Tag 3 am Nova Rock 2015: Heftiger Regen tat Stimmung keinen Abbruch

Slioknot wüteten am Nova Rock-Finaltag
Slioknot wüteten am Nova Rock-Finaltag - © APA/HERBERT P. OCZERET
Der dritte Tag am Nova Rock Festival in Nickelsdorf wurde zwar von einem kurzen Gewitter heimgesucht, die Festivalbesucher rockten aber dennoch bis zum Ende.

Das diesjährige Nova Rock ist am Sonntag ins Finale gegangen. Traditionell packten Festivalbesucher ihre sieben Sachen zusammen, um dann noch einmal abzurocken. Erneut war es heiß, dennoch ließen sich Fans nicht abhalten, etwa bei den deutschen Symphonic-Metalern Beyond The Black headzubangen.

Deutscher Rock am Nachmittag

Auf der Red Stage lüftete Jennifer Weist, Sängerin von Jennifer Rostock, – hitzebedingt? – ihr Oberteil. Allerdings wäre es weit gefehlt, die deutsche Indie-Band und ihr Aushängeschild auf Äußerlichkeiten zu reduzieren. Eine unglaublich kraftvolle Performance machte deutlich, dass zwischen eingängigen Melodien und Hardcore-tauglichen Shouts kein Blatt Papier passt. Zum finalen “Ein Schmerz und eine Kehle” wurde die Regenbogen-Flagge geschwenkt, nachdem Weist ein Bad in der Menge genossen hat.

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Damit waren die Fans ordentlich angeheizt für die nachfolgenden Madsen – mittlerweile ein Stammgast am Nova Rock. Die deutsche Gruppe mit drei Brüdern an Gesang, Gitarre und Schlagzeug steht für eine Mischung aus Indie,Rock, Punk und Pop – perfekt geeignet für ein Festival. “Hier ist immer gutes Wetter, wenn wir spielen”, scherzte Johannes Madsen vor dem Auftritt. Sein Cousin am Bass, Niko Maurer, ergänzte: “Wir sind also die Schönwetterband.”

Eine Österreichpremiere gab es am späteren Nachmittag für die kalifornische Crossover-Band Hollywood Undead. Die sechsköpfige Formation war hierzulande erstmals zu Gast. “Gestern hatten wir beim Download-Festival in England einen schlimmen Sturm, heute hat es dafür tausend Grad”, scherzte George Ragan, bei der Masken-Band besser bekannt als Johnny 3 Tears.

Sehr freundlich begrüßt am Nova Rock wurden Moop Mama: Die zehnköpfige Brassband aus Bayern warf zur frühen Mittagsstunde auf der Red Stage ihren “MoopMotor” an und punktete mit energetischen Bläsern sowie einem mehr als agilen Frontmann, ließ Rapper Keno Langbein doch nichts unversucht, den Hitzestau bei den Menschen vor der Bühne durch reichlich Bewegung zu lindern.

Regen, Sturm und Blitze sorgten für kurze Unterbrechung

Ein kurzes Vergnügen war der Auftritt von The Gaslight Anthem: Die US-amerikanische Band hatte gegen 19.00 Uhr erst eine gute Handvoll Songs zum Besten gegeben, bevor das Konzert aufgrund der Gewitterwarnung unterbrochen werden musste. Davor hatten Brian Fallon und Co Anhängern von handgemachtem Rock allen Grund zur Freude geliefert, gelang die Darbietung von Stücken wie “Handwritten” doch sehr zwingend, wenngleich unspektakulär.

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Aber es half alles nichts: Kaum wurde es still auf den Bühnen, folgten wie auf Kommando heftiger Regen, Donner und Blitz. Die Fans am Gelände suchten so gut es ging Schutz und verließen wie aufgefordert die Bereiche vor Blue und Red Stage. Das Unwetter war aber nur von kurzer Dauer – gut 15 Minuten später hatten sich die schwarzen Wolken verzogen und kündeten nur Pfützen und Schlamm vom gewittrigen Intermezzo. Fortsetzen konnten Gaslight Anthem ihren Auftritt allerdings nicht mehr.

