Suizid-Prävention: Suchmaschinen könnten stärkeren Beitrag leisten

Kommunikationswissenschafter äußerten sich zum Thema Suizidprävention beim Googlen und Co.
Kommunikationswissenschafter äußerten sich zum Thema Suizidprävention beim Googlen und Co. - © Jorma Bork / pixelio.de (Sujet)
Wenn Suchmaschinen-Nutzer mit bestimmten Suchbegriffen eine Selbstmord-Absicht erkennen lassen, blenden Google und Co. Hilfsangebote, etwa zur Telefonseelsorge ein. Nach Ansicht von Wissenschaftern der Universität München tun sie das aber zu selten.

Sie zeigen nun im Fachjournal “Health Communication”, wie die Programme solche Angebote zielgerichteter als bisher zeigen können.

Suizid-Gefährdung und Co.: Was Internetnutzer beim Googlen verraten

Als Internetnutzer verrät man den Betreibern von Suchmaschinen nicht nur seine Interessen und Vorlieben, sondern liefert häufig auch Informationen über seine Stimmung und den gesundheitlichen Zustand. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allgemein Medien, Hilfsangebote zur Suizid-Prävention zu kommunizieren.

Übertragen auf den Online-Bereich hieße das im Fall von Suchmaschinen, solche Hilfsangebote einzublenden, wenn nach bestimmten Begriffen gesucht wird, etwa das Wort “Vergiftung”, sagte der aus Österreich stammende Kommunikationswissenschafter Florian Arendt von Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München gegenüber der APA.

Selbstmorde durch Hilfsangebote zu verhindern

Nach Angaben der Wissenschafter weisen mehrere Studien darauf hin, dass sich Selbstmorde verhindern lassen, wenn Betroffene auf entsprechende Hilfsangebote hingewiesen werden. Derzeit werden allerdings nur bei etwa einem Viertel der Anfragen, die auf einen potenziellen Suizid hindeuten, Angebote zur Hilfe angezeigt, haben Arendt und sein Kollege Sebastian Scherr von der Uni München in einer früheren Studie am Beispiel von Google gezeigt.

Die Suchmaschinen würden damit die Chance vergeben, gefährdeten Personen zu helfen, betonen die Wissenschafter. Die beiden Wissenschafter haben nun einen Ansatz entwickelt, wie Suchprogramme zielgerichteter als bisher Hilfsangebote bei Suizidgefahr einblenden können.

Häufung von Suiziden rund um Feiertage und Co.

Hintergrund ist, dass sich Selbstmorde an bestimmten Tagen im Jahr häufen, etwa an spezifischen Wochentagen oder zu bestimmten Feiertagen. Arendt und Scherr haben nun am Beispiel des Suchbegriffs “Vergiftung” analysiert, an welchen Tagen und zu welchen Zeitpunkten dieses Wort besonders oft eingegeben wurde. Dabei zeigte sich, dass diese Suchanfragen genau an jenen Tagen zunehmen, an denen es auch tatsächlich mehr Selbstmordversuche gibt.

“Zumindest an solchen Tagen, etwa im Frühjahr, an Sonn- und Feiertagen oder dem Neujahrstag, wäre es daher notwendig, die Hilfsangebote vermehrt anzuzeigen”, sagte Arendt. In ihrer Arbeit schlagen die Wissenschafter vor, den Algorithmus von Suchmaschinen laufend auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse anzupassen, um Risikofaktoren stärker zu berücksichtigen.

“Alarmglocken von Google sollten schneller und lauter läuten”

“An den Tagen mit erhöhtem Gefährdungspotenzial sollten die Alarmglocken von Google und anderen Suchmaschinen einfach schneller und lauter läuten”, so der Kommunikationswissenschafter. Mit einer gezielten Anpassung der Programme könnten Suchmaschinen einen stärkeren Beitrag zur Suizidprävention leisten, die Betreiber hätten hier “eine gesellschaftliche Verantwortung”.

Mehr zum Thema im Fachjournal “Health Communication”

(apa/red)

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