Spektakuläres Rolling Stones-Konzert vor 95.000 Fans in Spielberg

Die Stones rockten Spielberg - © APA

Mit einem Hit-Feuerwerk haben die legendären Rolling Stones einmal mehr ihren Fans beweisen, das sie weder zu alt zum rocken sind noch zu sehr von der Vergangenheit leben. 95.000 Zuseher konnten angesichts eines kompakten, von Gitarren dominierte Sounds ohne üppige Arrangements fast Club-Atmosphäre genießen.

Der Auftritt im steirischen Spielberg darf der bestbesuchte im Rahmen der aktuellen Konzertreise durch Europa genannt werden.

Rolling Stones rockten vor 95.000 Fans in Spielberg

Natürlich gehören zu den Stones Superlative, das muss schon sein, schließlich sind sie ja die größte Rockband auf Erden und Ewigkeit. Daher erinnern die Videowalls auf der “No Filter” Tour an Hochhäuser. Letztendlich war aber trotz des Aufwands (wobei die Bühne selbst vergleichsweise nüchtern gehalten wurde) und Denkmalpflege – man schaut halt gerne Keith Richards zu, einfach weil er Keith Richards ist – die Musik das Spektakel schlechthin. Im Alter von 70 (Ron Wood) bis 76 (Charlie Watts) rockten die Stones beseelt, agil und beinahe so gefährlich wie damals, als sie eine neue Generation aus dem Nach-Weltkriegs-Mief führten.

Richards Voodoo-Stick, der schon den Regen beim Tourauftakt in Hamburg gestoppt hatte, dürfte auch gestern seine Magie entfaltet haben. Das Terrain in Spielberg war matschig und eigentlich nur mit Gummistiefeln halbwegs bezwingbar, aber der Regen setzte am Nachmittag aus, es blieb trocken. So loderten Punkt 20.40 Uhr die (LED-)Flammen, als Jagger überlebensgroß auf vier Videowalls projiziert, zwischen Rauchschwaden hervortänzelnd die ersten Zeilen von “Sympathie For The Devil” mit diabolischem Charme sang. Dann ein Gitarrenlick wie aus der Hölle: Richards und Wood schnitten in den Song und prägten diesen mit einem erdigen, rauen Gitarrensound.

Party-Kracher ohne ausufernden Begleitsound

Der Auftakt war Programm. Auch wenn die Briten wieder zahlreiche Begleitmusiker mitgebracht hatten, wurde das Klangbild nicht von dick aufgetragenen Keyboards oder ausufernden Bläser-Sektionen aufgeblasen. In Spielberg bekam man die Rolling Stones fast pur. Das funktionierte bei ausgelassenen Party-Krachern (“It’s Only Rock ‘n’ Roll”) ebenso gut wie bei düsterem Blues-Rock (“Midnight Rambler”), Mitsing-Gassenhauern (“You Can’t Always Get What You Want” mit dem besten Solo von “Herrn Holz”, wie Jagger Ron Wood nannte) und bei aggressivem Soundtrack zum Widerstand (“Street Fighting Man”). Das Beste hob man sich für den Schluss auf: Zuerst eine brodelnde Version von “Gimme Shelter” (mit Soulröhre Sasha Allan als zweite Stimme), dann ein vor Kraft strotzendes, ruppiges “Jumpin’ Jack Flash”.

Altersschnitt des Publikums: Knapp unter 40

Das emotionale Barometer der Stones, Mick Jagger, lief auf Hochdruck – tanzend und singend als wären die letzten 50 Jahre spurlos an ihm vorübergegangen. “Die Kunst des Älterwerdens ist es, nicht erwachsen zu werden”, hat Jagger einmal gesagt. Die jugendliche Freude am Krawallmachen, wenn auch bei fürstlicher Entlohnung, ist den Stones geblieben. Wahrscheinlich grinste Charlie Watts hinter seinem kleinen, aber effektiv bearbeiteten Drumkit darum bis über beide Ohren. Laut einer Ticketverkaufs-Erhebung belief sich übrigens der Altersschnitt des Publikums auf knapp unter 40, auch viele junge Menschen waren gekommen.

Die Stärke der Stones seit jeher liegt in der Fähigkeit, sich diverse Stile zu eigen zu machen. In Spielberg reichte die Palette von purem Blues (u.a. das Jimmy-Reed-Cover “Ride ‘Em Down”) bis zu Disco (“Miss You” mit viel Verve), vom geisterhaft-psychedelischen “Paint It Black” bis zum Country-Kalauer “Honky Tonk Women”. Wer immer noch der Meinung war, die von Richards gesungenen Lieder dienen dazu, schnell Bier nachzuholen, wurde eines Besseren belehrt: “Happy” und “Slipping Away” berührten zutiefst. “Bis bald” stand am Ende, als das Feuerwerk abgeschossen war, auf den Videowalls. Zu den Stones in dieser Form würden die 95.000 wohl gerne noch einmal durch den Gatsch waten. “It’s a gas gas gas!”

95.000 Fans kamen in 17.000 Pkw und 350 Bussen

“Für eine so große Veranstaltung sind es verschwindend geringe Zwischenfälle”, bilanzierte die Polizei am Samstag knapp vor Mitternacht das Konzert der Rolling Stones beim Red Bull Ring im obersteirischen Spielberg. Rund 95.000 gingen beim Gig der “No Filter”-Tour mit, der Großteil davon in rund 17.000 Pkw und rund 350 Bussen, aber auch in Zügen und Sonderzügen angereist.

Ein paar kleinere Körperverletzungen, die meisten in Verbindung mit Alkoholisierung, hatte es gegeben, sagte Polizeisprecher Fritz Grundnig zur APA. Dazu kamen etliche Identitätsfeststellungen sowie Versorgungen durch die Rettungskräfte wegen medizinischer Probleme. Knapp nach Mitternacht begannen die meisten Fans in Scharen in Richtung Parkplätze und Bahnhöfe abzuwandern. Die Zufahrt von den Parkräumen zu den Auffahrten auf die Murtalschnellstraße (S36) nahm einige Zeit in Anspruch. Bei der Polizei schätzte man, dass das Gros der mobilen Konzertbesucher bis gegen 2.00 Uhr in der früh abgereist sein könnte.

(APA/Red.)