geben uns Feedback und sind uns auch nicht immer einig, aber die kreative Zusammenarbeit verläuft bei uns stets harmonisch und produktiv. Wenn wir streiten, dann hat es nicht mit der Musik zu tun!

Es heißt, es gibt immer einen “bösen Zwilling” … wer von euch ist das böse Mädchen?

Schwer zu sagen, wir sind so verschieden … ich bin wohl eher die Introvertierte, Tegan schafft es hingegen, schnell zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu werden. Sie redet mehr, ist eine Führungsperson. Ich halte mich im Hintergrund, bin lieber ihr “Wingman”. Man könnte sagen, ich bin wie ihre persönliche “Robin”!

Haben euch die Jahre im Musik-Business verändert?

Als Menschen haben wir uns nicht verändert – aber wir haben unheimlich viele Erfahrungen gemacht. So vieles, was ich heute über die Welt und die Menschen darin weiß, hab ich nur durch das viele Touren und Reisen gelernt. Alles, was wir heute sind, hat mit unserer Musik zu tun – und dafür bin ich unendlich dankbar. Sicher, in zehn Jahren werden wir wohl nicht mehr so viel unterwegs sein, werden hoffentlich eigene Familien haben. Aber wir werden wohl immer Musik machen, denn die ist einfach ein Teil von uns.

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