Tabu – Trailer und Kritik zum Film

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Tabu – Trailer und Kritik zum Film
Der Andrang im Wiener Gartenbaukino am Samstag war so groß wie die Erwartungen an jenen Film, der an diesem Abend im Rahmen der Viennale Österreich-Premiere feiern sollte: Von zahlreichen Filmkritikern seit seiner Uraufführung im Berlinale-Wettbewerb als einer der herausragendsten Filme des Jahres gefeiert und ebendort u.a. mit dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet, war “Tabu” von Miguel Gomes ein sicheres Blatt.

In glänzendem Schwarz-Weiß und mit stilsicherer Poetik entführt der junge portugiesische Regisseur in seinem dritten Langfilm in eine frühere Zeit, an die sich nur Krokodile zu erinnern scheinen. Am 8. November startet “Tabu” regulär in den österreichischen Kinos.

Melancholische Krokodile: “Tabu”

 In zwei sehr unterschiedliche Abschnitte teilt Gomes seinen Film. Im “verlorenen Paradies” Lissabon lebt die alleinstehende Pilar scheinbar nur, um anderen Gutes zu tun. Dementsprechend sorgenvoll beobachtet sie ihre alte, konfus scheinende Nachbarin Aurora, die sich von ihrer kapverdischen Haushälterin bedroht fühlt und Pilar am Sterbebett bittet, ihren alten Geliebten Gian Luca Ventura ausfindig zu machen. Der kommt zwar zu spät – erzählt nun aber in aller Ausführlichkeit von der gemeinsamen, tragischen Vergangenheit in einer portugiesischen Kolonie Afrikas. Hier, am Fuße des “Monte Tabu”, hatte die junge, verheiratete Großwildjägerin Aurora einst eine leidenschaftliche Affäre mit dem jungen Ventura begonnen.

“Tabu” ist zwar nicht mit dem gleichnamigen Stummfilm von F.W. Murnau aus dem Jahr 1931 zu verwechseln, bedient sich aber durchaus bei diesem: Als Stummfilm konzipiert Gomes den zweiten Teil seines Films – und dann auch wieder nicht. Das plätschernde Wasser, das raschelnde Gras, die beschwingte Beat-Musik ist neben der konstanten Erzählung des alten Ventura zu hören; die Stimmen der Menschen, die ihre Münder bewegen, jedoch nicht. “Wenn Leute von der Vergangenheit erzählen, erinnern sie sich an die Bilder und die Geschichte, aber nicht an die exakten Worte, die gesprochen wurden”, erklärt Gomes im Anschluss an die Premiere bei einem Publikumsgespräch. Ebendieses stilistische Element gäbe dem Film zugleich ein “gespenstisches Gefühl”: “Man sieht es und fühlt sich daher dem Geschehenen nahe, und doch ist es so weit entfernt.”

Und dann, immer wieder im Bild: ein Krokodil. “Immer werde ich nach dessen Bedeutung gefragt, dabei mag ich Krokodile einfach”, so Gomes. Vielleicht hätten sie aber doch eine tiefere Bedeutung. “Sie sehen alt und prähistorisch aus: Als würden sie sich an Dinge erinnern, die wir schon längst vergessen haben. Deshalb sind sie auch so melancholisch.” So verwundert es nicht, dass der von dem Geist seiner Frau verfolgte Entdecker im afrikanischen Busch im Prolog des Films von einem Krokodil verspeist wird. “Du kannst deinen eigenen Erinnerungen nicht entfliehen”, spricht der Erzähler (Gomes) dabei.

Mit Ironie und Poesie erinnert Gomes an eine längst vergangene Zeit Portugals, aber auch der Kinogeschichte. Mit dem Verzicht auf gesprochenen Dialog im zweiten Teil wollte er “einen Bezug zu einer Art des Films schaffen, die es nicht mehr gibt, ebenso wie es die portugiesischen Kolonien in Afrika nicht mehr gibt”, so Gomes. Wie die “verlorenen” Charaktere im ersten Teil vermisse auch das Kino heutzutage seine Jugend. An einer Stelle des Films sitzen die jungen Liebenden im Gras, malen sich aus, welche Tiere die Wolkengebilde über ihnen darstellten. “Bilder wie diese gibt es heute nicht mehr. Ich wollte etwas von dieser früheren Unschuld wieder gewinnen”, so Gomes. “Erst die Schönheit des Kinos ermöglicht es, an Unglaubliches zu glauben.

(APA)

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