Strache postete am Nationalfeiertag Kernstock-Hymne – Rot-Grüne Kritik

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FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache sorgte mit einem Facebook-Posting für Aufregung
FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache sorgte mit einem Facebook-Posting für Aufregung - © APA/HELMUT FOHRINGER
Heinz-Christian Strache eckt erneut auf Facebook an: Der FPÖ-Chef hat am Nationalfeiertag auf Facebook eine Strophe der Hymne der Ersten Republik und des Ständestaates vom “Hakenkreuzlied”-Dichter Ottokar Kernstock gepostet. Empörte Reaktionen blieben nicht aus. Alexander Van der Bellen verlangte eine Distanzierung Norbert Hofers.

Dies, aber auch seine Bürgerkriegs-Warnung und Herbert Kickls Auftritt beim Rechten-Treffen empört SPÖ und Grüne. Sie vermissen eine Distanzierung des Hofburg-Kandidaten Norbert Hofer von solchen Ansagen.

Niedermühlbichler und Öllinger vermissen Distanzierung Hofers

“Zuerst fantasiert Strache einen Bürgerkrieg in Österreich herbei, dann postet er eine Strophe der Austrofaschismus-Hymne des Nazi-Dichters Kernstock, übrigens auch der Autor des Hakenkreuzlieds. Und ihr Präsidentschaftskandidat Hofer denkt nicht daran, sich von all dem zu distanzieren, sondern verteidigt Strache auch noch”, kritisierte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler am Donnerstag im SPÖ-Pressedienst. Er forderte “die FPÖ samt Präsidentschaftskandidat Hofer auf, vom Verbreiten von Hetze und Hass Abstand zu nehmen”.

Der Grüne Abgeordnete Karl Öllinger ortet eine “erschreckende” Radikalisierung der FPÖ: “Innerhalb kürzester Zeit werden von den Spitzen der FPÖ so ziemlich alle politischen Schamgrenzen gesprengt”, erinnerte er auch an die “Hassorgien blauer Fans” auf Straches Facebook-Seite. Hofer versuche, sich vom “Narrensaum” zu distanzieren. Aber sein Wahlkampfleiter FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl wolle “ausgerechnet diesem ‘Narrensaum’ der FPÖ an diesem Wochenende seine Aufwartung machen und beim Linzer Kongress der rechtsextremen ‘Verteidiger Europas’ eine Rede halten”.

“Sympathie der FPÖ für Rechtsextreme offen zur Schau getragen”

Noch nie sei “die Sympathie der FPÖ für die Rechtsextremen so offen zur Schau getragen” worden wie durch Kickl, aber auch durch Strache, der “die Bürgerkriegsrhetorik der Rechtsextremen als politische Position der FPÖ übernommen hat”, sieht Öllinger die FPÖ “am äußersten rechten Rand”.

Das Strache-Posting am Nationalfeiertag

Strache hat am gestrigen Nationalfeiertag auf Facebook ein Foto von sich vor Österreich-Fahne und Parlament veröffentlicht und darunter einer Strophe der Hymne der Ersten Republik. Ottokar Kernstock hatte diese 1920 zur Melodie der Kaiserhymne – unter dem Titel “Deutschösterreichische Volkshymne” – verfasst. 1929 wurden Text (“Sei gesegnet ohne Ende”) und Melodie zur Bundeshymne erklärt – die auch im austrofaschistischen Ständestaat bis 1938 beibehalten wurde. 1923 hatte Kernstock das “Hakenkreuzlied” für die Fürstenfelder Ortsgruppe der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP) geschrieben.

Van der Bellen verlangt Distanzierung Hofers

Präsidentschaftskandidat Alexander van der Bellen nimmt seinen FPÖ-Kontrahenten Norbert Hofer nach den jüngsten Äußerungen von dessen Parteichef Heinz-Christian Strache in die Pflicht, berichtet der “Kurier” (Freitag-Ausgabe). Er verlangt eine Distanzierung sowohl von Straches Bürgerkriegs-Sager als auch vom Posting einer Hymnen-Strophe des “Hakenkreuzlied”-Dichters Ottokar Kernstock.

“Ich erwarte mir, dass sich Herr Hofer eindeutig distanziert”, so Van der Bellen. Schließlich sei Hofer nicht nur Präsidentschaftsanwärter, sondern auch stellvertretender Parteivorsitzender der Freiheitlichen. Gleichzeitig betonte er, er wolle “nicht in die Empörungsfalle tappen, die die Freiheitlichen seit Jahrzehnten aufstellen”.

Zu Kernstock meinte Van der Bellen, dieser sei zwar nicht an den Gräueltagen der Nazis beteiligt gewesen, “weil er 1928 gestorben ist, aber er war ein Ultranationalist und Deutschnationaler. Er hat das sogenannte Hakenkreuzlied gedichtet, das später von den Nazis übernommen wurde. Man kann Kernstock als einen Wegbereiter des Nationalsozialismus bezeichnen.”

(apa/red)

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