Tamara Volgger: “Graffiti sind Kunst”

Von Elisabeth Zeilinger
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Tamara „Soma“ Volgger zählt zu den bekanntesten Graffiti-Künstlerinnen in Salzburg. SALZBURG24 bat die talentierte Pinzgauerin zum Interview.

Tamara „Soma“ Volgger hat in Salzburg Psychologie und Soziologie studiert, arbeitet als Jugendbetreuerin und als freischaffende Graffiti-Künstlerin. Ihren Künstlernamen „Soma“ hat die 25-Jährige auf ihrem Rücken tätowiert. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Körper“.

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Die gebürtige Pinzgauerin startete mit 14 Jahren ihre ersten Spray-Versuche: „In Zell am See gab es noch keine legalen Wände zum Sprühen, daher gestaltete sich die Suche nach passenden Hintergründen als sehr schwierig – da mussten auch einmal Brückenunterführungen herhalten.“, so Volgger augenzwinkernd im Interview mit SALZBURG24. Professionell zu Sprühen begann die Künstlerin erst mit 18 Jahren, als sie für ihr Studium in die Stadt Salzburg zog. Dort gab es in der Glockengasse für eine lange Zeit legale Wände, die für Graffitis zur Verfügung standen.

Wenige legale Graffiti-Wände in Salzburg

Legale Wände für Graffiti-Sprayer gibt es in Salzburg nicht viele. Eine Wand darf in Lehen nahe des Lehener Parks bei der Staustufe besprüht werden, diese sei aber laut Volgger ziemlich niedrig. Auch in der Unterführung Alpenstraße/Michael-Pacher-Straße darf legal gesprüht werden, diese sei aber vor allem im Sommer eher verkommen, da wenige Menschen durchgehen. „Leider hat die Sprüh-Möglichkeit in der Glockengasse schon seit zwei Jahren geschlossen“, sagt Volgger. „Die Aussicht auf eine neue Location ist möglicherweise bald gegeben“, verrät die Künstlerin, „eventuell wird bald die Unterführung beim Rathaus für Sprayer zur Verfügung stehen“. Jedoch sei diese Möglichkeit nicht unbedingt optimal, immerhin gehen viele Touristen und ältere Menschen durch, die die Dampfentwicklung stören könnten, außerdem sei gleich die Polizei daneben, um zu kontrollieren. „Mir kommt auch eher vor, diese Altstadtseite ist eher nicht so gut geeignet was Graffiti-Kunst betrifft. Hier stehen Denkmäler, da passt so etwas Jugendkulturelles nicht hinein. Die andere Seite wird da offenbar künstlerischer, urbaner und offener gestaltet.“, stellt Volgger im SALZBURG24-Interview fest.

„Jungen Wilden“ beschäftigen SOKO Graffiti

Die Graffiti-Szene in Salzburg spalte sich mittlerweile in zwei Generationen, so Volgger. Es gibt die „jungen Wilden“, die sich ausprobieren, „die geben gerade ordentlich Gas, was auch illegale Aktionen angeht“.

Immer wieder wird die „SOKO Graffiti“ in Salzburg aktiviert, um gegen junge Vandalen vorzugehen, dabei werde die SOKO je nach Anlass bezogen eingesetzt, wie jetzt im ersten Halbjahr 2012, informiert Polizeisprecher Anton Schentz auf Anfrage von SALZBURG24. „Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 sind die Sachbeschädigungen durch Graffiti im ersten Halbjahr 2012 um rund 30 Prozent gestiegen“, so Schentz. Den drei Beamten der SOKO sei es nunmehr gelungen insgesamt fünf Täter im Alter zwischen 15 und 17 Jahren auszuforschen – ihnen konnten bisher 140 Straftaten nachgewiesen werden.

„Doch es sind nicht alle so. Es gibt auch ältere Graffiti-Sprayer, die das Ganze eher als Kunst ansehen und auch wissen, wo ihre Grenzen sind.“, sagt Tamara Volgger. Auch hier herrsche Akzeptanz seitens der Polizei. So auch Tamara Volggers Graffiti-Kunst: sie hält Graffiti-Workshops, wird für Feste engagiert und brachte schon Landeshauptfrau Gabi Burgstaller das Sprühen näher.

Volggers Graffiti sind bekannt

Für größere Kunstwerke braucht die Künstlerin schon einmal zwei Tage, da stehe sie schon mehrere Stunden pro Tag. Ihre Lieblingsmotive sind vor allem weibliche Motive, typische Frauencharaktere, wildstyles (verschnörkelte Buchstaben), Katzen und Comicfiguren. Soma sprüht auch auf Leinwänden und verwendet dabei Material wie Acrylfarben oder Lackstifte.

Volgger lebt gut von ihrer Kunst, aber nicht ausschließlich – das Sprayen sieht sie vielmehr als Existenzabsicherung. Sie lebt getreu nach dem Künstler-Motto „Heute kann ich Kaviar essen, morgen bin ich froh, wenn ich mir Spaghetti leisten kann.“ Derzeit gibt´s wohl eher Kaviar, denn diesen Sommer kann sie sich vor Aufträgen auf Festen und bei Workshops kaum retten.



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