Staatsoper: Anna Netrebko glänzt in "La Boheme"

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Anna Netrebko als Mimi und Piotr Beczala als Rodolfo in "La Boheme"
Anna Netrebko als Mimi und Piotr Beczala als Rodolfo in "La Boheme" - © Wiener Staatsoper GmbH / Barbara Zeininger
Bei ihrem Paraderollen-Debüt in Wien im Duo mit Piotr Beczala stellte Anna Netrebko ihre stimmliche und darstellerische Reife ganz ohne Glamour unter Beweis.

“Alle sind da und lächeln mir zu”, singt die todgeweihte Mimi mit ihren letzten, von Puccini noch einmal ins dramatische Aufbäumen geführten Atemzügen. Anna Netrebko, die eine ihrer Paraderollen am Ostermontag endlich auch im Haus am Ring zum gewohnt Besten gab, hätte von sich selbst sprechen können: Alle waren für sie gekommen, lächelten und jubelten ihr zu. Mit Piotr Beczala, der als Rodolfo ebenfalls sein Rollendebüt an der Staatsoper gab und die Publikumssympathie mit seiner lebhaften Darstellung im Sturm nahm, hat Netrebko die Partie schon an der Met gesungen. Als starkes Duo über alle stimmlichen Höhen und Tiefen sorgten die beiden für eine glänzende “La Boheme”.

Gar nicht Diva ist Netrebko als Mimi: Schüchtern, träumerisch, mit gesenktem Kopf, großen Augen und scheuem Lächeln gewinnt sie die Liebe Rodolfos – und überstrahlt, blass im grauen Kleid vom Hintertisch, auch die grell kostümierte, lautstarke Musetta (Anita Hartig mit solider Leistung). Die Zartheit in Haltung und Ausdruck verliert sie auch dann nicht, wenn sie mühelos den ganzen Saal füllt mit ihrem seidigen Timbre. An der Partie, die Anna Netrebko nicht zuletzt in Robert Dornhelms Opernverfilmung sang, konnte sie in der glamourfreien Bühne der Zeffirelli-Inszenierung einmal mehr ihre unbestechliche stimmliche Autorität und darstellerische Reife unter Beweis stellen.

Piotr Beczala soll Netrebko auch bei den Salzburger Festspielen 2012 als Rodolfo zur Seite stehen. Gestern erwies sich der polnische Tenor weniger als klangliche Offenbarung denn als charmanter Darsteller und Stimmenspieler, der sich Mühen in manchen Lagen fast nicht anmerken ließ. Den Rodolfo legte er nicht als tragisch-schmachtenden Poeten an, sondern porträtierte ihn als kindisch unbeholfenen Träumer, der gerne große Worte über Liebe macht, bei Schwierigkeiten aber rasch den Kopf einzieht. Sichtlich beglückt über die große Resonanz nutzte er noch die langen Minuten des Applaus’, um sich strahlend als Publikumsliebling zu etablieren. Viel Anerkennung gab es auch für den überzeugenden Boaz Daniel als Marcello.

Im Orchestergraben bemühte sich Constantinos Carydis, das sentimentale Geschnörkel Puccinis in klar umrissene Stuckatur zu schneiden, konnte Volumen und Breite des Orchesters aber nicht durchgehend disziplinieren. Zauberhafte Erarbeitungen und wohldosierte Klangverhältnisse fanden sich an diesem Abend immer wieder unterbrochen von störendem Ausschweifen und Unsauberkeiten.

Doch kaum etwas ist unverzeihlich im Glanz rund um Anna Netrebko, die mit dem gestrigen Abend einen wahren Marathon an der Staatsoper eingeleitet hat: Nach einer weiteren “Boheme” am 8. April gibt sie ihr Rollendebüt als Elvira in Bellinis “I puritani” (ab 19.4.) und trifft dann mit Elina Garanca (und Mariss Jansons am Pult) in Bizets “Carmen” zusammen (ab 3.5.). Am 18. und 21. Mai steht sie erneut als “Manon” auf der Bühne.

“La Boheme” von Giacomo Puccini
Inszenierung: Franco Zeffirelli, weitere Vorstellungen: 8. und 11. April (Tamar Iveri als Mimi), http://www.staatsoper.at

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