Spezielles Enteisungssystem geplant: Tests mit ÖAMTC-Hubschrauber in Wiener Windkanal

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Ein ÖAMTC-Hubschrauber wird zu Testzwecken im Wiener Windkanal vereist.
Ein ÖAMTC-Hubschrauber wird zu Testzwecken im Wiener Windkanal vereist. - © APA/HARALD SCHNEIDER
Um Hubschrauber vor Vereisung zu schützen, wird derzeit an einem speziellen Lack gearbeitet. Im weltweit größten Klima-Wind-Kanal in Wien-Floridsdorf werden mittels Vereisung eines ÖAMTC-Hubschraubers wichtige Daten dafür gesammelt.

Fliegen Hubschrauber durch Wolken laufen sie Gefahr, zu vereisen. Für große Helikopter gibt es bereits Enteisungssysteme, für kleine und mittelgroße wird derzeit das weltweit erste derartige Gesamtsystem entwickelt. Unter anderem ist dafür ein beheizbarer Lack vorgesehen. Im Wiener Klima-Wind-Kanal werden diese Woche Daten dafür bei der Vereisung eines ÖAMTC-Hubschraubers gesammelt.

Beheizbarer Lack soll vor Vereisung schützen: Tests in Wien

Seit 2014 fungiert der weltweit größte Klima-Wind-Kanal in Wien-Floridsdorf auch als überdimensionale Vereisungs-Maschine, mit der getestet werden kann, wie Fluggeräte reagieren, wenn sie mit hoher Geschwindigkeit und bei extremen Temperaturen durch Wolken fliegen. Im Rahmen des von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützten, auf drei Jahre ausgelegten österreichisch-deutschen Projekts macht man sich am Prüfstand von Rail Tec Arsenal (RTA) erstmals daran, einen ganzen Hubschrauber unter kontrollierten Bedingungen dem künstlichen Wind und Wetter auszusetzen, wie RTA-Projektleiter Otto Bucek der APA erklärte.

Der Airbus EC135-Helikopter aus der “Christophorus”-Flotte des ÖAMTC “durchfliegt” im Laufe der mehrtägigen Tests bei Windgeschwindigkeiten von rund 90 Stundenkilometern verschiedene Wolkenarten. Einerseits sind das die lockeren Stratuswolken, die bei längeren Flügen zu leichter bis mittelstarker Vereisung führen können, andererseits geht es um die dichten Cumuluswolken, in denen kurzer Zeit dicke Eisschichten entstehen können. “Für uns ist es neu, zu schauen, wie sich ein komplettes Luftfahrzeug in dem Vereisungs-Windkanal verhält”, ungekehrt erhofft sich der Aerodynamikspezialist auch neue Erkenntnisse über die Möglichkeiten der Anlage.

Flüge durch Wolken oft unvermeidbar

Da Flugrettungen, wie die des ÖAMTC mittlerweile durchgehend und auch bei schlechtem Wetter im Einsatz sind, sind Flüge durch Wolken oft unvermeidbar. Enteisungssysteme für kleinere Hubschrauber “gibt es aber weltweit noch nicht”, sagte Projektkoordinator Markus Villinger, Geschäftsführer des auf Vereisungsschutz spezialisierten Tiroler Unternehmens Villinger GmbH, zur APA. Die Systeme, deren Entwicklung die Projektpartner Villinger, CEST GmbH, Heli-Air Transportation GmbH, Österreichisches Institut für Vereisungswissenschaften (AIIS) und RTA anstreben, sollen vor allem “das Einsatzspektrum erweitern”.

Einerseits brauche es eine Lösung für das Enteisen der gefährdeten Rotoren. Andererseits möchte man im Klima-Wind-Kanal herausfinden, “wo der Hubschrauber an der Kabine Eis ansetzt. Das lässt sich eigentlich nicht errechnen. Im Windkanal kann man das sicher testen, ohne sich der Gefahr in der Wolke auszusetzen”, so der Projektkoordinator. So wird analysiert, welche Bereiche des Helikopters neben den Rotoren noch zusätzlich enteist werden müssen.

Grund dafür ist, dass die Fluggeräte sensibel auf Gewichtszunahme durch das Eis reagieren, wenn es zu Veränderungen des Schwerpunkts kommt. “Wir haben eine Technik entwickelt, die zum Teil auf elektrisch heizbaren Lacken besteht”, so Villinger. Am Ende soll ein “hochgradig vereinfachtes System für die Enteisung von so einem Flugzeug” stehen. “Sobald wir sehen, dass das möglich sein sollte, was wir eigentlich jetzt schon glauben, gehen wir in die Produktentwicklung”, sagte Villinger.

Neben dem österreichischen Konsortium, das seinen Teil des Vorhabens mit einem Budget von rund 1,5 Millionen Euro vorantreibt, arbeiten auf deutscher Seite u.a. Airbus Helicopters, das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) oder die Technische Universität Braunschweig an dem Forschungsprojekt.

(APA/Red)

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