Stimme macht Stimmung!

Stimme macht Stimmung!
Gastkommentar von Petra Falk: Wenn wir morgens aufstehen schauen wir bis wir das Haus verlassen durchschnittlich 8 Mal in den Spiegel. Wir achten peinlich genau darauf dass wir dem Anlass entsprechend gekleidet sind, wissen wie wir aussehen wenn wir erholt, müde, erkältet, besorgt, etc. sind. Wir versuchen so lange wie möglich jung, vital und attraktiv auszusehen. Und das ist gut so.

Doch nun die schlechte Nachricht: nur rund 15 Prozent der Österreicher sind sich der Wirkung Ihrer Sprache und Stimme bewusst. Dabei sind Sprache und Stimme zu mehr als einem Drittel davon verantwortlich wie wir bei unserem Gegenüber ankommen!Seit mehr als 10 Jahren bin ich nun als Sprech-,Stimm- und Kommunikationstrainerin tätig und immer wieder kommen gebildete Menschen zu mir, die zahlreiche Rhetorikkurse besucht haben, sich mit den verschiedensten Kommunikationstechniken beschäftigen, sich laufend weiterbilden und dennoch nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Meist ist der Grund dafür, dass diese Menschen sich noch nie ihrem Leben damit befasst haben, welche Botschaften sie unbewusst mit dem Einsatz von Sprache und Stimme mitschicken. In meinem heutigen Kommentar möchte ich Ihnen, geschätzte LeserInnen erklären, warum Sprache und Stimme ein wesentlicher Erfolgsfaktor sind.

Entwicklung der Sprache

In der Evolutionsgeschichte des Menschen hat es die Sprache nicht von Anfang an gegeben. Die Vorfahren des Homo sapiens nutzen noch eine sehr einfache Art miteinander zu kommunizieren. Dabei wurden hauptsächlich Gesten, Laute und Schreie benutzt. So warnten sie vor Gefahren oder teilten dem Gegenüber die eigene Gefühlslage mit. Wann genau sich die Sprache entwickelt hat, hat die Wissenschaft noch immer nicht herausgefunden. Sprachwissenschaftler vermuten, dass erst der moderne Mensch in der Lage war zu sprechen und der tauchte erst vor etwa 150.000 Jahren auf. Bis dahin waren wir darauf angewiesen ganz genau hinzuhören welche Stimmung unser Gegenüber uns mit seinen Lauten vermitteln will. Und das tun wir heute immer noch – allerdings unbewusst.

Es dauert nicht einmal drei Sekunden, bis wir die Stimme unseres Gegenübers komplett analysiert haben. Mit unserer Stimme verraten wir sehr viel über unsere Persönlichkeit, über unsere Einstellung der Situation gegenüber und darüber ob wir uns unserer Sache sicher sind oder nicht.

Wenn Sie ehrlich sind, haben wir im Zuge der Erziehung und Sozialisierung alle sehr häufig die Worte: „sei still”, „sei leise”, „schrei nicht so”, etc. gehört. Wir sind dazu erzogen worden uns zurück zu halten und nicht zu viel Raum einzunehmen. Das ist wahrscheinlich sogar nötig um in einer zivilisierten Gesellschaft miteinander zu leben. Bereits in der Kindheit legen wir uns eine „Stimmstrategie” zurecht, das heißt, wir finden relativ rasch heraus, mit welchem Klang wir unsere Interessen am besten dursetzen. Kinder die versuchen das mit einer lauten und kräftigen Stimme zu tun, erfahren häufig, dass das beim Erwachsenen wenig bewirkt. Also setzen wir (vor allem Mädchen) auf den Beschützerinstinkt und machen uns stimmlich schwächer und kleiner. Leider vergessen wir während es Heranwachsens darauf, dass das nur eine Strategie und nicht unsere echte Stimme ist.

Doch was für eine Botschaft schicken wir mit dieser antrainierten „Stimmzurückhaltung”? Wie oft haben Sie Ihre eigene Stimme auf einem Tonband oder auf einer Videoaufnahme gehört? Die meisten Menschen erschrecken zunächst wenn sie sich selbst hören, empfinden die eigene Stimme als fremd und unangenehm. „Was das bin ich?” ist häufig die erste Reaktion wenn Menschen sich auf einem Tonband hören.

Tipp für diese Woche

Mein Tipp für diese Woche: Nehmen Sie sich so oft es geht selber auf, auch bei Telefonaten in Echtsituationen. Dafür reicht ein einfaches Diktiergerät oder ein Handy. Analysieren Sie, ob Ihre Stimme unsicher, entschlossen, fest, dünn, hoch oder tief klingt. Vergleichen Sie ob Ihre Stimme im Gespräch mit dem Chef anders klingt als mit jemanden mit dem Sie sehr vertraut sind. Damit entwickeln Sie ein Gefühl für die eigene Stimme. Beobachten Sie außerdem wie die Menschen in Ihre Umfeld Sprache und Stimme einsetzen und welche antrainierten Strategien dahinter stecken könnten.

Ich habe im Zuge meiner Trainerinnentätigkeit recht rasch gemerkt, dass es nichts bringt nur an Sprech- und Stimmtechniken zu arbeiten, Rhetorikseminare alleine reichen ebenfalls nicht aus. Man kann nicht brüllen wie ein Löwe wenn man sich fühlt wie ein Mäuschen und dabei auch noch glaubwürdig bleiben. In meinem nächsten Gastkommentar erzähle ich Ihnen deshalb, wie sich die innere Haltung auf unser Kommunikationsverhalten auswirkt.

Stimmige Grüße,

Petra Falk

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