Stermann & Grissemann: „Deutschen Kochschau“

Stermann & Grissemann: „Deutschen Kochschau“
Der Titel ist nicht Programm. Der Untertitel schon eher. „Die Deutsche Kochschau“, wie Dirk Stermanns und Christoph Grissemanns neuer Bühnenauftritt betitelt ist, macht keine drei Minuten des Abends aus.

Genau so lang nämlich, wie sie über vier Millionen Zuseher bereits von YouTube kennen. Die restliche Zeit füllten die beiden Radio- und Fernsehkomiker bei der Österreich-Premiere gestern, Dienstag, im Wiener Rabenhof eher mit der Aufarbeitung des Untertitels: „Wie das Fernsehen uns zu Nazis machte“.

Denn wenn es in diesem Programm eine dramaturgisch durchgängige Pointe gab, dann, dass es eigentlich keine gab. Dass zwei Komiker es sich leisten können, ein Theater mit Publikum, Gelächter und trotzdem über weite Strecken schlechten Witzen zu füllen, nur weil sie diesen Abend nach ihrem beliebten, zweiminütigen Sketch über zwei kochende Nazis benannt haben, war schon absurd genug. Mehr Dramaturgie brauchte es eigentlich nicht.

„Wir werden immer wieder auf die Nazis reduziert“, hatten sich Stermann und Grissemann im Gespräch mit der APA beklagt. In ihrem neuen Bühnenprogramm thematisieren sie das zwar – sie sind als Starkomiker in eine Volkshochschule eingeladen, deren verrückte Kursleiter sie ebenfalls darstellen, und wollen eigentlich aus ihrem neuen Buch lesen, werden aber um die „Kochschau-Nummer“ angebettelt -, setzen dieser „Reduzierung“ aber wenige Alternativen entgegen. Die Nummer mit Tini, der zweifach geschlechtsumgewandelten Volkshochschulchefin, und Manu, der in Seminaren Flugangst schüren will, ist vermutlich nicht der Anfang neuer Paraderollen.

Dessen sind sich Stermann und Grissemann natürlich durchaus bewusst und wissen aus ihrer eigenen unzureichenden Dramaturgie witziges Kapital zu schlagen. Immer wieder verlassen sie ihre Rollen, um über die Unausgereiftheit des Programms zu diskutieren, markieren besonders schlechte Witze mit der Bemerkung, sie aus einem Internet-Forum abgeschrieben zu haben („Wer da jetzt gelacht hat, ist wirklich eine arme Sau“) und geben unumwunden zu, mit Ausdruckstanz und Einblendungen alter Fernseh-Sketche Zeit schinden zu wollen.

Ihr eigentliches, künstlerisches Anliegen tragen sie dann im zweiten Teil vor – Auszüge aus ihrem neuen Buch „Debilenmilch“, ein Reisetagebuch, das eine weitere Station der keine Übertreibung scheuenden Selbstgroteske der beiden Komiker darstellt. Durchaus witzig, wie übrigens auch einige wenige andere Nummern des Abends – die übertriebene Weinverkostung beispielsweise. Am meisten gelacht wurde aber dennoch – noch bevor die Pointe überhaupt ausgesprochen war – als sich Grissemann in bekannter Nazi-Manier daran machte, das „totale Sieb“ anzubieten. Na wenn’s halt so lustig ist.

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