T2 Trainspotting – Trailer und Kritik zum Film

T2 Trainspotting – Trailer und Kritik zum Film
1996 landete Danny Boyle mit seiner Low-Budget-Produktion “Trainspotting” einen Überraschungshit. Drastisch in der Darstellung von Drogensucht, legendär in der Musikauswahl und rasant im Schnitt, wurde die Groteske um junge Heroinsüchtige in Schottland zum Kultfilm der 90er. 21 Jahre später lassen Regisseur Boyle und Drehbuchautor John Hodge dem Film unter Beteiligung sämtlicher Hauptdarsteller die lang ersehnte Fortsetzung folgen.

Von Regisseur Boyle über Drehbuchautor John Hodge bis hin zu den vier Hauptdarstellern sind alle zentralen Beteiligten des Originals wieder dabei. “T2 Trainspotting” basiert dabei lose auf dem Roman “Porno” (2002) des Schotten Irvine Welsh, der schon die Bestsellervorlage für “Trainspotting” lieferte.

T2 Trainsspotting – Die Handlung

Mit der rasanten Flucht von Mark Renton (Ewan McGregor) durch Edinburgh zu Iggy Pops “Lust for Life” fing der 90er-Jahre-Kultfilm einst an. Auch in “T2 Trainspotting” rennt Renton – allerdings auf dem Laufband. Das exzessive Joggen, wird er später sagen, hat seine Drogensucht ersetzt. Zum Soundtrack des rifflastigen “Shotgun Mouthwash” des britischen DJ High Contrast greift er sich plötzlich an die Brust, stürzt. Und kehrt wenig später, womöglich seiner Endlichkeit bewusst, in seine Heimatstadt Leith zurück.

Knapp 20 Jahre ist er nicht hier gewesen. Damals hatte er seine besten Freunde Sick Boy (Jonny Lee Miller), Begbie (Robert Carlyle) und Spud (Ewen Bremner) verraten und sich mit den 16.000 Pfund aus einem gemeinsamen, holprigen Drogengeschäft nach Amsterdam abgesetzt. Einzig Spud hatte er seinen Anteil in einem Schließfach hinterlassen.

Dementsprechend verhalten sind die Reaktionen auf die Rückkehr Rentons, wird er doch gemeinhin als Mitgrund dafür angesehen, dass seit damals alles schief ging. Der liebenswerte Spud ist nie vom Heroin losgekommen – ungeachtet seines Willens, für Frau und Kind ein besserer Mensch zu werden. Sick Boy alias Simon ist in einer Spirale falscher Entscheidungen gefangen, verdient sich seinen Lebensunterhalt mit Erpressungen und will ein “Sauna-Etablissement” eröffnen, um Freundin Veronika (Anjela Nedyalkova) bei sich zu halten. Psychopath Begbie sitzt wenig überraschend im Gefängnis – und will, als ihm die Flucht gelingt, eine alte Rechnung begleichen.

“Zuerst war da eine Gelegenheit – dann passierte ein Verrat”, lautet das Mantra. Die Geschichte von Renton & Co. scheint sich in “T2 Trainspotting” zu wiederholen. Zwar ist Renton als Einziger clean, steckt wie seine einstigen Kumpel aber mitten in der Midlife Crisis. Zumindest Spud und Begbie, das suggeriert die Existenz von Frau und Kind, hatten Glück – lange gewährt hat es jedoch nicht. “Du bist Tourist in deiner eigenen Vergangenheit”, wirft Sick Boy Renton einmal an den Kopf. Man sehnt sich zurück in die Zeit, in der man keine Verantwortung tragen musste; Perspektiven gibt es ohnehin damals wie heute keine.

T2 Trainspotting – Die Kritik

Vergänglichkeit ist das zentrale, nachvollziehbare Thema von “T2 Trainspotting”, wobei Boyle in der Geschichte auch einen Schritt weiter zurückgeht und die Vier als sorglose Kinder zeigt. Referenzen an den Originalfilm sind reichlich, aber nie überlagernd. Teils werden Szenen aus “Trainspotting” direkt eingebaut, auf andere wird Bezug genommen – von Rentons irrem Blick durch die Windschutzscheibe bis hin zu seiner legendären “Sag Ja zum Leben”-Anklage der konsumorientierten Gesellschaft, die in Zeiten von sozialen Medien & Co. dementsprechend abgeändert wird. Und auch jene Szene aus Welsh’ Roman, die den Titel erklärt, findet hier endlich ihren Niederschlag.

Boyle hält dabei stets die Balance zwischen Melancholie und bitterbösem Humor, inszeniert die Reise in die Vergangenheit mit gewohnt schnellen Schnitten, einem mitreißenden Soundtrack, der Alt und Neu (von Blondie bis Young Fathers) verbindet, und schrägen Kameraperspektiven. Er lässt Gewalt wie im ersten Film unvermittelt ausbrechen und das Geschehen mittendrin ins Surreale abheben: So wandert Simons Sofa plötzlich ins Stadion, wo seine Ikone George Best gerade ein Tor schießt, oder wird Rentons unverändertes Jugendzimmer in der herausragenden Schlussszene zum Prodigy-Remix von “Lust for Life” zum endlosen Zug.

Damit ist er erfolgreich geschlossen, der Bogen von “Trainspotting” zu “T2 Trainspotting”. Und Boyle ist eine stimmige, bittersüße Fortsetzung gelungen, die nichts an Kompromisslosigkeit und Räudigkeit eingebüßt hat – und deren Protagonisten man trotz allem irgendwie mag. Sag Ja zum Kinobesuch!

(APA)

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