Start für Digitalradio-Testbetrieb in Wien: 10 Fakten zum Digitalradio

Akt.:
Am Donnerstag startet in Wien der Testbetrieb des Digitalradios.
Am Donnerstag startet in Wien der Testbetrieb des Digitalradios. - © bilderbox.com (Sujet)
Am Donnerstag startet in Wien der Digitalradio-Testbetrieb. Zusätzlich zu bestehenden Sendern wie Radio NRJ oder Radio Arabella kommen zehn neue Programme dazu.

Mit 15 Radioprogramm startet am 28. Juni der Digitalradio-Testbetrieb in Wien. Neben bestehenden Sendern wie Radio Arabella, Radio NRJ oder Lounge FM werden auch zehn neue Programme über den Digital-Standard DAB+ ausgestrahlt.

Digitalradio-Testbetrieb startet in Wien

ORF und Kronehit sind jedoch nicht mit dabei. Digitale Radiogeräte sind ab 30 Euro im Handel erhältlich, spätestens ab 2018 soll Digitalradio österreichweit im Regelbetrieb laufen. Im Folgenden werden 10 Fragen zum Thema Digitalradio in Österreich beantwortet:

Was ist Digitalradio, was ist DAB+?

Digitalradio ist die digitale terrestrische Übertragung von Radiosignalen, zusätzlich zur bisher rein analogen terrestrischen Übertragung über Ultrakurzwelle. Digital Audio Broadcasting (DAB+) bezeichnet den digitalen Übertragungsstandard, vergleichbar mit den Begriffen UKW für analoge terrestrische Übertragung oder IP für das Online-Streaming von Radioprogrammen.

Was unterscheidet Digitalradio von UKW beziehungsweise Radio über Internet?

Der Digitalradiostandard DAB+ bietet einen effizienten Weg, terrestrischen Hörfunk störungsfrei auszustrahlen und kann im Gegensatz zu UKW nicht nur Audiosignale übertragen, sondern auch andere Daten wie Texte, Bilder und interaktive Elemente. UKW ist die herkömmliche Art, Radio über Antenne zu empfangen. Die Qualität ist abhängig vom Sendesignal, und es können keine zusätzlichen Dienste angeboten werden. Radio über Internet umfasst über das Web empfangbare Audioprogramme sowie Simultanübertragungen von UKW-Radioprogrammen im Internet. Darüber hinaus sind Streaming-Dienste wie Spotify verfügbar, die ihren Usern Musik und Playlists bieten. Für gleichmäßig gute Übertragungsqualität sind Internet-Radioanbieter auf verfügbare Bandbreiten angewiesen.

Wie kann Digitalradio empfangen werden?

Digitalradio kann über DAB+-fähige Geräte empfangen werden. Diese sind im Handel ab 30 Euro aufwärts erhältlich und werden standardmäßig auch in immer mehr Autoradios eingebaut. Digitalradio kann ohne Internetverbindung empfangen werden.

Jedes DAB+-fähige Gerät kann auch UKW-Sendesignale empfangen. Hybridradios können zwischen digitalem, analogem oder Internet-Signal unterscheiden und je nach Signalstärke automatisch zwischen den drei Standards wechseln. DAB+ wird in der Zukunft auch mit Smartphones und Tablets zu empfangen sein.

Welche Vorteile bietet Digitalradio für den Radiohörer?

Digitalradio bietet mehr Vielfalt an Radiosendern und -Programmen, mehr Zusatzdienste und Interaktivität sowie eine deutlich bessere rauschfreie Empfangsqualität und eine einfachere Sendersuche.

Welche Vorteile bietet Digitalradio für die Radioanbieter?

Der mittel- bis langfristige Umstieg von UKW auf DAB+ kann das Problem der Frequenzknappheit lösen und die Kosten für die technische Verbreitung von Radiosendern auf einen Bruchteil reduzieren. Die digitale Verbreitung ist gegenüber der analogen Technik deutlich günstiger und energieeffizienter, sie braucht weniger Sendeanlagen und weniger Strom.

