Sunflower Bean mit fast perfektem Klubkonzert im Wiener Chelsea

Die Band Sunflower beam rockte am Sonntag das Chelsea.
Die Band Sunflower beam rockte am Sonntag das Chelsea. - © APA/HERBERT NEUBAUER
Ein Hybrid aus Chic und Punk ließ am Sonntagabend das Gürtellokal Chelsea erbeben. Die Band Sunflower Beam zeigte damit, dass im so oft totgesagten Rock doch noch Blut fließt.

Mit einer Performance die Chic und Punk-Attitüde wunderbar zusammenführte, haben Sunflower Bean am Sonntagabend im Wiener Chelsea ein nahezu perfektes Clubkonzert gespielt. Hausgemachte Songs, die sich wenig darum scheren, dass Rock angeblich tot sein soll, gab es von der inspirierten, leidenschaftlichen Gruppe um Model und Sängerin Julia Cumming zu hören.

“Twentytwo In Blue” heißt der aktuelle Tonträger, auf dem Sunflower Bean politischen Zorn, Enttäuschung, Zukunftsängste, Verletzlichkeit, aber auch Lebenslust in wunderbare Indie-Powerpop-Lieder mit Rockriffs zwischen Anti-Establishment und Dancefloor gegossen haben. Live klang das erdiger als in der Studioversion, so wie es sich eben für ein Konzert gehört, immer wieder lieferten sich Cumming am Rickenbacker-Bass und Gitarrist Nick Kivlen, optisch an den jungen Bob Dylan erinnernd, ein paar heftige Duelle.

Modell und Sängerin in einem

Mehrere Stücke endeten in einem Schrei von Cumming, die für Yves Saint Laurent über den Laufsteg ging, mit Madonna das Cover der “Vogue” zierte und in Kampagnen diverser Modehäuser zu sehen war, sich aber auch als Aktivistin einen Namen machte und eine anziehende Bühnenausstrahlung versprüht. New York, die Heimat von Sunflower Bean, war immer schon cool, die Bands hip, die Musik trotzdem nicht (immer) oberflächlich – das scheint sich nicht geändert zu haben, vermittelte jedenfalls die Darbietung gestern.

Keine Musik für Hintergrundberieselung

“Wir wollen definitiv keine Künstler sein, deren Musik lediglich zur Hintergrundberieselung läuft”, definierte Cumming im Gespräch mit der APA das Credo der Gruppe. Ein Song wie “I Was A Fool”, die letzte Nummer vor den Zugaben im Chelsea, eignete sich bestens zum Tanzen und legte sich geschmeidig in die Gehörgänge, während zum wilderen “Crisis Fest” die Fäuste symbolisch zum Widerstand in die Höhe gereckt wurden. Beides funktionierte ebenso wie eine würdige Interpretation von Neil Youngs Country-Ballade “Harvest Moon”, bei der Cumming ihre stimmlichen Qualitäten unterstrich.

(APA/red)

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