Studie zum Missbrauch im Stift Kremsmünster

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350 Fälle von Gewalt im Stift
350 Fälle von Gewalt im Stift
“Das Stift Kremsmünster hat es über Jahrzehnte nicht geschafft, die ihm anvertrauten Schüler ausreichend vor pädosexuellen Übergriffen zu schützen” und “Es hätte mit einer besseren Kommunikationsstruktur verhindert werden können” – so hat Sozialforscher Florian Straus eine von ihm und seinen Kollegen erstellte und am Freitag präsentierte Studie zum Missbrauchsskandal im Stift zusammengefasst.


Nach dem Auffliegen der Affäre 2010 hat das Stift das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) mit einer Studie zur Aufarbeitung beauftragt. Im Projektbeirat waren Abt und Prior, drei IPP-Experten sowie fünf ehemalige Schüler vertreten. Den Kern der Untersuchung bilden Interviews mit ehemaligen Schülern, Patres und weltlichen Angestellten, die zwischen 1945 und 2000 im Stift tätig waren. Dabei wurden 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausgemacht, 24 Personen wurden beschuldigt. Da es sich um keine repräsentative Umfrage handelt, besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Als Faktoren, die das Geschehene möglich gemacht haben, nannten die Sozialforscher einerseits den kirchlich-institutionellen Rahmen und die strenge Hierarchie. Aber auch mangelnde pädagogische Qualifikation, fehlende interne Kommunikation, Tabuisierung des Themas Sexualität sowie ein Elitedenken und “institutioneller Narzissmus” – also der Wunsch, dass die eigene Einrichtung immer gut dasteht – spielten eine zentrale Rolle.

Prior Maximilian Bergmayr nannte die Studie eine “ungeschminkte und transparente Darstellung”, die dem Kloster einen Spiegel vorhalte: “Ja, es hat uns ziemlich geschleudert.” Abt Ambros Ebhart betonte, man werde sich weiter der Auseinandersetzung stellen – sowohl im Konvent als auch im Stiftsgymnasium. Er will auch externe Hilfe für die Prävention in Anspruch nehmen. Auf Nachfrage sagte er, dass heute keine der in der Studie beschuldigten Personen mehr im Bereich der Schule tätig sei.

Ein Vertreter der Betroffenen warf dem Kloster vor, dass es über die Entscheidungen der Klasnic-Kommission hinaus keinerlei Entschädigung geleistet habe. Ebhart blieb dazu vage: “Ich bitte die, die noch Anliegen haben, sich an die Diözesane Kommission oder an die Klasnic-Kommission zu wenden.”

Ehemalige Schüler kritisierten in einer schriftlichen Stellungnahme zudem, dass vieles, das bisher geschehen ist, “nur gegen den aktiven Widerstand aus dem Konvent und Gymnasium durchgesetzt” worden sei. Im Stift herrsche “nach wie vor eine feindselige Haltung gegenüber kritischen Betroffenen und Absolventenvertretern”. Es gebe zwar viele Entschuldigungen, aber “kein offenes Eingeständnis der institutionellen Mitwisserschaft und aktiven Vertuschung”. Sie würden sich daher zivilrechtliche Schritte vorbehalten, für die die Studie eine “unmissverständliche Grundlage darstellt”.

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