Wie sieht die internationale Entwicklung von Digitalradio aus?

Während Österreich noch als analoge Insel gilt, geht der europäische Trend klar in Richtung DAB+. Die Schweizer Radiobranche will bis 2024 von UKW auf DAB+ umsteigen, für Deutschland wird ein ähnlicher Zeitraum erwartet. Norwegen dreht seine analogen Radiofrequenzen bereits 2017 ab, Dänemark peilt 2019 als Ablaufdatum für UKW an, Schweden 2020. Daneben entwickeln mehrere europäische Staaten derzeit Umstiegspläne für die Radiobranche. Neben DAB+ wird auch Internet-Radio in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.

Wie viele Hörer erreicht der Digitalradio-Pilotbetrieb im Großraum Wien?

Radio ist der letzte Rundfunkbereich in Österreich, der noch nicht digital-terrestrisch ausgestrahlt wird. Der Verein Digitalradio Österreich erarbeitete auf Basis der von der Medienbehörde KommAustria im Digitalisierungskonzept 2013/2014 festgeschriebenen Bestimmungen einen Pilotbetrieb für den Großraum Wien, der auf ein Jahr angelegt ist, und um ein weiteres Jahr verlängert werden kann. Im Sendegebiet können rund 2,1 Millionen Hörer erreicht werden.

Wie sehen die weiteren Digitalradio-Pläne in Österreich aus?

Mit dem Digitalisierungskonzept der KommAustria sollen spätestens im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen für digitalen terrestrischen Hörfunk im DAB+-Standard ausgeschrieben werden, damit spätestens 2018 – parallel zur UKW-Verbreitung – der Regelbetrieb laufen kann.

Neben Wien sollen weitere Hörfunkcluster im Osten Österreichs sowie in den Landeshauptstädten entstehen, die entlang der Hauptverkehrsadern zusammenwachsen. So soll im Großteil Österreichs Digitalradio zu empfangen sein. Im Endausbau wären 24 bis 30 bundesweite Radioprogramme in Österreich denkbar. Mit der Abschaltung von UKW ist aufgrund des Widerstands etlicher Marktteilnehmer in Österreich nicht vor 2024 zu rechnen.

Welche Programme sind im Rahmen des Pilotbetriebs zu hören?

Ursprünglich hieß es 14, zum Start am 28. Mai sind es nun sogar 15 Programme geworden: Arabella -Rock, Radio Melody, Lounge FM, NRJ Wien, Radio Stephansdom, Welle 1, Now Radio, ERF Plus Österreich, Herold relax, Radio Maria, CHR-AC, ARBÖ Verkehrsradio, Radio Technikum, Radio Allelon, SoundTrax.

Warum machen Sender wie der ORF oder Kronehit nicht beim Digitalradio-Pilotbetrieb mit?

Rechtliche Gründe gab der ORF für seinen Ausstieg aus dem Projekt an. Bedenken gegen die geplante Vermarktung und einen möglichen “Frontalangriff auf UKW” waren es beim Privatsender Kronehit. Der ORF führte vor allem die Ablehnung der KommAustria von “Ö3 Visual” an. Man wolle nur mit einem eigenen neuen Programm mitmachen, nicht aber mit einem bereits bestehenden, so die Begründung.

Mit dem Digitalradio-Test hatte das geplante Internet-Video-Angebot “Ö3 Visual” freilich gar nichts zu tun, und der ORF hätte laut ORF-Gesetz für die Dauer von sechs Monaten auch so die Möglichkeit, neue Programme ohne KommAustria-Vorabprüfung in einem Testbetrieb auszuprobieren. Kronehit-Chef Ernst Swoboda erklärte wiederum, dass er sich die Gattung Radio nicht mit einem Pilotversuch “demolieren” lassen wolle.

(APA)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen