Tag 3 am Frequency 2015: Kendrick Lamar und Linkin Park am Finaltag

Linkin Park auf der Space Stage am FQ-Finaltag
Linkin Park auf der Space Stage am FQ-Finaltag - © APA/HERBERT P. OCZERET
Abwechslung beim Wetter und bei den Acts: Das Frequency Festival bewies in diesem Jahr Mut, was nicht immer mit Begeisterung angenommen wurde. 

Kendrick Lamar, Interpol, Linkin Park und Martin Garrix standen zum Finale auf dem Programm im Green Park. Davor zog Harry Jenner, Veranstalter des FM4 Frequency, bereits Bilanz: “Es gab keine Pannen, im Gegenteil, denn alles lief perfekt”, sagte er im Gespräch mit der Austria Presse Agentur (APA).

FQ-Veranstalter zeigte sich zufrieden

Auch was die Logistik betrifft, ist Jenner zufrieden: “Es gab heuer keine Staus am Eingang und die Nightpark-Verlegung war extrem erfolgreich”, ließ der Veranstalter wissen. Die Stimmung sei sensationell und das Frequency befinde sich inzwischen auf einem anspruchsvollem europäischen Level. So bleiben wie es ist, wird es aber nicht, denn “ein Festival lebt von Veränderungen, daher wird es auch nächstes Jahr welche geben”.

Punkrock am Nachmittag

Mit Against Me! aus den USA enterte am Nachmittag  des letzten Festivaltages im Green Park einer der ersten der bekannteren Acts des Tages die Space Stage. Geboten wurde schnörkelloser Punkrock. Allzu groß geriet der Zuspruch für die Show um die Band von Laura Jane Grace, die vor ihrer Geschlechtsangleichung Tom Gabel hieß, bei strahlender Sonne zu dieser frühen Stunde aber noch nicht.

Wer dieser Show den Rücken kehrte und in die Halle der Weekender Stage wechselte, wurde dort mit Gengahr belohnt. Die britische Indie-Band hat erst im Juni ihr Debüt “A Dream Outside” veröffentlicht. Mit diesem lieferte sie leicht verträumten und psychedelischen Gitarrenpop, der dank der unkonventionellen Songstrukturen und dem Falsettgesang von Frontmann Felix Bushe so eingängig wie unverkennbar ausfiel.

Gemütlicher Start am dritten Festivaltag

Als erster nachmittäglicher Publikumsmagnet erwies sich jedoch das Berliner Duo SDP, das auf der Green Stage mit Liveband zeigte, dass Partysound halt immer geht. Mit Songs wie “Mittelfinger” (“Ich hab gar nicht so viel Mittelfinger, wie ich zeigen will”) oder “Wenn ich groß bin” (“Ich kann fressen, ich kann fasten. Ich bleib’ klein, wie die Löhne in Sachsen”) traf die 1999 gegründete Formation problemlos den Nerv der Anwesenden. Musikalisch gab es dazu einen Mix von Rock bis Hip-Hop serviert.

Mit zahlenmäßig geringerem Zuspruch mussten hingegen die Mad Caddies aus den USA auskommen, jedoch schwang so mancher Zuhörer zum schwungvollen Ska-Punk der Kalifornier sein Tanzbein. Das Prädikat “erschütternd” hat sich eindeutig die Band Eskimo Callboy verdient. Das deutsche Gespann aus Nordrhein-Westfalen hüpfte viel und konnte wenig und lieferte Songs, die wie eine Mischung aus Hardcore und Kirtag-Disco klang.

FREQUENCY 2015: KONZERT / ALLIGATOAH

Ganz im Gegensatz dazu der Auftritt des deutschen Rappers Alligatoah. Statt der typischen Deutschrap-Beleidigungen setzt er auf satirisch-anspruchsvolle Texte, und das goutiert das Publikum. Egal ob “Trostpreis” oder “Was der Bauer nicht kennt” – beinahe jede Textzeile saß bei der Fangemeinde.

Kendrick Lamar – zum Teil unverstanden

Der aus Compton in Kalifornien stammende Lamar gilt als Genie seines Faches. Bei seinem Auftritt auf der Space Stage, der Hauptbühne des Events, ereilte ihn dann das Schicksal, das man Genies zuschreibt: er blieb zum Teil unverstanden. Der Grund war nicht seine musikalische Darbietung, denn viel besser konnte man diese Musik kaum live umsetzen: eine Band mit klassischer Rockbesetzung begleitete die Show des 28-Jährigen. Vielmehr lag es an der Kommunikation, wenn etwa Lamar vom Publikum das Singen von Textzeilen einforderte, die aber scheinbar nicht verstanden wurden. So geschah es etwa bei “Bitch, Don’t Kill My Vibe”.

