“Sweet Wet Dreams” statt Indie-Rock: Mando Diao im Wiener Gasometer

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Die schwedische Rock-Band Mando Diao am Nova Rock - in Wien überzeugte sie nicht ganz Die schwedische Rock-Band Mando Diao am Nova Rock - in Wien überzeugte sie nicht ganz - © APA
Vielseitig präsentierten sich die schwedischen Pop-Rocker Mando Diao am Montagabend im Wiener Gasometer – im Morgenmantel, mit an venezianischen Karneval erinnernden Gesichtsmasken oder gar halb nackt. Die Fans waren von der Show jedoch teils befremdet.

Beim zweiten Gastspiel in diesem Jahr fehlte es Mando Diao zwar nicht an Energie auf der Bühne, jedoch wirkte der neue Stil der Band auf eingefleischte Fans ihres Indie-Rocks eher befremdlich.

Gasometer-Konzert gut besucht

Mando Diao hatten heuer bereits am Novarock-Festival in Nickelsdorf mit ihrem neuen Programm aufgewartet – “Aelita” heißt das im April erschienene Album, das sich weiter von der rockigen Basis der Band fortbewegt, auf der Suche nach neuen Ufern. Live wirkt es, als ob das Publikum sich zusammen mit der Band auf einer Fahrt ins Ungewisse befindet. Im gut gefüllten Gasometer versuchten die Frontmänner Björn Dixgard und Gustaf Noren eine idyllische, fast schon mystische Atmosphäre zu schaffen.

Mando Diao überzeugten nicht restlos

Die Fans ließen sich jedoch von ruhigen neuen Nummern wie “Sweet Wet Dreams” oder “Child” nicht so recht mitreißen. Die von zwei Miniatursäulen im antiken Stil flankierte Bühne unterstützte die pesudo-mystische Atmosphäre. Ein vulkanartiges Podest im hinteren Mittelteil fungierte gleichzeitig als Rauchmaschine und Plattform für Synthesizer. Während Dixgard und Noren in Morgenmänteln auf einem Steg performten, machten die restlichen Band-Mitglieder, ganz in weiß gekleidet und zur Unkenntlichkeit maskiert, hinten auf der Bühne ihre Arbeit.

Das Konzert begann zunächst ruhig, mitunter tanzte die Band wie in einem Beschwörungsritual von dumpfen Bässen begleitet um die Rauchmaschine oder sang süße Melodien, um – so Sänger Noren – “das innere Kind in jedem von euch zu erwecken”. Obwohl zwischendurch die eine oder andere Nummer wie das flotte “Money Doesn’t Make You A Man” etwas für Stimmung sorgte, mussten Fans des fetzigen Indie-Rock fast bis zum Ende des Auftritts warten, bevor die Band sich von an Schlager erinnernden Synthie-Beats und einlullenden Melodien abwandte, auf der Bühne der Champagner floss und wild zu “Down In The Past” und “Dance With Somebody” getanzt werden konnte.

1,5-stündiges Set in Wien

Nach einem nicht allzu knappen eineinhalbstündigen Set und mehreren Zugaben baten die Schweden dann zu einer letzten Nummer zwei Teile des Wiener DJ-Trios Frontload auf die Bühne, die ihren Remix von Mando Diaos Song “Black Saturday” zum Besten gaben.

Während Big Room House mit einem donnernden Beat das Gasometer erzittern ließ und die Band auf der Bühne feierte, verließen einige Zuschauer kopfschüttelnd die Konzerthalle – Frontload zeigte dabei den befremdeten Fans dreist den Mittelfinger. Ob sich Mando Diao die Reaktion auf ihre künstlerische Evolution so vorgestellt haben, ist fraglich. Klar ist, dass damit niemand wirklich etwas anfangen kann – weder kopfnickende Indie-Novizen noch eingefleischte Rock-Anhänger.

(apa/red)

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