Staatsopern-Saison wurde erfolgreich mit “Macbeth” eröffnet

Am Sonntag startete die Wiener Staatsoper in die neue Saison.
Am Sonntag startete die Wiener Staatsoper in die neue Saison. - © WIENER STAATSOPER/MICHAEL PÖHN
Am Sonntag startete die Staatsoper mit “Macbeth” erfolgreich in die neue Saison. Christian Räths transferierte den Stoff von Giuseppe Verdi gekonnt in die Gegenwart und ließ tief in die Ohnmacht auch manch gegenwärtiger Despoten blicken. Auch die Solisten, das Orchester und nicht zuletzt der Chor wurden vom Publikum gefeiert.

Wer wirklich hässliche Obmann-Debatten verfolgen will, muss nicht erst einen Blick auf die heimische Parteienlandschaft werfen: Wer im mittelalterlichen Schottland den Königsthron bestiegen hatte, galt gleichzeitig schon wieder als Ablösekandidat, der um Leib und Leben fürchten musste. Räth und Ausstatter Gary McCann haben Kettenhemd und Streitaxt gegen Faustfeuerwaffen und Geheimdienst-Klischees getauscht. Macbeth wartet in einer schmucklosen militärischen Festung, deren graue Mauern mithilfe der Drehbühne zu immer neuen bunkerhaften Visionen kombiniert werden, auf seine gewaltsame “Ablöse”.

Staatsopern-Saison eröffnet mit “Macbeth”

Erinnerungen an Despoten im arabischen Raum dürften von Räth wohl nicht ganz unbeabsichtigt gewesen sein. So viel Politik, so gut. Denn dem gebürtigen Hamburger geht es eher um die Rastlosigkeit, die mit der Macht der zunehmend ohnmächtigen Titelfigur (George Petea) einhergeht. Seine Triebfeder freudscher Natur ist Lady Macbeth (Tatiana Serjan), seinem emotionalen Alter Ego. Nur die Hexen bleiben auch bei Räth schlicht Hexen.

Die Unstimmigkeiten, welche die große Opern-Geste der Solisten im minimalistisch-zeitgenössischen Rahmen verursachte, störten kaum. Und auch stimmlich wurde gegeben, was überbordende Emotion so hergibt: George Petean lotete in der fordernden Titelpartie seine Grenzen aus, bis in seiner Schluss-Arie “Pietà, rispetto, amore” endlich der verdiente Szenenapplaus einsetzte. Lady Macbeth Tatiana Serjan – sie hatte die Partei bereits 2011 bei den Salzburger Festspielen übernommen – kam die Anerkennung schon einige Akte zuvor zuteil, ihr drängender dramatischer Sopran beherrschte die Aufführung streckenweise.

Publikum feierte Orchester und Chor

Aber auch Ferruccio Furlanetto als Banquo und Jorge de Leon Macduff wurden schon während des Stücks mit Anerkennung bedacht. Im Orchester machte sich unter Dirigent Alain Altinoglu – der 39-jährige Franzose wurde eben erst zum neuen Musikdirektor von La Monnaie in Brüssel ernannt – Spielfreude breit, was zwar streckenweise auf Kosten des lyrischen Potenzials der Partitur ging, das Publikum aber unbarmherzig lustvoll aus der Sommerpause in die neue Saison peitschte. Übertroffen wurde dies nur noch durch den Chor der Staatsoper, der sein gesamtes Stimmband-Potenzial aufbot, um ein gewaltig-bombastisches Lebenszeichen von sich zu geben.

Bravo-Rufe gebührten nach der Premiere nicht nur jenen Künstlern auf der Bühne – insbesondere dem Titelpaar -, sondern auch der Crew dahinter. Trotz der sanften Aktualisierung des Stücks hatte diese das Kunststück vollbracht, das Stammpublikum im wohl kritischsten Opernhaus der Welt nicht völlig zu verstören. Und auch der politische Stoff selbst wirkte angesichts des draußen anhaltenden Wahlkampfes nicht mehr allzu aufwühlend.

(APA/Red)

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