Strache in Not

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Strache in Not
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Gastkommentar von Johannes Huber: Das hat Strache gerade noch gefehlt: Ausgerechnet Herbert Kickl, der nicht nur sein Generalsekretär, sondern auch der Schöpfer vieler Sprüche und vor allem der wichtigste Wahlkampfstratege ist, ist Teil einer Affäre geworden, in der es um den Verdacht auf verdeckte Parteienfinanzierung geht.

Über eine Agentur, an der er heimlich beteiligt gewesen sein soll, könnten Gelder des Landes Kärnten an die FPÖ geflossen sein. Dass Kickl als Gesellschafter einer der Geschädigten gewesen wäre, tut nichts zur Sache. Auch über den Umstand, dass die Sache ausgerechnet drei Monate vor dem Urnengang in der Bundeshauptstadt öffentlich bekannt wird, braucht man sich nicht weiter zu wundern. Entscheidend ist, dass die Freiheitlichen mit Strache an der Spitze in ein schiefes Licht geraten sind. Und dass nicht anzunehmen ist, dass sich das so schnell ändern wird; die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dürften jedenfalls noch länger dauern. Anders ausgedrückt: Als Saubermann wird Strache in absehbarer Zeit nicht auftreten können.

Das ist ein außerordentlich großes Problem für ihn. Denn seit den freiheitlichen Wahlerfolgen in der Steiermark und im Burgenland schaut man mit ganz anderen Augen auf ihn: Es wird ihm zugetraut, am 10. Oktober auch in Wien eine Überraschung zu liefern. Womit er theoretisch sogar Stadtchef werden könnte. Eine Rolle, die er allerdings erst pflegen müsste, um entsprechende Überzeugungsarbeit leisten zu können: Wurden viele Wähler bisher durch sein Rabaukentum angesprochen, wollen nun immer mehr wissen, was er selbst besser machen würde, welche Leute er um sich schart und ob er überhaupt dazu in der Lage wäre, Verantwortung zu tragen und zu führen.

Nicht nur die Affäre um die eingangs erwähnte Parteienfinanzierung wecken diesbezüglich Zweifel. Sondern noch zwei Vorfälle der letzten Wochen: „Wahnsinnstat in Graz! Der Täter aus Bosnien. Ein religiös begründetes Attentat wird nicht ausgeschlossen“, postete er wenige Minuten nach der Amokfahrt Ende Juni in der steirischen Landeshauptstadt. Die Empörung war groß. Zurecht: Was ist das für ein Politiker, der selbst in einer solchen Situation Kleingeld wechseln möchte? Der ungeprüft irgendwelche Behauptungen verbreitet, die sich umgehend als falsch herausstellen? Diesen Fehler hätte Strache nicht begehen dürfen. Das war nicht nur amateurhaft, sondern noch dazu jämmerlich.

Doch auch parteiintern hat er gepatzt: Die Spitze der Salzburger Landesorganisation hat er handstreichartig abgesetzt und dann auch noch wochenlang persönlich von Bezirk zu Bezirk reisen müssen, um die Nachfolger durchzusetzen. Ein solches Krisenmanagement ist mehr als dürftig. Und wirft die Frage auf, ob er, wenn er sich schon im Kleinen so schwer tut, das Zeug dazu hätte, eine Millionenstadt zu managen. Profitieren wird er davon jedenfalls nicht. Im Gegenteil.

Johannes Huber betreibt den Blog johanneshuber.me zur österreichischen Politik

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