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Der Beginn seines Gigs ließ davon noch nichts erahnen. Als er sich mit ein wenig Verspätung zu seiner auf ihn wartenden Band gesellte, schlug ihm erst einmal großer Jubel entgegen. Was seine unerhörten Forderungen betrifft, so schien der Rapstar nicht darauf einzugehen, denn obwohl eine Reaktion ausblieb, forderte er immer wieder und meist ohne Erfolg. Immerhin, manchmal hatte er Glück, so wurde dann doch geklatscht oder gewunken. Trotz dieser wohl für beide Seiten etwas frustrierenden Missverständnisse war sein Auftritt von Kendrick Lamar sehr gut.

Linkin Park als Headliner auf der Space Stage

Beim letzten Headliner des diesjährigen Frequencystimmte die Chemie zwischen Act und Publikum schon eher. Linkin Park wussten genau, was die Fans erwarten und zeigte das auch bis zum Finale. Selbst nach knapp zwei Stunden Live-Performance mit viel Körpereinsatz lieferte die amerikanische Nu-Metal-Band noch 100 Prozent. Besonders beeindruckend: das Durchhaltevermögen von Lead-Sänger Chester Bennington, dessen Stimme auch gegen Ende hin keinerlei Aussetzer oder Schwachstellen erkennen ließ.

FREQUENCY 2015: KONZERT / LINKIN PARK

Die gelungene Mischung aus alten Hymnen (z.B. “In the End” oder “Numb”) und neuen Hits begeisterte die Zuschauermenge und deckte die gesamte Bandbreite der US-Formation ab. Die Fangemeinde vor der Space Stage war begeistert und feierte die Band bis zur letzten Nummer. Und Kommunikationsprobleme gab es auch keine, eine der Botschaften bestand nämlich aus einer Fahne des Wiener Fußballvereins Rapid.

Green Stage als Nebenschauplatz

Die Green Stage geriet hingegen zuvor eher zu einem Nebenschauplatz, denn weder Interpol noch TV On The Radio überzeugten trotz recht souveräner Darbietungen wirklich. Beide Bands scheinen ihre beste Zeit hinter sich, oder zumindest einen schlechten Tag erwischt zu haben.

Bei TV On The Radio sorgte zudem ein schlechter Sound für eine eher schwammige Akustik, während die Düsterrocker von Interpol hingegen fast ein wenig lustlos ihre alten Hits spielten. Für die Festivalbesucher bleibt hingegen noch ausreichend Zeit zum Feiern, denn noch bis 6.00 Uhr in der Früh darf vor der UAF- und der Electro-Stage getanzt werden.

Die Highlights am diesjährigen Frequency

The Offspring, The Prodigy, Alt-J, Kwabs und The Chemical Brothers haben sich heuer bereits die Ehre gegeben. Natürlich war nicht alles Sonnenschein, nicht nur weil strömender Regen die Anreise erschwerte. Auch in musikalischer Hinsicht herrschte teilweise Ambivalenz. Während viele Bands ordentliche Shows ablieferten, so zum Beispiel Irie Revoltes, Casper oder Kwabs, waren einige Konzerte aber auch enttäuschend.

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Vor allem Ellie Goulding erfüllte die Erwartungen mit ihrer eher emotionslosen Performance nicht und auch von The Offspring hätte sich so mancher wahrscheinlich mehr erhofft. Nach einem schwachen und sehr leisen Start haben sie die Menge gegen Ende hin aber doch noch zum Toben und Pogen gebracht und dem Konzert mit “Self Esteem” eine Krone aufgesetzt. Am Ende jedoch blieben Kendrick Lamar mit seinem energiegeladenen Auftritt und Kwabs, der mit viel Emotion das Publikum begeisterte die heimlichen Gewinner des Frequency Festivals 2015, welches leider an allen drei Tagen nicht wirklich in Fahrt kommen wollte.

>> Alle Nachberichte, Informationen und Bilder vom Frequency Festival

(APA/Red.)

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