Farin Urlaub dagegen war während der Regen-Unterbrechung überzeugt, dass er seinen Auftritt pünktlich beginnen kann. Der Ärzte-Gitarrist auf Solopfaden sollte mit seinem Optimismus recht behalten. Stilvoll arrangiert – schwarzer Bühnenhintergrund, schwarze Gewänder und ein leuchtender Schriftzug im Rücken – legte Herr Urlaub mit seinem Racing Team los. Die Band besteht aus Frauen, die Bläsersektion aus Männern – und der “Big-Band”-Sound bereitete dem Berliner viel Freude. Lieder wie “Was die Welt jetzt braucht”, “Am Strand” oder “iDisco” luden zum Tanzen und Schmunzeln ein. Urlaub verpackt seine durchaus gesellschaftskritischen Betrachtungen in launige, mal swingende, mal rockende Lieder, die im Burgenland sehr willkommen waren.

Slipknot wüteten nach dem Sturm

Der Abschluss des diesjährigen Nova Rock geriert dann zum abwechslungsreichen Maskenball: Während nämlich Slipknot in ihrer unnachahmlichen Weise den Fans Härte und Melodie boten, sorgten zuvor die stets verkleideten Deichkind für gute Stimmung. Zwar wurde der Musikgenuss kurz von einem Gewitter getrübt, danach gab es Blitz und Donner aber nur noch auf den Bühnen.

NOVA ROCK 2015: KONZERT / SLIPKNOT

 

Corey Taylor und seine Mannen von Slipknot können mittlerweile kaum etwas falsch machen: Vor 20 Jahren gegründet, sorgt die Metalformation mit den düsteren Horrormasken in regelmäßigen Abständen für solide bis großartige Kost auf Tonträger und ist live einfach eine Bank. Egal ob der wütend-knüppelnde “Heretic Anthem” oder etwas zugänglichere Kost wie “Duality” und die Groove-Großtat “Before I Forget”: Auch am Nova Rock untermauerten die US-Amerikaner ihre Ausnahmestellung.

“Es ist zu viel Zeit vergangen seit dem letzten Mal”, war folglich nicht nur die Meinung vom stimmgewaltigen Taylor, der immer wieder quer über die aufwendig gestaltete Bühne sprintete. Ein überdimensionaler Ziegenschädel als Hingucker im Hintergrund, wurde auch mit feurigen Einlagen nicht gespart. Mit Songs aus allen Schaffensphasen bot man den Fans als krönenden Abschluss des Festivals eine große Show inklusive Hebebühnen und Trommelinferno – auch wenn sich der Neuigkeitswert bereits nach einigen Nummern abnutzte.

Deichkind als Kontrast zu Slipknot

Viel zu sehen gab es parallel auch bei Deichkind: Die deutsche Gruppe, gleichermaßen im Rap wie trashigen Elektro zu Hause und mit einer unwiderstehlichen Vorliebe für allerlei Live-Gimmicks ausgestattet, sorgte als Headliner auf der Red Stage für gute Stimmung und tanzende Menschen. “So ne Musik”, “Denken Sie groß” oder “Like mich am Arsch” von der aktuellen Platte “Niveau weshalb warum” wurden begierig aufgesogen, da von den MCs Kryptik Joe, Porky und Ferris Hilton gleichermaßen mit Verve und Witz in die pannonische Finsternis geschleudert. Und wie es sich gehört, gab das Party-Kollektiv nicht nur Dauer-“Remmi Demmi”, sondern auch eine optische Bühnenshow vom Feinsten – inklusive überdimensionalem Hirn und kostümierter Pac-Man-Jagd.

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Das kurze Unwetter mit starkem Regen und Hagel forderte die Mitarbeiter des Roten Kreuzes heraus: “Wir waren jedoch perfekt gerüstet, die Evakuierung ist reibungslos verlaufen”, berichtete Einsatzleiter Martin Rechnitzer. Insgesamt wurden seit Beginn des Ambulanzdienstes mit Stand Sonntag 20.00 Uhr 2.339 Versorgungen durchgeführt. Rund 60 Patienten mussten zur weiteren Behandlung in das Krankenhaus Kittsee, das für das Nova Rock als Stützpunktspital diente, gebracht werden, sagte Rotes-Kreuz-Sprecher Thomas Horvath. “Trotz der schwierigen Wetterverhältnisse war das Publikum heuer besonders freundlich und angenehm”, lobte er die Besucher des Nova Rock Festivals.

>> Alle Bilder und Nachrichten zum Nova Rock 2015

(APA/Red.)

 

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